Ja, natürlich wird geredet. Im Heimatdorf von Erich M. (Name geändert) wird spekuliert, warum er das getan hat. Und man fragt sich, was mit ihm passiert, falls er verurteilt wird. Denn noch ist kein Urteil gesprochen.

Doch als der Sachverständige Rafael Riera Knorrenschild, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherpie in der Bezirksklinik Hochstadt, das Wort ergreift, ist das Nachdenken im Gerichtssaal fast greifbar. "Eine Therapierbarkeit scheint gegeben. Doch nur eine Betreuung ist nicht ausreichend, eine soziotherapeutische Einrichtung könnte unterstützend gut sein."

Der Chefarzt bettet diesen Satz ein in seinen Bericht, aus dem auch klar wird: Wird Erich M. für die ihm zur Last gelegten Taten zur Verantwortung gezogen, könnte es sein, dass er eine Weile in einer "soziotherapeutischen Einrichtung" untergebracht wird.
Das heißt: Er würde eine Zeitlang nicht in seinen Heimatort im Landkreis Bamberg zurückkehren würde. Im Zuschauerraum flüstert eine Frau "Gott sei Dank."

Doch noch ist nichts entschieden. Der Angeklagte hat vor Prozessbeginn hat seinem Anwalt gesagt, dass er etwas aufgeregt sei. Doch die Nervosität legt sich im Laufe des langen Verhandlungstages. Erich M. gesteht, gibt die Taten zu, wegen denen er vor der Zweiten Kammer des Bamberger Landgerichts gelandet ist.

An manche Einzelheiten erinnert er sich nicht mehr, zunächst auch nicht daran, dass er mit den beiden Sachverständigen im Gerichtssaal bereits gesprochen hatte. Einer attestiert ihm gerade eine "niedrige Primärintelligenz". Jürgen Melzer, Leitender Diplompsychologe am Berzirksklinikum Obermain, sagt: "Er hat kognitive Defizite. Es handelt sich um eine strafrechtlich relevante Störung der kognitiven Leistungsfähigkeit."

Konnte Erich M. also überhaupt abschätzen, welche Auswirkungen die Taten hätten haben können, die er begangen haben soll?

Laut Anklageschrift hat er am 20. Juli 2013 die Papiermülltonne eines Nachbarn angezündet. Kurze Zeit später, am 3. August 2013, steckte er die selbe Tonne wieder in Brand, zusätzlich noch eine Biotonne. Einige Stunden später, gegen vier Uhr morgens, zündete er das Tor einer Scheune des Nachbarn an. Eine Zeitungsausträgerin entdeckte den Brand aber rechtzeitig und alarmierte die Feuerwehr.

Einen Monat später, am 3. September, soll Erich M. den Sichtschutzzaun eines anderen Nachbar-Paares angezündet haben. Kurz danach legte er laut Anklage auf einem weiteren Anwesen einen Zündwürfel auf die Fensterbank und bespritzte eine Tür mit Spiritus - und zückte das Feuerzeug.

Schließlich soll er auf dem Grundstück des ersten Nachbarn noch die Holztür eines unbewohnten Gebäudes angesteckt haben. In allen Fällen waren Feuerwehr, Zeugen oder Polizei rechtzeitig vor Ort, so dass niemand verletzt wurde. Der Gesamtsachschaden liegt bisher bei etwa 800 Euro, könnte aber noch steigen, da manche Schäden noch nicht geltend gemacht wurden.

Insgesamt wird Erich M. beschuldigt, in drei Fällen "eine fremde Sache beschädigt oder zerstört zu haben" und in drei weiteren Handlungen "jeweils fremde Gebäude oder Hütten in Brand gesetzt zu haben, wie es in der Anklageschrift heißt.

Er selbst sagte vor Gericht, dass ihm erst später der Gedanken gekommen sei, dass Menschen in Gefahr hätten kommen können. Doch warum die Taten? Er habe sich über die Nachbarn geärgert. Über die einen, weil deren Hund ihn ins Bein gezwickt habe. Über die anderen, weil ein Junge aus der Nachbarsfamilie eine der Töchter von Erich M.s Schwester, bei der er im Haus wohnt, geärgert habe. "Ich bin von der Arbeit heim gekommen, dann ist das plötzlich von innen, aus meinem Bauch raus gekommen."

Die Frage, in welchem Maß der Angeklagte während der Taten alkoholisiert war, konnte das Gericht nicht beantworten. Klar schien dagegen, dass er sich um ein geregeltes Leben bemüht.

Erich M. kann weder lesen noch schreiben, hat keine Berufsausbildung. Doch direkt nach der Schule hat er Arbeit bei der Brauerei im Ort bekommen, der er gewissenhaft nachgehe, wie Zeugen bestätigten. Ob er diese Arbeit bald wieder aufnehmen kann, hängt auch davon ab, wie das Urteil des Gerichts ausfällt. Es wird Mitte Februar erwartet.