Michael Düthorn ist keine Plaudertasche. Verschwiegenheit und Diskretion sind für den Außenstellenleiter Bamberg (Stadt + Kreis) des Weissen Rings oberste Gebote. Der Bischberger 55-Jährige gibt nicht einmal die Statistik heraus, die detaillierte Auskunft gibt über die Art der Verbrechen, die auch im ehrwürdigen Weltkulturerbe verübt werden: "Es gibt nichts, was es nicht gibt in Bamberg", sagt Düthorn lediglich trocken.

Bei etwa 80 Opferfällen pro Jahr, die er und sein Team aus neun Männern und Frauen ehrenamtlich betreuen, kommt einiges an Delikten zusammen, wie Düthorn allgemein zusammenfasst: Betrügereien an der Haustür, Diebstähle, Einbrüche, Gewalt - auch häusliche und sexueller Missbrauch, Mobbing am Arbeitsplatz, Enkeltricks, Stalking eines Ex-Partners und mehr. Es seien überwiegend Kinder und Frauen, die sich beim Weissen Ring melden, erklärt Michael Düthorn. "Männer kommen als Opfer von Schlägereien", fügt er hinzu. Oft entlaste schon, über die erlittene Straftat mit einer fremden Person zu reden. Darüber hinaus leiste der Weiße Ring unbürokratisch und vielfältig konkrete Hilfen, so Düthorn.

Die meisten unverschuldet in Not geratenen Opfer von Kriminalität seien erst einmal auf sich allein gestellt, beklagt er. Der Weisse Ring habe es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen eine Stimme zu geben und ihnen in schwierigen Situationen beizustehen. Düthorn blickt in die Chronik dieser bundesweit tätigen Organisation. Diese sei 1976 gegründet worden, damit vor Gericht und auch in den Medien die Opfer Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten, die sie verdienen: "Seitdem steht die Organisation konsequent an der Seite von Kriminalitätsopfern", weiß Düthorn, der seit elf Jahren im Weissen Ring mitarbeitet, "weil ich mich für Gotteslohn sozial engagieren will".

Die erste Kontaktaufnahme eines Opfers mit dem Weissen Ring geschehe zu 90 Prozent auf Anraten der Polizei oder Rechtsanwälte. Lediglich zehn Prozent suchen die Ersthilfe via Internet oder E-Mail. "Die Scheu, sich in einer Mail zu öffnen, ist groß", vermutet Düthorn.

Kommt es zu einem persönlichen Gespräch, ist erst einmal Zuhören angesagt. Abwägen, wie dem Opfer aus seiner Krise geholfen werden kann. "Eine Rechtsberatung dürfen wir nicht vornehmen", macht Düthorn klar. Doch bei Bedarf werde juristischer oder psychologischer Beistand vermittelt. Dank des Netzwerkes, das die Außenstelle Bamberg des Weissen Rings geknüpft hat, ist die weitreichende Unterstützung der Opfer auch durch Beratungsstellen verschiedener Träger sowie das Frauenhaus gesichert.

"Der Weisse Ring hilft in Not geratenen Opfern auch finanziell", erklärt Michael Düthorn. Wenn zum Beispiel eine Frau nach häuslicher Gewalt eine eigene Wohnung beziehen wolle, besorge er nach Anträgen an die Bundesgeschäftsstelle in Mainz die Kaution und Möbel." Oder nach einem Wohnungseinbruch könne für einen Zylinderaustausch gesorgt werden. Gefragt sei auch die Begleitung der Opfer zur Polizei oder zu Gerichtsverfahren.

Michael Düthorn und seine Mitarbeiter sind auch in Sachen Prävention unterwegs. So wollen sie etwa mit den Angestellten der Justizvollzugsanstalt Ebrach ins vorbeugende Gespräch kommen, "denn auch im Knast gibt es Opfer". Im Augenblick ruhe dieses Projekt, da "uns die Corona-Pandemie dazwischen kam". Dafür ist der Weisse Ring bei den Anwärtern der Bundespolizei in Bamberg aktiv, "damit sie wissen, wie sie mit Opfern sprechen müssen".

Kontakt

Opfer von Kriminalität in Stadt und Landkreis Bamberg können sich an den Weissen Ring wenden, Außenstellenleiter Michael Düthorn, Telefon: 0151 / 55164640, E-Mail: mduethorn@t-online.de.

Mehr im Netz unter: www.weisser-ring.de