Dem Textilunternehmen Kaliko droht die Pleite. Das Amtsgericht Bamberg hat einem Antrag zugestimmt, das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung laufen zu lassen. Das bedeutet, Geschäftsführerin Alexandra Semrau behält weiter die Zügel in der Hand. "Der Weg über ein Insolvenzverfahren eröffnet für uns die reale Chance, unser in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenes Unternehmen einer nachhaltigen Sanierung zuzuführen", schreibt sie in einem Brief an ihre Kunden. "Mein Begehr ist es, so viel wie möglich Arbeitsplätze zu erhalten", sagt sie auf Nachfrage unserer Zeitung.
Der Betrieb laufe derzeit weiter, Kunden und Lieferanten hätten viel Vertrauen in die Zusammenarbeit. Die Löhne der Beschäftigten sind bis September über das Insolvenzgeld gesichert. "Und auch darüber hinaus können wir auskömmlich wirtschaften", berichtet Roman-Knut Seger, der als Fachanwalt das Unternehmen betreut. Die Ziele: Eine Sanierung einleiten und einen Investoren gewinnen. Im besten Fall finde sich jemand, der den Standort mit den Geschäftsbereichen Bucheinbände, Sonnenschutz, Schleifmittelträger und technische Textilien übernimmt. "Wir sehen sehr gute Chancen, die Geschäftsbereiche zu erhalten und sind gespannt, welche Resonanz der Investorenprozess findet."
Die finanzielle Schieflage resultiert laut der Geschäftsführerin daraus, dass das Unternehmen nicht genügend Umsatz erwirtschaften konnte. Eine Sonderzahlung eines 13. Monatsgehalts an die Beschäftigten, im vorangegangenen Insolvenzverfahren im Jahre 2013 ausgehandelt, habe nun zur Zahlungsunfähigkeit geführt. Damals wurde mit der Firma KL Technologies aus Norfolk in Großbritannien ein Investor gefunden. Doch die aktuelle Finanzlücke eines sechsstelligen Betrages konnten die Briten nicht stopfen.
Wie soll es nun weitergehen? Besonders den Vertrieb müsse man optimieren, um mehr Kunden zu generieren, sagt Seger. Die Produktpalette müsse dafür erweitert werden. Je nach Investor könnten einzelne Geschäftsbereiche vergrößert oder abgebaut werden. "Über den Personalstand der Zukunft lassen sich daher aktuell keine Aussagen treffen." Die Stimmung in der Belegschaft sei schlecht, berichtet Marcel Adelhardt von der IG Metall. Doch die Beschäftigten seien nach der Insolvenz 2013 "kampferprobt". Seit damals gilt bei Kaliko ein Tarifvertrag zur Standortsicherung - mit verminderten Löhnen. Nun also wieder eine Notlage. "Die finanzielle Situation war in den vergangenen Jahren immer angespannt", sagt Adelhardt. "Die Insolvenz schwebt seit langem wie ein Damoklesschwert über der Firma." Der Markt für Textilien und Bekleidung sei schwierig. Die Gewerkschaft setze sich nun im Gläubigerausschuss dafür ein, den Standort zu erhalten. Fachanwalt Seger und Geschäftsführerin Semrau sehen die Firma gerüstet. "Made in Germany", hohe Qualität, kleine Chargen, große Flexibilität: "Wir haben ein eigenes Labor, um für die Kunden zielgerichtet zu produzieren. Und wir haben die Rückendeckung der Lieferanten und Kunden", sagt Seger optimistisch.