Was würde mit ihm passieren, wenn er in die Dorfgemeinschaft zurückkehrt? "Jeder würde ihm mit Argwohn begegnen, ihn ,brandmarken'." Dass Rechtsanwalt Rüdiger Bamberger diese Formulierung für seinen Mandanten wählt, ist kein Zufall. Denn der Mann, den er vor Gericht verteidigt, ist ein Brandstifter.

Allerdings einer, dem zwei Gutachter eine "verminderte Intelligenz" bescheinigt haben. Minderbegabung. Überhaupt ist der zweite Verhandlungstag am Bamberger Landgericht einer, an dem viele Wortkombinationen mit "Minder-" fallen. Am Ende auch: "verminderte Schuldfähigkeit durch verminderte Steuerungsfähigkeit aufgrund seiner Minderbegabung." Es ist der Satz, mit dem es der Verteidiger von Erich M. (Name geändert) auf den Punkt bringt.

Der 54-Jährige wohnt in einem Dorf im Landkreis Bamberg. Er ist Analphabet, hat keine Berufsausbildung.
Doch bereits eine Woche nach seinem Schulabschluss beginnt er, bei der Brauerei im Ort Hilfsarbeiten zu übernehmen. "Er ist gekommen, wenn gepfiffen wurde und wurde heim geschickt, wenn keine Arbeit da war", sagte sein Verteidiger. Die Arbeit sei sein Leben gewesen, habe es geregelt. "Doch dann ist etwas passiert, das es durcheinander gebracht hat", stellte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt bei der Urteilsverkündung fest.

Es waren wohl drei Ereignisse: Der Hund der Nachbarn habe ihn ins Bein gezwickt, hatte der Angeklagte am vorangegangenen Verhandlungstag ausgesagt. Der Sohn eines anderen Nachbarn habe die Nichte von Erich M. geärgert. "Und dann wurde im Sommer auch noch der Strom im Haus abgestellt, so dass er nicht mehr Radio hören oder fernsehen konnte, wie er es sonst abends tat", erläuterte Manfred Schmidt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich Erich M. über diese Ereignisse so sehr geärgert hat, dass er im Sommer in der Nachbarschaft Feuer gelegt hat.

"Gemeingefährliche Straftat"

Erst brannte eine Mülltonne, dann zwei. Dann ein Scheunentor, später ein Sichtschutzzaun, außerdem eine Tür. Auch eine Holzlege und eine Fensterbank wurden angekokelt. Alle Fälle ereigneten sich in der Nachbarschaft, alle gingen ohne größere Schäden aus. Alle hat Erich M. bereits im Polizeiauto und später vor Gericht zugegeben.
Wie war er zu bestrafen? "Brandstiftung ist eine gemeingefährliche Straftat", sagte Richter Schmidt. "Wenn es brennt, werden die Leute unruhig." Die Serie an Brandlegungen habe eine ansteigende Tendenz aufgewiesen - "wie wäre das weiter gegangen, wenn er nicht erwischt worden wäre?"

Doch Erich M. wurde erwischt. Das Urteil von zwei Jahren und drei Monaten ist an die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus geknüpft. Die Strafe wird auf die Unterbringung angerechnet. Da sich die Behandlung von Erich M. nach Einschätzung von Sachverständigen wohl entsprechend lange hinziehen wird, wird er die Strafe voraussichtlich nicht im Gefängnis verbüßen - sondern in der psychiatrischen Einrichtung. Danach bekommt der 54-Jährige möglicherweise einen Betreuer zur Seite gestellt oder zieht in eine entsprechende Wohngruppe.