Diesen Sonntag öffnen sich Denkmäler der breiten Öffentlichkeit. Dem diesjährigen Motto zufolge, wird es sich um "unbequeme (?)" handeln. Barbara Gülta von der Leitung des Museums der Geschichte Ebrachs, fällt es zunächst ein bisschen schwer, hier einen direkten Bezug zu Ebrachs Beitrag herzustellen. Denn hier gebe es "nichts Unschönes" findet sie - keine Hexengeschichten und kein ehemaliges KZ.

Also nichts, was in seiner geschichtlichen oder gesellschaftlichen Aufarbeitung als unbequem zu bezeichnen wäre. Dieser Begriff wäre am ehesten noch in einem Bereich zutreffend, dem wirtschaftlichen: Denn der Unterhalt einer Kirche von europäischem Rang ist äußerst kostspielig. Und damit zumindest für die Financiers wohl ein Stück weit "unbequem". Und hier ergibt sich dann doch eine Verbindung zum Motto der geöffneten Denkmale. Ebrach kann Einblick in Bayerns zeitweise größte Sanierungsmaßnahme geben: die einstige Klosterkirche.
"Unbequem" dürfte Ebrachs Beitrag dann in direkter Bedeutung vielleicht ja auch für die Besucher werden. Denn allein Anfahrtsstrecke dürfte sich aufgrund ihrer Länge ein bisschen aufwändiger gestalteten als bei den anderen geöffneten Denkmäler in Unterhaid, Burgellern oder Bamberg.

Ebrachs Beitrag ist ein "kleiner, aber feiner" und durchaus sehenswerter, gab Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) bei der offiziellen Eröffnung der Sonderausstellung zu verstehen. Was umso beachtenswerter ist, als die Gemeindearchivarin bei der Konzeption und Umsetzung sozusagen von einen Tag auf den anderen ins kalte Wasser geschmissen wurde: Museumsleiter Viktor Fieger, der das Projekt gemeldet und geplant hatte, fiel kurz vor der heißen Phase krankheitsbedingt aus. Absagen wollte Ebrach nicht. So musste Barbara Gülta das Vorhaben sozusagen komplett neu aus dem Boden stampfen - in etwa knapp drei Wochen. "Ich wusste praktisch nur, dass wir angemeldet waren."

Die studierte Volkskundlerin analysierte die Lage und wagte sich an die Ebracher Interpretation des vorgegebenen Mottos: "Jenseits des Guten und Schönen, unbequeme Denkmale?" Dabei kam sie wie erwähnt auf den finanziellen Aspekt und so auf das Sanierungsgroßprojekt. Das traf sich dann doch wieder gut, denn sie hatte diese Maßnahme praktisch von Anfang an hautnah mitbekommen und journalistisch begleitet. "Ich habe die Restaurierung erlebt."

Die dauerte von 1997 bis 2008 und verschlang rund 12 Millionen Euro. Unter diesem Aspekt - ein echter Glücksfall. So stöberte die 48-Jährige in ihrem eigenen umfangreichen Bildarchiv mit unveröffentlichten und ungewöhnlichen Aufnahmen. Wie etwa diejenige, die zu Forschungszwecken aufgeschnittene Altarsäulen zeigt, oder Detailaufnahmen der Rosettenbe standteile, wie sie der Restaurator benötigte. Ohne das diesjährige Motto des Denkmaltages hätte sich Barbara Gülta wohl kaum veranlasst gesehen, diesen Schatz einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Onkel Rudi

Ein weiterer Glücksfall - Onkel Rudi. Denn auch Barbara Gültas Onkel hat das Großprojekt im Bild festgehalten, so dass man sich verwandtschaftlich prima ergänzte und nun etwa 150 Bilder zu sehen sind. Während der langjährigen Sanierung hat Barbara Gülta Einblick gewinnen können, wie Vergolden funktioniert. Diesem Aspekt ist eine Vitrine gewidmet, die das hierfür Nötige zeigt. Ein ortsansässiger Betrieb stellt die Exponate zur Verfügung. Des Weiteren informiert die Sonderausstellung über das Thema Stuckmarmor.

Barbara Gülta legt Wert auf leicht verständliche und nicht ausufernde Erklärungen. Die die versierte Fremdenführerin auch selbst verfasst hat. Im wörtlichen Sinn begreifen können die Besucher allerdings einen echten Schatz, der sie im historischen Treppenhaus empfängt: Eine wuchtige Turmuhr aus der Klosterzeit, die seit der Dachsanierung im Bauhof lagerte. Dass das gute Stück historisch ist, erklärte Onkel Rudi. Weininger muss es wissen, ist er doch gelernter Uhrmacher. Das mit der Uhr hatte Viktor Fieger noch irgendwie übermitteln lassen. Eigentlich sollte sie ja in den Ausstellungsräumen gezeigt werden. Doch da streikte selbst die sonst kooperative Justizvollzugsanstalt, Hausherrin des Museums. Es sei den Gefangenen nicht zuzumuten, das 300 Kilo schwere Teil bis in den ersten Stock zu schleppen.
Wie steht es nun mit all dem jenseits des Guten und Schönen? Barbara Gülta sinnierte weiter. "Schön ist alles, wenn es neu ist. Wenn es alt und verschlissen ist, will es keiner mehr sehen...." So machte sie sich gezielt auf die Suche und stieß auf alte Balluster, also Ballustradenteile, die sie nun dezent aber doch gezielt zwischen den Bildern und Textbeiträgen platziert hat. Irgendwo fand sie dann noch uralte Wasserleitungen aus der Klosteranlage, die nicht mehr gebraucht wurden aus dem Blickfeld verschwunden waren. Jetzt sind auch sie ganz gezielt in den Focus gerückt.

Ausstellung ist gewachsen

So ist diese Sonderausstellung Stück um Stück zu Einem geworden. Die letzten Tage hat Barbara Gülta mehr oder weniger nur noch im Museum verbracht, "ich habe schon fast nichts mehr zu essen daheim", erklärt sie lachend. Aber die Atmosphäre hier sein wunderbar - Orhgelmusik, die aus der Kirche drang und Sprudeln des Brunnens im Orangieriegarten, da habe dann alles so richtig Spaß gemacht, lässt sie bei der Ausstellungseröffnung wissen. Bürgermeister Schneider und Pater Franziskus, Vorsitzender des Ebracher Forschungskreises, sind beide voll des Lobes über das Resultat. Während Schneider beim Stichwort "unbequem" die Zeit der Renovierung für Pfarrgemeinde einfällt, sieht der Pater in den Exponaten die Chance zur Sensibilisierung für die Leistung des Handwerks. Für den jeweiligen Ausstellungsbesucher dürfte jedenfalls genügend Raum für die eigene Interpretation bleiben.

Dauer: Die letzte Sonderausstellung dieses Jahres im Museum der Geschichte Ebrachs kann noch bis 31. Oktober besucht werden. Geöffnet ist das Museum täglich zwischen 14 und 16 Uhr, der Eintrittpreis beträgt 2 Euro.