Schon seit über 400 Jahren praktizieren evangelische Christen in Buttenheim ihren Glauben. Seit den zaghaften Anfängen unter Reichsfreiherr Hans Joachim von Stiebar und seit dem ersten evangelischen Pfarrer Johann Eck, den Stiebars Söhne 1591 einstellten. Doch erst in diesem Jahr bekommt die Kirchengemeinde ihr erstes eigenes Gotteshaus, so dass man bei Gottesdienste nicht mehr in anderen Kirchen zu Gast sein oder mit dem Gemeindeheim vorlieb nehmen muss. Zu einer Kirche gehören Glocken und die der neuen Matthäus-Kirche wurden vor kurzem in Passau gegossen und Freitagabend feierlich vom Schloss zum Gemeindehaus geleitet. Ein Tag, der in Buttenheims Annalen eingehen wird, waren sich die Festredner einig.

Heute zählt die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Hirschaid-Buttenheim rund 2700 Gläubige. Wobei die Keimzelle zwar in Buttenheim war, Hirschaid jedoch bereits über eine eigene evangelische Kirche verfügt.
Gottesdienste in Buttenheim wurden mehr oder weniger bis zum Jahr 2007 in der Schlosskapelle gehalten, die sogar zur Pfarrkirche erhoben worden war.

Seit 2007 fanden Gottesdienste im Gemeindeheim statt, das die Kirchengemeinde im Jahr 1979 erwerben konnte. Auf die bewegte Geschichte der Protestanten ging Robert Schäfer, Vertrauensmann der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde ein. Nachdem Pfarrer Jürgen Harder die beiden Glocken Donnerstag höchstpersönlich mit seinem Polo aus Passau abgeholt hatte. "Noch nie lag der so gut auf der Straße", erwähnt er schmunzelnd. Die Nacht verbrachten sie in der Schlosskapelle, um dann schließlich mit großem Zug zur neuen Kirche geleitet zu werden.

Die Schlosskapelle im "Anwesen" von Hubertus von und zu Seefried zu Buttenheim, so zitiert Rainer Kliesch den korrekten Namen, hat für Buttenheims Protestanten große Bedeutung. So wurde Kliesch dort getauft, hat dort geheiratet, seine Kinder taufen lassen und auch Silberhochzeit gefeiert, wie er durchaus bewegt schildert.

Als Zeichen der Verbundenheit und der Ökumene ließ der katholische Pfarrer Günther Seel die Glocken von St. Bartholomäus zu Ehren der beiden neuen Glocken läuten. Mit Blaskapelle, Vereinsabordnungen, Ehrengästen aus Buttenheim, Hirschaid und Altendorf sowie einer Vielzahl von Gästen ging es dann im Festzug zur neuen Matthäuskirche. "Matthäuskirche, das ist ein schön gewählter Name", findet Renate Ott. Die Hirschaiderin gehört zur evangelischen Gemeinde und - ihr Sohn heißt Matthäus.

Zu einer feierlichen Glockenbegleitung gehört auch ein würdevoller Transport: Die Christusglocke (58 Kilo schwer, Durchmesser 42 Zentimeter, Ton cis) und die Matthäusglocke (33 Kilo schwer, 35 Zentimeter Durchmesser, Ton E) wurden in der von Herbert Zweig (Sassanfahrter) vierspännigen Miniponykutsche chauffiert. Die Schirmherrschaft dieser Glocken-Einholung hatte MdL Heinrich Rudrof (CSU) übernommen. Er zeigte sich beeindruckt davon, wie Buttenheim über 400 Jahre auf diesen besonderen Tag "hin gearbeitet" habe.

Die letzten ihrer Art

Bürgermeister Johann Kalb (CSU/ZWdG) wiederum schilderte im Grußwort seine Eindrücke in Passau, wo er gemeinsam mit einer Delegation dem Glockengießen beigewohnt hatte. Die Buttenheimer Glocken gehören zu den letzten aus der renommierten Gießerei Perna, die ihren Betrieb nach 450 Jahren einstellt. Der Markt Buttenheim hatte mit dem Erwerb des Gemeindehauses (das weiterhin der Jugend zur Verfügung stehen wird) ein Voraussetzung für den Bau der neuen Kirche geschaffen, so dass man sich bei der Feier der Glockeneinholung somit auf kommunalem Grund befand.

Wie Pfarrer Harder, Vertrauensmann Schäfer und Schirmherr Rudrof dankte auch Bürgermeister Kalb insbesondere Christian Koch, der durch seine Spende den Kauf der Glocken ermöglichte sowie allen, die sich dabei eingebracht hatten. Bis sie in dieser Woche in den etwa neun Meter hohen Glockenträger gehievt werden, werden sie gestimmt, von einem Experten abgenommen und dann auch erstmals erklingen. Wie Pfarrer Harder die Festgäste wissen ließ, habe der Glockensachverständige der evanglischen Kirche H. Niekel die Glocken bereits begutachtet und befunden, sie seien perfekt gelungen und klängen wunderbar. Ihre Weihe wie die der Matthäus-Kirche erfolgt im September. Dann wird die Gemeinde nach einer Vakanz von eindreiviertel Jahren mit Eckhard H. Mattke auch wieder einen eigenen Pfarrer haben. Der ließ sich übrigens die Glocken-Einholung nicht entgehen, obwohl er offiziell noch nicht installiert ist. Bei eigens gebrautem Matthäus-Bier, musikalischer Unterhaltung und der von Schäfer konzipierten Ausstellung zur Buttenheimer Kirchengeschichte, blieben die vielen Gäste noch einen wohl historisch zu nennenden Abend lang bei einander.