• "Corona-Hunde": Tierheim Bamberg fürchten Rückgabewelle vor allem junger Hunde
  • Während Pandemie: Internetverkäufe und illegaler Welpenhandel stark gestiegen
  • Plötzlich "wahnsinnig viele" Anfragen für Hundepension in der Urlaubszeit
  • Bamberger Tierschützerin: "Corona-Hunde" größeres Problem als "Corona-Katzen"

Während der Pandemie sind sowohl Vermittlungen aus Tierheimen als auch Internetkäufe von Tieren stark angestiegen. Mit dem Ende der Homeoffice-Pflicht und dem Beginn der Ferienzeit rechnet das Tierheim Bamberg mit einer Rückgabewelle von vor allem jungen und unerzogenen Hunden.

Tierheim Bamberg: Düstere Prognose - "Corona-Hunde" bald "unerträglich"

"Die Hunde werden unerträglich werden und spätestens gegen Winter, wenn die Leute keine Lust mehr haben rauszugehen, werden sie die Hunde abgeben. Uns fällt auch auf, dass wir wahnsinnig viele Pensionsanfragen für die Urlaubszeit haben", sagt Tierpflegerin Paula Wein inFranken.de. Die Befürchtung sei, dass manche Besitzer ihre Tiere nach dem Urlaub nicht wieder aus der Pension abholen oder sie bei fehlenden Pensionsplätzen einfach aussetzen.

Laut der Stiftung für Tierschutz Vier Pfoten berichten zunehmend Tierheime in ganz Deutschland, dass immer mehr Haustiere bei ihnen abgegeben werden und sie schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. "Im vergangenen Jahr wurden besonders Welpen oft spontan und unüberlegt angeschafft. Jetzt sind einige Halterinnen und Halter mit der Verantwortung, die ein Tier mit sich bringt, überfordert", äußert sich Daniela Schneider von der Stiftung dazu. Besonders online gekaufte Hunde zeigen demnach häufig Verhaltensauffälligkeiten, mit denen unerfahrene Besitzer*innen überfordert sind.

"Es ist damit zu rechnen, dass viele der spontan angeschafften Tiere ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben werden, wenn der Lockdown vorbei ist – schon vor der Pandemie wurden jährlich rund 65.000 ausgesetzt", kommentiert auch Jana Hoger vom Peta Deutschland e.V. den Sachverhalt kritisch in einem Statement. "Wir befürchten, dass viele Menschen sich nicht mehr ausreichend um ihre tierischen Mitbewohner kümmern können oder wollen, wenn Normalität einkehrt und Reisen und andere Freizeitaktivitäten wieder möglich sind."

Bamberger Tierschützerin mit dringendem Appell: "Machen keinen Vorwurf"

"Auf der anderen Seite sind wir aber froh und dankbar, wenn die Tiere dann bei uns im Tierheim abgegeben werden", sagt Wein vom Tierheim Bamberg. Denn die Alternative sei, dass die Tiere einfach ausgesetzt werden. "Natürlich finden wir es nicht gut, wenn die Tiere dann abgegeben werden. Trotzdem machen wir den Leuten keinen Vorwurf deswegen. Wir würden uns nur wünschen, dass man sich vorher mehr Gedanken über die Anschaffung eines Haustiers macht."

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Vorbereiten könne man sich auf die Rückgabewelle nicht, so Wein. "Wir behalten das aber im Hinterkopf und schauen, dass wir irgendwie ein oder zwei Plätze mehr frei haben." Betroffen sein werden hauptsächlich Hunde, sagt sie. "Wir haben während Corona zwar besonders viele Katzen vermittelt, das sind aber hauptsächlich Freigänger, also auch, wenn die Besitzer dann weniger Zeit haben, machen sie ihr eigenes Ding. Da werden wir kaum welche zurückbekommen", vermutet sie.

Der neue Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg sieht die Einführung eines Hundeführerscheins vor. Wäre diese Maßnahme auch in Bayern sinnvoll? Martina Höng, Leiterin des Hersbrucker Tierheims, ist sich sicher.