Für die Kinderbetreuung wird dringend mehr Platz benötigt. Darüber sind sich in Reckendorf alle einig. Die Krippengruppe ist voll, der Hort ebenfalls, in der vor zwei Jahren neu eröffneten Johanniter-Kinderinsel ist sogar die Turnhalle derzeit dauerhaft belegt und die Eltern sehen weiteren Bedarf. Doch eine schnelle Lösung, auf die vor allem die Eltern drängen, gestaltet sich nicht ganz einfach. Das wurde auf einer mehrstündigen Versammlung am Mittwochabend deutlich, auf der sich eine zwischenzeitlich aufgeheizte Diskussion immer wieder im Kreis drehte.

Zum Hintergrund: Die Johanniter, seit 2015 Träger der Kinderbetreuung in Reckendorf, wollten die damals neu errichtete Kinderinsel - die auf 846 Quadratmeter Platz für derzeit 107 Kinder in einer Krippengruppe, drei Kindergartengruppen und einer gemischten Gruppe für Kindergarten- und Schulkinder bietet - aufgrund der großen Nachfrage baulich erweitern. So führte es Darius Götsch vom Regionalvorstand der Johanniter aus. Dazu hätte die Gemeinde eine Bebauungsplanänderung beschließen müssen - ein Verfahren, das in der Regel mindestens ein dreiviertel Jahr dauert.

Zwischenzeitlich führte die Gemeinde Reckendorf eine gesetzlich vorgeschriebene Bedarfsermittlung für die Einrichtung einer zweiten Krippengruppe für zwölf Kinder durch. Diese Ermittlung führte laut Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) zu dem Ergebnis, dass aktuell kein weiterer Bedarf bestehe. Für eine Erweiterung also keine staatlichen Zuschüsse zu erwarten seien. Also wurden die Erweiterungspläne gestoppt.

Allerdings, räumte Deinlein ein, sei die Bedarfsabfrage wohl lückenhaft, weil nicht alle betroffenen Eltern erreicht werden konnten oder Eltern sich nicht zurückgemeldet hätten. Auch die beim Träger der Einrichtung abgefragten Daten hätten nichts Gegenteiliges besagt. Deinlein versuchte auch zu verdeutlichen, dass die Gemeinde Reckendorf nur den Bedarf von Reckendorfer Bürgern berücksichtigen könne.

In der Kinderinsel werden derzeit aber auch viele Kinder von auswärts betreut, nach Angaben einer Elternvertreterin sind es etwa 25 Prozent. Deren Eltern fürchten nun, dass sie gekündigt werden. Die Elternbeirätinnen betonten jedoch auch, dass der Bedarf für zusätzliche Krippenplätze auch schon vorhanden sei, wenn man nur die Reckendorfer zähle. Und er werde angesichts des ausgewiesenen Neubaugebietes weiter steigen.

Auf Drängen des Elternbeirats sagte Deinlein eine erneute Bedarfsermittlung zu. Zur kurzfristigen Lösung des akuten Platzproblems schlägt der Bürgermeister vor, das in unmittelbarer Nähe gelegene Gebäude des ehemaligen Caritas-Kindergartens für die Betreuung der Hortgruppe zu nutzen und so Platz in der Kinderinsel zu schaffen. Eine Lösung, die von einem Großteil der Eltern und ihrer Vertreter zumindest als Übergangslösung offenbar begrüßt wird.

Allerdings gibt es auch hier noch einige Haken. Der alte Kindergarten war wegen des hohen Sanierungsbedarfs geschlossen worden. Später baute ihn die Awo zu einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge um. Doch die Flüchtlinge bleiben aus. Die Awo ist weiterhin Mieter und offenbar auch bereit, die Hortbetreuung zu übernehmen.

Allerdings wollen auch die Johanniter diese gerne in Eigenregie weiterführen, wie Regionalvorstand Götsch verdeutlichte. Am liebsten für eine Übergangszeit, während für die Insel ein Anbau realisiert wird. Allerdings seien die Johanniter nicht bereit, eine Miete in Höhe von über 7000 Euro monatlich zu zahlen, wie sie mit der Awo für eine Flüchtlingsunterkunft vereinbart worden war. Ein klares Nein gab es von Götsch zu einer Ablöse der von der Awo in den Umbau investierten etwa 160 000 bis 180 000 Euro.

Bürgermeister Deinlein machte klar, ihm sei es schlussendlich egal, wer die Betreuung übernehme. Die Gemeinde und der Gemeinderat wollen nun die Angebote potenzieller Träger sichten und danach entscheiden. Einhelliger Wunsch der Eltern ist es jedenfalls, dass eine verlässliche Lösung möglichst rasch gefunden wird.