Es war ein Schock in der Morgenstunde. Mehr als ein Dutzend Menschen, darunter etliche Hotelgäste genossen ihr Frühstück im Café Graupner, als die friedliche Szene mit Blick auf die belebte Lange Straße urplötzlich zum Schauplatz eines schweren Unfalls wurde: "Wir hörten einen Schlag, das ganze Haus hat gezittert", schildert Peter Graupner die Sekunde, als ein Auto in die Fassade seiner Konditorei donnerte.

Draußen, vor dem Eingang des Spezialitätengeschäfts, bot sich ein Bild der Zerstörung: Ein dunkelblauer Golf Kombi hatte sich in die Fassade des denkmalgeschützten Hauses gebohrt, Sandsteinplatten waren zerborsten, das Schaufenster gesprungen. Der Unglücksfahrer lag nach Zeugenaussagen reglos im Wagen.

Manfred Mayer wurde Zeuge des Geschehens: "Das Fahrzeug prallte zuerst auf den Gehweg rechts, wo ich mich als Fußgänger befand. Ich sprang in den Eingang eines Geschäfts, um mich in Sicherheit zu bringen", sagte Mayer.

Zum Entsetzen der Passanten, die am Morgen in der Langen Straße unterwegs waren, hörte die Unglücksfahrt nach dem ersten Aufprall nicht auf, sondern ging unvermindert weiter: Nach dem Schlag rechts steuerte das Auto auf die linke Seite der Straße, wo ein schwarzer Mercedes und ein schwarzer Subaru geparkt waren. Der Golf tangierte zuerst den Mercedes und erfasste dann den weiter vorne befindlichen Subaru und schob ihn auf einen davor geparkten weißen Lieferwagen.

Das außer Kontrolle geratene Fahrzeug muss eine große Wucht besessen haben, wie sich aus dem massiven Schaden am Hecks des Subaru ablesen lässt. Zeugen bestätigen den Eindruck, dass der Fahrer keine Herrschaft mehr über sein Auto hatte: Von einem "aufheulenden Motor" war da die Rede und einem ungebremsten Aufprall, erst aufs Auto, dann aufs Haus.

Der Fahrer hatte Glück im Unglück. Schon wenige Minuten nach dem Unfall konnten Rettungskräfte den Mann reanimieren. Der 53-Jährige, der den Polizeiangaben zufolge in Lebensgefahr geschwebt hatte, befand sich schon am Montagmittag wieder auf dem Weg der Besserung. Für Klaus Hurdaleck von der Bamberger Polizeiinspektion scheint ein Fremdverschulden ausgeschlossen: "Der Mann hatte offenbar sein Bewusstsein und die Kontrolle über das Fahrzeug verloren."


Zum Glück nicht mehr passiert
Weitere Verletzte sind nach Angaben der Polizei nicht zu beklagen. In der Konditorei arbeitete zum Zeitpunkt des Unfalls eine Mitarbeiterin der Firma Graupner. Mit dem Schrecken kamen auch die Passanten davon, die gegen 9.30 Uhr auf dem Einkaufsboulevard unterwegs waren. Hurdaleck mag sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, hätte sich ein vergleichbarer Unfall im Sommer ereignet, wenn die Lange Straße von gut besuchten Freischankflächen gesäumt ist. "Wir hatten ein Riesenglück."

Die Bamberger Polizei taxierte den entstandenen Sachschaden an den drei Fahrzeugen und dem Haus insgesamt auf 81.000 Euro. Wegen der Absperrung in der Langen Straße lief der Verkehr am Vormittag teils nur stockend durch die Lange Straße. Zeitweise stauten sich die Fahrzeuge bis zum Wilhelmsplatz.