Alljährlich geben die Feuerwehren an Silvester Sicherheitstipps zum Feuerwerk: Ausreichend Abstand soll eingehalten, Böller nicht blindlings weggeschmissen und Raketen nicht aus der Hand gezündet werden. Wer sich nicht daran hält, riskiert die eigene Gesundheit und die anderer.

Mit viel Pech muss man sich ein halbes Jahr später strafrechtlich verantworten. So wie ein 18-jähriger Wildfleckener unlängst vor dem Amtsgericht Bad Kissingen.
Er wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt und muss nun 1 500 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil er mit seiner unbedachten Böllerei einer 21-Jährigen fast ihr linkes Augenlicht genommen hat.

Tragisches Unglück

Was war passiert? Auf einer privaten Silvesterparty in Modlos gingen die alkoholisierten Jugendlichen um Mitternacht auf die Straße, um das neue Jahr 2013 angemessen zu begrüßen. "Ich bin der Auffassung, dass ich noch den vollen Überblick über das Raketenschießen hatte", sagt der Angeklagte. Er nahm eine Rakete und bemerkte, dass der Holzstab abgebrochen war. Die Rakete konnte nicht mehr sicher aus einer Flasche abgefeuert werden. "Ich war der Meinung, die Rakete aus der Hand abfeuern zu können", rechtfertigt er sich. "Das war eine große Dummheit mit leider schwerwiegenden Folgen", urteilte Richterin Susanne Wasserbauer. Die Rakete prallte unkontrolliert gegen ein Vordach und schoss in eine Gruppe nebenstehender Jugendlicher, wo sie direkt vor dem Gesicht der jungen Frau explodierte. Dabei drangen Splitter in ihr Auge ein. "Ich habe nur gesehen, dass es hell geblitzt hat", berichtet die Geschädigte.

Lebenslange Sehminderung

Die zahnmedizinische Fachangestellte wurde sofort in die Uniklinik nach Würzburg gebracht, wo ihr die Ärzte noch in der selben Nacht in einer Notoperation die Hornhaut nähten. Tags darauf wurde sie ein zweites Mal operiert, wobei ihr ein Plastiksplitter entfernt wurde. Bislang musste sich die junge Frau vier mal unters Messer legen und mindestens eine weitere OP steht noch aus.

Wochenlang krankgeschrieben

Bis heute leidet sie an Schmerzen und war wiederholt wochenlang krankgeschrieben. Derzeit sieht sie auf dem Auge mit zehn Prozent der normalen Sehleistung. 100 Prozent werden laut Einschätzung ihrer Augenärztin nie wieder hergestellt werden.

"Leider haben Sie entschieden, die Rakete aus der Hand zu starten", sagt Wasserbauer in der Urteilsverkündung. Die Tat sei zwar tragisch, aber es sei keine Absicht erkennbar gewesen. Die Richterin sprach den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion für schuldig.