Hans E. (Name geändert) war fassungslos. Er habe sich doch nichts Schlechtes gemacht und jetzt solle er auch noch zahlen?, sagte er zu Manfred Gerlach, den Vorstand des Kommunalunternehmens (KU) Abfallwirtschaft. Er hatte keine andere Wahl. Hans E. war von einem privaten "Entsorger" böse aufs Kreuz gelegt worden.
Mit dem hatte er vereinbart, dass er eine größere Menge Sperrmüll gegen Entgelt aus einem von ihm gekauften Haus ordnungsgemäß beseitige. Der Partner hatte seinen Teil aber nur "suboptimal" erfüllt: Metalle und Alteisen nahm er mit, den Rest warf er in den Wald.
Es war für die KU-Mitarbeiter kein Problem, Hans E. als "Umweltsünder wider Willen" zu ermitteln. Der konnte sich nun entscheiden: Entweder holte er seinen Krempel selber ab oder das KU würde es tun - auf Rechnung von Hans E. Recycling sieht anders aus.
Dieser Fall aus dem Landkreis zeigt, dass manche ohne Bandagen kämpfen, wenn es um Altmetalle, Eisen und vor allem Kupfer geht. Dafür werden im Moment hohe Preise erlöst.
Das KU verteidigt sein Revier. Als dieser Tag in Geroda ein Privatunternehmen Schrott- und Altmetall sammeln wollte, informierte Bürgermeister Manfred Emmert (FWG) die Bürger per Aushang: Er erörterte dabei die Sach- und Rechtslage, warnte vor Problemen. Denn oft seien zwar die wertvollen Teile mitgenommen, der Rest aber sei liegen gelassen oder illegal abgelagert worden. Seine Bitte, keine Gegenstände zur Abholung bereitzustellen, sei auch weitgehend befolgt worden, sagte Emmert zufrieden.

"Können das nicht unterbinden"


Er habe den Flyer des privaten Sammlers in seinem Briefkasten gefunden und die darauf genannte Handy-Nummer angerufen. Denn in der Vergangenheit seien diese Sammlungen oft nicht so gelaufen wie gewünscht.
KU-Vorstand Manfred Ger-lach sagte, solche Aktionen müssten beim Entsorgungsträger - Landkreis oder Kommune - angemeldet werden. Im Prinzip könne so etwas jeder machen, "wir können das nicht unterbinden". Allerdings, so Ger-lach, habe das Konsequenzen für die allgemeinen Müllgebühren. Denn Erlöse des KU, das nicht gewinnorientiert arbeite, aus dem Verkauf von Wertstoffen flössen dort voll mit ein. Nicht so bei kommerziellen Sammlern.
Anders ist die Rechtslage, wenn Sperrmüll zur Abholung durch das Kommunalunternehmen bereit gestellt wird und irgendjemand fischt sich wertvolle Teile heraus. Das gebe es immer wieder mal, sagte der Regierungsdirektor und es werde verfolgt. Denn es handele sich um Diebstahl oder Unterschlagung.

Bei Verstoß droht Bußgeld


Solche unerwünschten Sammlungen durch private kämen "ungefähr alle 14 Tage vor, dann reagieren wir bei rechtswidrigem Handeln entsprechend", sagte KU-Abfallberater Christophorus Schlereth. Sondermüll wie Autobatterien oder Elektro-Geräte seien "zwingend" dem Landkreis oder der Stadt Bad Kissingen zu überlassen. Sie seien dem Recycling zuzuführen, was private Sammler allerdings nicht immer täten.
Seit 1. Juni gibt es, so Schlereth, eine Anzeigepflicht für gewerbliche und gemeinnützige Sammlungen. Bei Verstößen schreite das staatliche Abfallrecht im Landratsamt ein und verhänge Bußgelder. Die Polizei sei "schon recht oft hinausgeschickt" worden. Wenn Müll im Wald "entsorgt" werde und der Verursacher nicht ermittelt werden kann, sei das KU verpflichtet, auf Kosten der Allgemeinheit den Abfall abzuholen.
Um dem Wildwuchs entgegen zu wirken, hat das KU vor einigen Jahren das Sperrmüllsystem umgestellt. Solche Abfälle werden jetzt nach Absprache abgeholt. Früher hat es regelmäßige Termine gegeben. Die Folge: Sammler aus Osteuropa grasten die Dörfer ab, suchten die wertvollen Gegenstände heraus und ließen den Rest einfach liegen.

Hohe Preise für Wertstoffe:
Erlöse Der Müll enthält viele Wertstoffe. Besonders begehrt sind daher bei kommerziellen Sammlern Altmetalle. Davon fallen pro Jahr rund 400 Tonnen im Landkreis Bad Kissingen an. Pro Tonne werden aktuell im Schnitt 200 Euro erzielt. Wesentlich teurer ist Kupfer. Der Preis pro Tonne Elektrokabel liegt bei 1000 Euro. Das Vierfache gibt es für reines Kupfer wie Dachrinnen. Negative Nebenerscheinung: Immer mehr werden gestohlen.
System Der Landkreis hat ein umfassendes Sammelsystem für Wertstoffe aufgebaut. Sperrmüll wird bei Bedarf ein- oder zwei Mal im Jahr abgeholt. Dafür gibt es spezielle Anforderungskarten. Papier wird über die Blaue Tonne entsorgt. Größere Mengen kann man im Abfallwirtschaftszentrum Wirmsthal oder den kommunalen Wertstoffhöfen kostenlos los werden. Das gilt auch für Wertstoffe wie Elektro-Schrott, Eisen und andere Metalle.