Es ist Karl Martin Leicht von der Interessengemeinschaft (IG) Luitpoldstraße/Königstraße, der die heikle Frage stellt: "Kann es sein, dass wir bewusst rausgehalten werden sollten?" Er steht in seinem Bettenhaus am Luitpoldeck, hinter ihm geht der Blick durchs Schaufenster geradewegs auf die Kreuzung des Anstoßes: Eine Sanierung war notwendig, doch war es auch die Zusammenführung von Geradeausspur und Linksabbiegerstreifenin Richtung Innenstadt?

Aus Sicht der Stadt hat "Sicherheit Vorrang vor Leichtigkeit", wie es Baureferent Thomas Beese beim Ortstermin formulierte. Soll heißen: Eigene Busspur stadteinwärts, und Radfahrer haben auf der Luitpoldstraße in beiden Richtungen einen Streifen mit einer Breite von 1,50 Meter bekommen.
Der braucht allerdings Platz - deswegen teilen sich nun Geradeausfahrer und Linksabbieger stadteinwärts eine Fahrbahn.


Genervte Kunden?

Das Problem: Fährt ein unsichererer Linksabbieger Richtung Theuerstadt nicht bis zum weißen Kreuz auf der Fahrbahn, stauen sich die Geradeausfahrer hinter ihm, weil sie nicht vorbei kommen. Einige Händler am Luitpoldeck fürchten bereits, dass die Kunden ausbleiben, weil sie von den Rückstaus genervt sind. Wobei die Stadtverwaltung berechnet haben will, dass gerade einmal vier bis zehn Prozent der Autofahrer pro Tag links abbiegen.

Mögen es auch nur wenige sein, die Rückstaus - teilweise bis zum Bahnhof oder zur Luitpoldbrücke in der Gegenrichtung - kommen vor. Zudem berichtet die IG von Schulweghelfern, die morgens die Kinder zwischen Autos durchschleusen müssten, die auf dem Fußgängerüberweg zum Stehen gekommen seien. Ted Neumann von der IG prophezeit bereits ein "Chaos für das Weihnachtsgeschäft". Er stellt klar: "Den Ist-Zustand können wir nicht akzeptieren."

Doch warum kam die neue Fahrbahnaufteilung offenbar überraschend? Zunächst räumen die Händler ein: Ja, man sei am 24. Juni rechtzeitig über die Fahrbahnsanierung informiert worden. Wie Karl Martin Leicht erläutert, habe man die Pläne einsehen wollen, sei aber "abgewimmelt worden" mit der Aussage "alle Verkehrsbeziehungen bleiben erhalten".

Ruth Vollmar, Leiterin der Wirtschaftsförderung, warf ein: Bereits zu diesem Zeitpunkt hätte man das Thema in die Interessengemeinschaft "Aktive Mitte" einbringen können. Auch Baureferent Beese sprach vom "Runden Tisch der IG als geeignetem Gremium, das genau solche Dinge im Vorfeld besprechen soll". Er zeigte sich überrascht, dass dies nicht geschehen sei und stellte in Bezug auf die Verschleierungsvorwürfe klar: "Keiner kommt auf die Idee, heimlich Kreuzungen umzumarkieren."

Gleichwohl gibt er zu: "Der Dialog ist auf der Strecke geblieben." Ein Dialog, der möglicherweise mit der Formulierung "die Verkehrsbeziehungen bleiben erhalten" zu tun haben könnte. Diese haben sich in der Tat nicht geändert - Autofahrer können nach wie vor geradeaus fahren und links abbiegen.

Allerdings war man sich laut Ruth Vollmar bei der Wirtschaftsförderung nicht bewusst, dass die Bezeichnung eben auch bedeuten könne, dass die ehemals zwei Spuren zu einer zusammengefasst werden. "Für uns ist bei Baustellen vor allem die Erreichbarkeit der Läden wichtig." Nun schaue man noch genauer hin, wie der Verkehr danach geregelt werden solle. Und: "Das war keine Absicht. Auch wir haben jetzt etwas dazu gelernt." Wie geht es nun weiter? Der Baureferent hat beim gestrigen Ortstermin alle Beteiligten eingeladen, "weitere Ideen einzubringen" und zu überlegen, "an wie vielen Stellschrauben wir noch drehen können". Gleichzeitig kündigt er an: Die Lösung werde es auch nicht direkt in zwei Wochen geben. Bereits im Stadtrat hatte er aufgrund eines SPD-Antrags in der "Aktuellen Stunde" kurz Stellung zu dem Thema genommen.

Beim Termin im Bettenhaus deutete er an: Die Stadt Bamberg wachse jährlich um rund 1000 Einwohner, die Verkehrsfläche dagegen sei nicht beliebig vermehrbar. "Wir müssen uns auf längere Wartezeiten einstellen."