Hundeboom während Corona: Die Nachfrage nach Hunden beim Bamberger Tierschutzverein "Tierisch grenzenlos e.V." hat im Corona-Lockdown extrem zugenommen. Der Vorsitzende des Vereins, Oliver Tag, spricht von einem "deutlich spürbaren Anstieg" - er sieht die Entwicklung kritisch.

"Die Zahl der Vermittlungen ist nicht angestiegen, aber die der Anfragen", erklärt Ursula Tag, ebenfalls Mitglied des Vereins. Täglich erhalte "Tierisch grenzenlos e.V." eine große Zahl an Anfragen - hauptsächlich per Mail, aber auch per Telefon, Facebook und Instagram. Die Tierschützer vermuten, dass bei vielen Anfragen der Corona-Lockdown Grund für das Interesse an einem Hund ist.

Bamberg: Nachfrage nach Hunden im Corona-Lockdown doppelt so hoch

Die Befürchtung: Laut Ursula Tag seien für viele der Interessenten Home-Office, Langeweile oder die Möglichkeit, nach 21 Uhr das Haus zu verlassen, Gründe für die Anschaffung eines Hundes. "Man muss genau hinterfragen, ob sich die Interessenten bewusst sind, wie viel Zeit ein Hund in Anspruch nimmt". Deshalb arbeiteten die Tierschützer momentan noch vorausschauender als vor dem Lockdown.

Erster Filter für die Ernsthaftigkeit einer Anfrage sei immer eine Selbstauskunft, die auf der Homepage des Vereins heruntergeladen werden kann. Es müssen dabei auch Angaben über den Beruf und darüber, wie lange das Tier täglich allein bleiben muss, gemacht werden. In etwa vier von fünf Fällen lesen die Tierschützer hier momentan: "Home-Office". "Sie schreiben aber nicht dazu, dass es wegen der Pandemie ist", bemängelt Ursula Tag. Schließlich sei nicht klar, ob nach der Pandemie alle Jobs im Home-Office bleiben.

Für ihren eigenen Verein befürchten die Tierschützer nach dem Lockdown keine negativen Folgen - "Weil wir genau hingucken, wir machen keine Corona-Vermittlungen", erläutert Ursula Tag. Bei Unsicherheit verzichtet der Verein dann lieber auf eine Vermittlung. Die Sorge der beiden ist viel mehr, dass nach der Pandemie einige Tiere in Tierheimen landen werden und dass durch die erhöhte Nachfrage nach Hunden der illegale Welpenhandel noch weiter angekurbelt wird.

"Vernunft statt Mitleid": Umweltministerium startet Kampagne gegen illegalen Welpenhandel

Mit dieser Sorge sind Oliver und Ursula Tag nicht allein. Auch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz bemerkt diese Entwicklung. Vor allem Hunde werden vermehrt im Internet angeboten. Um auf das Thema "illegaler Welpenhandel" aufmerksam zu machen, startete das Umweltministerium die Internetkampagne "Vernunft statt Mitleid". 

In dieser Kampagne wird vor dubiosen Anzeigen im Internet und der Zeitung gewarnt. "Denn die 'Schnäppchen' sind nicht nur auf Kosten der jungen Hunde und der Muttertiere erkauft, sondern sorgen für unermessliches Leid in Massenzuchtanlagen und Tiertransporten."

Mehr zum Thema "illegaler Welpenhandel": Im Tierheim Nürnberg sind sieben geschmuggelte Welpen gelandet. Die kleinen Rasse-Hunde befanden sich in einem "bedenklichen Zustand" - und sind laut Tierheim "noch nicht alle über den Berg".