Sie sitzen wegen der gleichen Sache vor Gericht, doch sie führen komplett unterschiedliche Leben: Der ältere, bald 60 Jahre alt, hat zusammengerechnet fast drei Jahrzehnte im Gefängnis verbracht. Aufgewachsen war er im Heim, und kaum hatte er es verlassen, wurde er mit 16 Jahren das erste Mal inhaftiert.

"Wenn ich nicht in Haft war, habe ich gearbeitet. Aber ich war ja nie lange draußen", sagt Peter B. (Name geändert). Das letzte Mal saß er zwölf Jahre. Wofür genau, das wird das Landgericht Bamberg an einem der kommenden Prozesstage noch erörtern. Am ersten Verhandlungstag äußerten sich die beiden Angeklagten zunächst zu ihren persönlichen Verhältnissen und teilweise auch dazu, was ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft.
Beide Männer stehen wegen etlicher Drogendelikte vor Gericht. Peter B., der Ältere, soll sich zwischen September 2007 und Frühjahr 2016 in zwölf Fällen Methamphetamin, auch bekannt als "Crystal", beschafft haben. Dann soll er einen Teil der Drogen mit Gewinn im Raum Bamberg/Forchheim weiterkauft haben.

Sein jüngerer Bruder Michael B. (Name geändert) wird in elf Fällen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln beschuldigt. Der 47-Jährige sitzt zum ersten Mal in seinem Leben in Untersuchungshaft. Über den Angeklagten sagte der sachverständige Diplompsychologe am Dienstag vor Gericht: "Er ist psychisch beeindruckt durch sein Fehlverhalten, seine Stimmung ist gedrückt. Er wirkt glaubhaft reumütig."


"Zum Wachbleiben"

Der Mann selbst sagt: Anfangs habe er "Crystal" zunächst am Wochenende genommen, zum Schluss jeden Tag. "Es hat mir geholfen, lockerer zu sein, und die Depressionen meiner Freundin besser zu überstehen." Außerdem will der Lastwagenfahrer auf längeren Lkw-Touren "immer mal kleine Dinger zum Wachbleiben" konsumiert haben. Seine Fahrten hätten oft erst um 22 Uhr oder noch später begonnen. Andere Kollegen würden Energie-Drinks zu sich nehmen, bei ihm sei es eben "Crystal" gewesen. Die nächtlichen Touren nannte er auch als Grund für den Besitz eines Teleskopschlagstockes und eines - nicht funktionsfähigen - Elektroschockers. "Da habe ich mich sicherer gefühlt. Wenn ich an der Rampe auslade, ist alles stockdüster, da ist nichts außer Industriegebiet oder Felder."


Drogengeschäfte noch unklar

Inwieweit die beiden Brüder tatsächlich Drogen beschafft und weiterverkauft haben könnten, wurde am ersten Verhandlungstag des Prozesses noch nicht klar. Der ältere, Peter B., ließ über einen Anwalt so manche seiner früheren Angaben relativieren. Klarere Aussagen machte der Forchheimer dagegen zu seinen persönlichen Lebensverhältnissen.

"Ich war fast 30 Jahre meines Lebens im Gefängnis". Als Vorsitzender Richter Manfred Schmidt fragte, wie sich der Angeklagte denn seinen weiteren Lebensweg vorstelle, antwortete dieser: "Entweder ich mache eine Therapie und ziehe diese durch. Oder ich sterbe im Knast."
Im Herbst vergangenen Jahres habe er nach 32 Jahren sogar mit dem Rauchen aufgehört, um seinen Willen zu demonstrieren. Gleichwohl sagt der 59-Jährige über sich selbst auch: "So, wie andere morgens aufstehen und sich einen frischen Kaffee machen, habe ich erst mal zwei bis drei Nasen durchgezogen." Wie er denn seine Sucht finanziert habe, wollte Richter Manfred Schmidt wissen. "Unter anderem durch das Geld aus Spielautomaten", sagte Peter B. So richtig glauben mochte das der Richter nicht, zumal die Schulden-Situation von B. aktuell noch nicht klar ist.

Immer deutlicher wurde während des Prozesstages dagegen, dass es zwischen den beiden Brüdern durchaus Unstimmigkeiten gibt. So hatte der jüngere zwar berichtet: "Seit 25 Jahren besuche ich meinen Bruder in den verschiedenen Knästen." Gelegentlich habe man auch gemeinsam Rauschgift konsumiert.
Als das Gericht bei Michael B. jedoch nachhakte, welche Rolle er selbst, sein großer Bruder und eine weitere Person beim möglichen Handel mit Drogen gespielt haben könnten, wurde der ältere, Peter B., unruhig. Er ließ im Anschluss Manches, was der jüngere Bruder gesagt hatte, über seinen Anwalt anders darstellen.
Wo die Wahrheit liegt, muss das Gericht herausfinden. Es sind mehrere Verhandlungstage angesetzt.