• Ärztlicher Leiter des Impfzentrums Bamberg verteidigt AstraZeneca: "hoch wirksam und sicher"
  • Mehrere Kita-Erzieher in Bamberg meldeten sich nach Impfung krank
  • Dr. Klaus Weiner: "Leichtes Fieber, Gliederschmerzen, oder Kopfschmerzen sind keine Nebenwirkung einer Impfung, sondern eine Impfreaktion"
  • Nächste Lehrer und Kita-Mitarbeiter sollen ab Freitag (12. März 2021) geimpft werden

Mehrere Erzieher in Bamberg zeigten nach einer Impfung mit AstraZeneca stärkere Reaktionen und meldeten sich zu Beginn der Woche krank. Von den Ausfällen waren mehrere Kitas betroffen. Der Ärztliche Leiter am Impfzentrum Bamberg will beruhigen: "Alle zugelassenen Impfstoffe sind hochwirksam und sicher, AstraZeneca macht da keine Ausnahme." Laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) stellen die Impfreaktionen eine normale Immunantwort des Körpers dar und dauern in der Regel nur kurz an.

Update vom 11.03.2021: Experte: "AstraZeneca ist kein Impfstoff 'zweiter Klasse'"

Der Corona-Impfstoff AstraZeneca steht immer wieder in der Kritik. Unberechtigterweise, so Dr. Klaus Weiner als Ärztlicher Leiter am Impfzentrum Bamberg in der Brose-Arena. "AstraZeneca ist kein Impfstoff 'zweiter Klasse', er ist hoch wirksam und sicher.' Das zeige auch eine aktuelle Studie schottischer Universitäten sowie eine englische Studie.

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Zu Beginn der Woche kam es zu Personalausfällen in Bamberger Kitas, nachdem Erzieher mit AstraZeneca geimpft worden waren. Dr. Weiner erklärt dazu generell: "Eine Reaktion auf die Impfung ist zwar unerwünscht, spricht aber für eine gute Immunantwort und ist harmlos."

Der Experte unterscheidet zwischen einer Impfreaktion und einer Nebenwirkung: "Unspezifische Symptome nach einer Impfung (wie leichtes Fieber, Gliederschmerzen, oder Kopfschmerzen) sind keine Nebenwirkung einer Impfung, sondern eine Impfreaktion. Diese Reaktionen sind Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab. Nebenwirkungen sind schwere und anhaltende Impfkomplikationen oder -schäden."

Nächste Gruppe in Bamberg wird ab Freitag geimpft

AstraZeneca steht seiner Einschätzung nach zu Unrecht in der Kritik. "Der Hauptgrund dürfte sein, dass die Zulassung in Deutschland durch die verantwortlichen Stellen zunächst nur für 18- bis 65-Jährige erfolgte und die Begründung nur schlecht erklärt wurde", so Dr. Weiner.

In den Studien für die Zulassung seien nur diese Altersgruppe vertreten gewesen. Daten für Ältere und Jüngere seien nicht vorgelegen. Folgerichtig sei dann die Zulassung nur für den getesteten Personenkreis erfolgt. "Aufgrund neuer, aktueller Datenerhebung ist die Altersbeschränkung für über 65-Jährige bereits aufgehoben", erläutert der Experte.

Ab Freitag (12 März 2021) sollen weitere 700 Kita-Mitarbeiter und Lehrer an Grund- und Förderschulen aus dem Raum Bamberg mit AstraZeneca geimpft werden, teilt das Landratsamt auf Nachfrage von inFranken.de mit. Die Hoffnung: Falls Impfreaktionen auftreten, sollen diese bis zum Beginn der kommenden Woche wieder abgeklungen sein.

