Familien mit Kinderwagen und Radfahrer hatten keine Mühe, durch den Sand zu kommen - für jene fünf Tage, in denen normalerweise die Kirchweih im Sand stattfindet, ein nahezu unglaublicher Satz. Doch entgegen mancher Befürchtung im Vorfeld kam es in den vergangenen Tagen eben nicht zu "Sandkerwa-ähnlichen Zuständen" - weder wie berichtet am Donnerstag, Freitag und Samstag, noch am Sonntag und Montag. Sandbewohner Jochen Löhner drückte es am Montag so aus: "Es is heute wie jeden Tag." Obwohl er normalerweise stark von der Lautstärke betroffen ist, hätte er die üblichen Sandkerwa-Tage aber auch heuer "schon gerne ausgehalten."

Maßnahmen zeigten Wirkung

Stattdessen: "Wir haben ein sehr ruhiges Wochenende erlebt, was auch die Polizei bestätigt", zieht Bürgermeister Jonas Glüsenkamp (Grüne) Bilanz. "Die Menschen haben sich rücksichtsvoll verhalten, und die Corona-Regelungen wurden eingehalten." Dazu hätten auch die Allgemeinverfügung und die Präsenz der Polizei beigetragen, die besonders am Wochenende häufig patrouillierte, aber kaum Verstöße gegen das Außer-Haus-Verkaufsverbot alkoholischer Getränke ahnden musste. "Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit den Maßnahmen, die wir getroffen haben."

Auch Stefan Meyer-Brandis, Inhaber der Kneipe "Stilbruch", berichtet von ruhigen Tagen. "Wir hatten ein sehr schönes, sehr angenehmes Wochenende mit vielen netten Menschen." Einen großen Ansturm gab es nicht, das Geschäft lief sogar ein klein wenig schlechter als die Wochenenden zuvor. Hätte die Sandkerwa wie im Vorjahr stattgefunden, hätte er zwar einen sehr hohen personellen wie organisatorischen Aufwand betreiben müssen. "Aber auch der Umsatz ist während der Kerwa um ein Vielfaches höher. Umsatz, der jetzt fehlt. Aber die Zeiten sind verrückt - was soll ich machen?", zeigt sich der Wirt aufgrund der ohnehin hohen Einbußen durch die Pandemie resigniert.

Beim Kollegen schräg gegenüber fällt der Ausfall hingegen weniger ins Gewicht. "Dem Pizzini hat die Absage der Sandkerwa meines Eindrucks nach nicht viel geschadet", sagt Wolfgang Geyer, Betriebsleiter der Kneipe. Zumindest im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren habe es "keine extremen Einbußen" gegeben. Zwar fanden im Pizzini während der Kerwa oft gut besuchte Konzerte statt, die Live-Auftritte seien aber "mehr Liebhaberei als Geschäft".

Als Sandbewohner habe Geyer ohnehin ein "ambivalentes Verhältnis" zur Kerwa: "So, wie ich das aus meiner Jugend kannte, ist es schon lange nicht mehr - seit der Beschränkung auf 23 Uhr." Seiner Meinung nach "bräuchte es die Sandkerwa gar nicht mehr".

Ein paar Jugendliche aus Würzburg, die am Montag auf der Unteren Brücke das Trinkspiel "Flunky Ball" spielen, ist die Absage hingegen gar nicht aufgefallen. "Wir kennen die Kirchweih nicht, uns hat es auch so hier super gefallen."