Ab Januar werden es insgesamt acht Staatsanwälte sein, die von Bamberg aus schwerpunktmäßig Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch im Internet bekämpfen. Ein entsprechendes Zentrum soll unter dem Dach der Zentralstelle Cybercrime geschaffen werden, die es bereits seit 2015 bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg gibt.

Man wolle so "den Verfolgungsdruck auf die Täter erhöhen", erklärte der Bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU) bei einem Pressetermin in Bamberg. "Es handelt sich hier um abscheuliche Verbrechen, mit jedem einzelnen Bild ist das unvorstellbare Leid eines Kindes verbunden." Das neue Zentrum wird von Oberstaatsanwalt Thomas Goger geleitet, dem stellvertretenden Leiter der Zentralstelle Cybercrime.

Dort war man gemeinsam mit dem Landeskriminalamt 2019 auch auf die Spur eines Würzburger Logopäden gekommen. Dieser ist mittlerweile wegen Kindesmissbrauchs rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Der 38-Jährige hatte sich während Einzeltherapien von 2012 bis 2019 vor allem an geistig behinderten Jungen vergangen und die Taten gefilmt. Aus den beim Logopäden gefundenen Spuren konnten Polizei und Staatsanwaltschaft bisher 44 weitere Tatverdächtige ermitteln, davon 27 aus Deutschland und 17 aus dem europäischen Ausland. Die Ermittlungsverfahren zu diesen Tatverdächtigen seien an die dortigen Behörden weitergeleitet worden. Darüber hinaus wurden bei vielen weiteren Nutzern der Kinderporno-Foren im Netz "vielversprechende Ansätze zu deren Identifizierung" gewonnen und an die zuständigen Behörden etwa in den USA oder Russland weitergeleitet, hieß es.

Die Ermittlungen der Bamberger Experten hätten auch bereits geplante Missbrauchstaten verhindert, berichteten Oberstaatsanwalt Goger und Kriminaldirektor Mario Huber vom Landeskriminalamt. So habe ein tatverdächtiger Schweizer unmittelbar vor einem weiteren geplanten Missbrauch eines fünfjährigen Kindes festgenommen werden können. Auch die Betreiber eines Kinderpornografie-Forums seien durch die Bamberger Experten ermittelt worden. Dabei handelt es sich um einschlägig verurteilte Pädophile, die aktuell eine Haftstrafe in Wien verbüßen und aus dem Gefängnis heraus die Kinderporno-Plattform betrieben hatten.

Minister fordert Veränderungen

Eisenreich begrüßte es, dass Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) einen Gesetzentwurf vorgelegt hat, in dem der sexuelle Missbrauch von Kindern als Verbrechen hochgestuft wird. Er dringe aber auf weitergehende Reformen in Berlin und Brüssel: "Wer im Internet einen Marktplatz für Kinderpornografie betreibt, bereitet den Boden für weitere Missbrauchstaten." Ein eigener Straftatbestand für die Betreiber von Kinderpornografie-Foren sei nötig. Darüber hinaus forderte der Justizminister eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, denn "harte Strafen nutzen wenig, wenn Ermittler Verdachtsfällen nicht nachgehen können, weil die relevanten Daten nicht mehr verfügbar sind". mit epd

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