Update vom 09.03.2021: Impfreaktionen nach AstraZeneca-Impfung - Landratsamt Bamberg bezieht Stellung

Bei mehreren Kita-Mitarbeitern im Landkreis Bamberg ist es nach einer Corona-Impfung zu Reaktionen gekommen. Am vergangenen Samstag (6. März 2021) hatte die erste Impfung von rund 500 Erziehern und Lehrern mit dem bislang nur für unter 65-Jährige zugelassenen Impfstoff von AstraZeneca begonnen. Mehrere Geimpfte klagten nach ihrer Schutzimpfung mit AstraZeneca über Impfreaktionen. 

"Wir dürfen bislang nur diesen Stoff für diese Gruppe einsetzen“, erklärt Frank Förtsch, Pressereferent des Landratsamts Bamberg. Die Impfstoffe von Biontech und Moderna bleiben demnach momentan noch der sogenannten Gruppe 1 (höchste Priorität) vorbehalten. "Diesbezüglich rechnen wir aber noch in dieser Woche mit Änderungen, so dass AstraZeneca ohne Altersbeschränkung verimpft werden kann.“ 

Förtsch bestätigt gegenüber inFranken.de, dass es infolge der AstraZeneca-Impfung von Erziehern und Lehrern am vergangenen Wochenende bei manchen Geimpften zu negativen Begleiterscheinungen gekommen ist. "Es gab offensichtlich einzelne Fälle, in denen Nebenwirkungen aufgetreten sind." Eine konkrete Zahl sei ihm nicht bekannt, da es hierfür keine Meldepflicht gebe. 

AstraZeneca-Impfung – diese Impfreaktionen sind möglich

Im Vergleich mit den beiden anderen in Deutschland verwendeten Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna klagen beim Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca nach einer Impfung mehr Menschen über Reaktionen.

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem in Deutschland für die Sicherheit von Impfstoffen zuständigen Bundesinstitut, kann aus der vergleichsweise höheren Melderate des AstraZeneca-Impfstoffes für nicht schwerwiegende Reaktionen aber "nicht zwangsläufig auf eine höhere Reaktogenität des Impfstoffes" geschlossen werden. Dass Nebenwirkungen öfter gemeldet werden, könnte nach Ansicht des Instituts auch mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit für AstraZeneca und den unterschiedlichen Altersgruppen der geimpften Personen zusammenhängen.

Das PEI bescheinigt dem Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca eine hohe Wirksamkeit. Er verhindert demzufolge in der Mehrzahl der Fälle eine Covid-19-Erkrankung oder mildert bei einer entsprechenden Erkrankung die auftretenden Symptome. Infolge der Impfung kommt es laut dem Institut jedoch relativ häufig zu Impfreaktionen. 
 
In klinischen Prüfungen zählten zu den am häufigsten berichteten Impfreaktionen:

  • Druckempfindlichkeit an der Injektionsstelle (> 60 %)
  • Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen und Ermüdung (> 50 %)
  • Muskelschmerzen und Krankheitsgefühl (> 40 %)
  • Fiebrigkeitsgefühl und Schüttelfrost (> 30 %)
  • Gelenkschmerzen und Übelkeit (> 20 %)
  • Fieber (>38°C), Schwellung und Rötung an der Einstichstelle, Übelkeit und Erbrechen (1 bis 10 %)
  • Lymphknotenschwellung, Juckreiz oder Hautausschlag (0,1 bis 1 %)

Die entsprechenden Reaktionen infolge einer AstraZeneca-Impfung halten dem PEI zufolge jedoch meist nur kurz an und stellen für gewöhnlich die normale Immunantwort des Körpers auf die vorausgegangene Impfung dar.

Landratsamt plant Impfungen an Freitagen

Der Pressesprecher des Landratsamts Bamberg führt den Ausfall der Pädagogen unterdessen auf die kurzerhand einberufenen Impftermine zurück. "Das war letzte Woche sehr kurzfristig", räumt Förtsch ein. "Ursprünglich wollten wir schon am Freitag impfen lassen.“ Das Vorhaben habe sich dann jedoch erst am Samstag und Sonntag verwirklichen lassen. Das Landratsamt kündigt diesbezüglich eine Änderung an. "Künftig wollen wir Lehrer und Erzieher am Freitag impfen, damit sie sich am Wochenende auskurieren können und sich die Impfung nicht auf den Betrieb auswirkt“, sagt Förtsch.

