Hersbrucker Tierheimleiterin macht sich für verpflichtenden Hunde-Führerschein stark: In Baden-Württemberg steht die Einführung eines verpflichtenden Hunde-Führerscheins zur Debatte. In Bayern gibt es aktuell noch keine vergleichbare Prüfung für Hundehalter. Die Hersbrucker Tierheimleiterin befürwortet das Konzept.

Der neue Koalitionsvertrag von CDU und Grünen in Baden-Württemberg umfasst einen Hunde-Führerschein nach dem Vorbild Niedersachsens, so heißt es am Montag (3. Mai 2021) in Parteikreisen in Stuttgart. Im Text steht, dass man für die Hundehaltung dann einen "Sachkundenachweis" haben muss. In Niedersachen müssen Hundehalter seit 2013 ihre Sachkunde unter Beweis stellen.  "Die theoretische Prüfung ist vor Beginn der Hundehaltung, die praktische Prüfung innerhalb des ersten Jahres der Hundehaltung erfolgreich zu absolvieren", heißt es auf der Internetseite des Niedersächsichen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Hersbruck: Tierheimleiterin spricht sich für Hunde-Führerschein-Pflicht aus

Konkret bedeutet das: Hundehalter müssen in einem schriftlichen Test und einer praktischen Prüfung vor Experten ihr Wissen über das Sozialverhalten der Vierbeiner demonstrieren. In Niedersachsen kostet die Prüfung jeweils 40 Euro. Hintergrund für den Führerschein ist, Menschen vor Beißattacken zu schützen und im Sinne des Tierschutzes den Haltern die Bedürfnisse ihrer Hunde näherzubringen.

In Bayern gibt es für Hundehalter aktuell noch keine verpflichtende Prüfung ihrer Kenntnisse. Nur Halter gelisteter Hunderassen, bei denen laut Gesetz "eine Eigenschaft als Kampfhunde vermutet" wird, müssen einen sogenannten "Wesenstest" absolvieren. Martina Höng findet auf die Frage, ob eine Einführung eines verpflichtenden Führerscheins auch in Bayern sinnvoll wäre deutliche Worte: "Ja, auf jeden Fall." Gerade durch die Corona-Pandemie mache das Tierheim viele Erfahrungen mit Hunde-Neu-Besitzern, also Menschen, die davor noch nie einen Hund hatten. Das Problem sei außerdem oft, dass die Hundehalter sich den Besuch einer Hundeschule, beispielsweise aus Kostengründen sparen wollen.

Eine ausreichende Ausbildung von Hund und Halter, gewissermaßen ein "Hunde-ABC", sei aber unerlässlich. Kenne der Hund nämlich keine Grenzen und es kommt beispielsweise zu einem Beißvorfall, dann landen die Hunde meist in den Tierheimen. Eine weitere Vermittlung ist oft schwer. Dem könne man durch einen Hunde-Führerschein entgegenwirken. "Wenn ich den Hund ordentlich sozialisiert habe, ich mir meiner Verantwortung bewusst bin und der Hund eine ordentliche Ausbildung hat, passiert so etwas nicht", erklärt Höng. Auch mit der Rasse hätten beispielsweise Beißvorfälle nichts zu tun.

 Hunde-Führerschein auch in Franken gefordert: "Tieren viel Leid ersparen"

Gerd Schuster vom Hundezentrum Mittelfranken stimmt dem nicht voll zu. Seine Einrichtung betreibt unter anderem eine Hundeschule, hat sich aber außerdem auf die Sicherung gefährlicher Hunde spezialisiert. In Schusters langjähriger Arbeit mit gefährlichen Hunden kenne er deshalb auch Fälle, in denen sich die Hundehalter große Mühe geben, es aber trotzdem zu Vorfällen kommt. Hier seien dann die Genetik oder gesundheitliche Ursachen verantwortlich. Trotzdem hält er einen Hunde-Führerschein grundsätzlich für sinnvoll: "Ich denke, dass er prinzipiell als Rahmen gut ist." Wichtig sei für ihn aber, dass die Prüfungen gezielt auf die einzelnen Hunderassen zugeschnitten werden. Denn: "Hund ist nicht gleich Hund. Das ist das Problem."

Schuster hält "eine Art Breitenausbildung für Hundehalter" für notwendig. In der Umsetzung müsse aber auf die Eigenheiten der jeweiligen Hunderasse eingegangen werden. In Bezug auf einen möglichen Hunde-Führerschein hält Schuster fest: "Er muss gekoppelt sein an die Verhaltensbiologie und die individuellen Bedürfnisse des Hundes." Sobald die Prüfung zu allgemein sei, hält er einen Führerschein nur bedingt für wirksam. Eine andere Frage, die für den Hunde-Profi noch vor der Einführung geklärt werden müsse, lautet: "Kann man den Führerschein verwirken?" Was passiert also mit einem Tier, wenn in der Hundehaltung trotz Hunde-Führerschein Probleme auftreten?

Auch Martina Höng sieht einen großen Mehrwert des Hunde-Führerscheins in der Vermittlung von theoretischem Wissen, dass Hundehaltern häufig fehlt. Von Tierheimen werde schließlich auch erwartet, dass ihre Mitarbeiter "sach- und fachkundig" sind. Ein Hundehalter müsse sich schon im Voraus mit der Rasse seines Hundes auskennen. Außerdem müsse er über Urinstinkte seines Hundes, wie einen Wächter- oder Jagdinstinkt sowie seine Bedürfnisse Bescheid wissen. Die Wahl einer Hunderasse dürfe sich nicht nur am Aussehen orientieren. Sie ist sich sicher: "Wenn sich die Leute mit dem Führerschein beschäftigen, würde man den Tieren und den Tierheimen viel Leid ersparen."

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