Das Spiel in Nürnberg war Dein letztes als Trainer der SG Garitz/Nüdlingen. Was sind die Beweggründe, nach zwei sehr erfolgreichen Jahren aufzuhören?
Eine Bayernliga-Mannschaft verantwortungsvoll zu trainieren, verlangt sehr viel eigenen Enthusiasmus und fordert vor allem sehr viel Zeit. Das funktioniert dann, wenn alle Beteiligten Verständnis und Kompromissbereitschaft mitbringen. Die Balance zu halten zwischen Handball, Familie, Beruf und Freizeit ist eine Herausforderung. Wenn die Regelabläufe im Alltag etwas aus dem Gleichgewicht kommen, muss man neue Prioritäten setzen. Deswegen auch die Entscheidung.

Wann ist der Entschluss hierzu gereift und wie haben Mannschaft und Verein reagiert?
Der Entschluss aufzuhören ist mir sehr schwer gefallen. Seit Januar habe ich mich mit diesem Gedanken beschäftigt.
Die Entscheidung ist definitiv Mitte März gefallen. Von Verein und Mannschaft habe ich viel Verständnis gespürt. Nach dem Motto 'never change a winning team' hätte man sehr gerne weiter zusammengearbeitet.

Als Aufsteiger auf Anhieb Platz fünf in der Bayernliga ist ein grandioses Ergebnis. Was zeichnet die Mannschaft aus?
Ja, das stimmt. Das Saisonziel war der Klassenerhalt. Der Sieg im ersten Spiel in Taufkirchen, gegen eine starke Heimmannschaft, hatte gezeigt, dass wir in der Liga angekommen waren. Trotz der vielen personellen Probleme sind wir über die ganze Saison lang konstant im oberen Drittel der Tabelle geblieben. Die Mannschaft hat eine hervorragende Einstellung gezeigt und im Saisonverlauf deutlich an Selbstvertrauen gewonnen.

Der dünne Kader war ein Problem vor allem in der Rückrunde. Muss der Verein Ausschau nach Verstärkungen halten oder sind Lücken mit dem eigenen Nachwuchs zu schließen?
Wir haben die Rückrunde praktisch mit sieben oder acht Feldspielerinnen durchgespielt. Was wir geleistet haben, grenzt an ein Wunder. Gut geplantes Training und die erstklassige Unterstützung unserer Physiotherapeuten waren mit dem Verlauf der Saison immer wichtiger. Inwieweit Lücken zu schließen sind, wird sich zeigen. Und hängt auch ab von der Definition der Ziele der Spielgemeinschaft für die nächste Zeit. Das Potential in der Jugendabteilung der Spielgemeinschaft ist vorhanden.

Mal allgemein: Zähle doch bitte aus Deiner Sicht Höhepunkte und Tiefschläge auf?
Zu den Höhepunkten zählt mit Sicherheit die sehr souveräne Landesliga-Meisterschaft mit dem Aufstieg in die Bayernliga. Die Bayernliga-Saison an sich war schon eine Herausforderung und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die Heimspiele mit den tollen Fans in den Rücken waren sowieso ein Erlebnis für sich. Auswärts haben wir zehn Punkte geholt, haben bayernweit wirklich in allen Sporthallen sehr spannende und knappe Spiele geliefert. Dazu gab es nur zwei Heimniederlagen gegen den ESV Regensburg II und gegen den amtierenden Meister HSV Bergtheim. Unter normalen Umständen hätten wir auch diese Spiele mit Sicherheit gewonnen.

Was glaubst Du: Wo hast Du die Mannschaft verbessern können und wo liegt noch Potential?
Die Mannschaft hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich weiterentwickelt, individuell aber auch als Kollektiv. Sie ist jetzt in der Lage, verschiedene Systeme zu spielen und auf taktische Umstellungen des Gegners entsprechend zu reagieren. Wir haben uns viel Respekt bei den Gegnern erarbeitet und genießen jetzt einen hervorragenden Stellenwert in der Liga. Für die Zukunft wäre es wichtig, diese Entwicklung durch viel Training und Spiele fortzusetzen, damit die knappen Spiele zukünftig als Siege verbucht werden können. Aber Fortschritte sind auch auf anderen Ebenen erkennbar. Wir haben eine Image-Offensive gestartet mit einer eigenen Internet- und Facebook-Seite. Die Reaktionen darauf sind sehr positiv, womit die öffentliche Wahrnehmung der SG deutlich gestiegen ist. Die Halle war bei den Heimspielen immer sehr gut besucht. Auch die lokale Presse hat sich für uns sehr interessiert und uns prima unterstützt. Vielen Dank dafür.

Jetzt kannst Du es ja sagen: Wie schwer war es, erstmals ein Frauen-Team zu trainieren? Und was wirst Du vermissen?

Ich würde sagen, es war nicht schwerer, dafür total anders. Und es ist wie im wahren Leben: Der Ton macht die Musik. Es kommt nicht nur darauf an, was man sagt oder macht, sondern wie man es sagt und macht. Vermissen werde ich sehr vieles - die tollen Fans, eine super Stimmung, neue Freunde, aber vor allen meine Mannschaft.

Und welchen Rat oder Tipp gibst Du Deinem Nachfolger?
Kommt auf die Nachfolgelösung an. Auf jedem Fall wünsche ich meinem Nachfolger schon jetzt vom Herzen viel Erfolg.

Dein Sohn verlässt den Nachwuchs des HSC Bad Neustadt Richtung Rimpar? Wirst Du Dich ebenfalls Richtung Main orientieren?
Ja das stimmt, mein Sohn wird ab diese Saison als jüngerer Jahrgang für die C-Jugend in Rimpar spielen. Ich bin in diesem Projekt schon als Fahrer fest eingeplant, und wenn ich, solange ich auf das Trainingsende warte, noch die Mannschaft unterstützen soll, würde ich das sehr gerne tun. Weitere Engagements als Trainer sind vorerst nicht geplant.

Dein letztes Wort als SG-Trainer?
Ich möchte mich bei allen Leuten, die ich in den letzten zwei Jahren bei der SG Garitz/Nüdlingen kennengelernt habe, für die tolle Zeit ganz herzlich bedanken und für die Zukunft alles Gute wünschen. Man trifft sich mindestens zweimal im Leben. Und wer weiß, vielleicht kreuzen sich die Wege wieder.