Von den Personalausfällen seien in erster Linie die Kitas betroffen. Anders als an Schulen könne hier seltener eine Vertretung für einen kranken Kollegen einspringen. "In Kitas wird empfohlen, das Personal nicht zu wechseln, damit mögliche Infektionsketten unterbrochen werden. Da ist die Herausforderung größer.“

Erstmeldung vom 08.03.2021: Reaktionen auf Corona-Impfung - in vier Bamberger Kitas fallen Erzieher aus

In mehreren Bamberger Kindergarten-Gruppen ist am Montag (8. März 2021) die Kinderbetreuung zum Erliegen gekommen. Zuvor hatten sich mehrere Erzieher gegen das Coronavirus impfen lassen. Dadurch traten bei den Angestellten offenbar derart starke Impfreaktionen auf, dass sie in der Folge krankheitsbedingt ausfielen. Betroffen waren Einrichtungen des Diakonischen Werks Bamberg-Forchheim (DWBF).

"Nach den ersten Impfungen am Wochenende ist es in vier unserer Einrichtungen notwendig geworden, einzelne Gruppen voraussichtlich Montag und Dienstag nicht zu betreuen, da mehrere Mitarbeitende Nebenwirkung bekommen haben, wie sie auch in den entsprechenden Impfinformationen beschrieben sind", teilt Fred Schäfer, in der Diakonie Abteilungsleiter für Kindertagesstätten und Soziale Dienste, inFranken.de mit. "Stand heute sind aber alle tendenziell auf dem Weg der Besserung."

Reaktionen auf Impfung: Abteilungsleiter rechnet mit weiteren Fällen in ganz Bayern

Nach dem Personalausfall in den Kitas der Diakonie rechnet Schäfer mit vergleichbaren Fällen in anderen Kitas. "Ich gehe davon aus, dass diese Vorgänge nicht nur das DWBF und die Kitas in Bamberg, sondern alle Kitas in ganz Bayern in unterschiedlichem Ausmaß betreffen", erklärt er. Laut Schäfer seien alle von den Ausfällen betroffenen Eltern schnellstmöglich informiert worden. 

Am vergangenen Samstag (6. März 2021) startete im Landkreis Bamberg die Corona-Schutzimpfung mit den ersten rund 500 Erziehern und Lehrern von Kindertagesstätten, Grund- und Förderschulen. Der Umstand, dem Kita-Personal eine frühere Impfung zu ermöglichen als ursprünglich vorgesehen, stößt bei dem Diakonie-Abteilungsleiter auf Zustimmung. "Wir halten es für sehr begrüßenswert, dass die Ankündigungen zum Vorziehen der Impfungen seitens der Stadt Bamberg schnell umgesetzt wurden, um Infektionsgeschehen in den Kitas zu vermeiden und somit die Betreuung aufrechtzuerhalten."

Ute Nickel, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Diakonie, betont diesbezüglich gegenüber inFranken.de, dass es jedem Mitarbeiter freigestellt sei, ob er sich gegen Covid-19 impfen lasse oder nicht. "Wir freuen uns, wenn sich unsere Erzieher impfen lassen. Aber bei uns darf das jeder selbst entscheiden."

Impfreaktionen: Patienten berichten von Kopfschmerzen und Schüttelfrost

Der Impfstoff der Firma AstraZeneca wurde erst vor Kurzem zugelassen, steht jedoch bereits in der Kritik. In einer schwedischen Provinz wurde nun die Corona-Impfung mit AstraZeneca teilweise eingestellt. Viele Impfpatienten beschwerten sich über starke Reaktionen wie Kopfschmerzen, Krankheitsgefühle oder Schüttelfrost.

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