Es ist eine ganz normale Werkstatt. Manche sind in ihre Arbeit vertieft, andere lachen über einen Scherz. Geduldig schleift Astrid Göhrend Kräuterschildchen, während Manuela Hehn die Glasierung an einer krummen Schüssel aufträgt. "Das muss nicht so genau sein, die Schüssel ist ja auch krumm", sagt sie. Die krumme Schüssel geht dann in den Klostergasthof, ein eigenes Projekt in Maria Bildhausen. Die Werkstätten, die Gärtnerei, der Klostergasthof: es gibt doch einen kleinen Unterschied: Dort arbeiten ausschließlich Menschen mit Betreuungsbedarf. Und die zeigen jetzt bei den Werkstatttagen, was sie drauf haben.

Vollzeit und Teilzeit möglich

Knapp 220 Klienten arbeiten in den Werkstätten in Maria Bildhausen, beinahe 60 Betreuer stehen ihnen zur Seite. Aktenvernichtung, Kunstgewerbe, Kerzenfertigung, Gärtnerei, Kaffeerösterei, Schreinerei, Landschaftspflege, Metallbau und natürlich der Berufsbildungsbereich gehören unter anderem dazu. "Es gibt Vollzeitarbeitsplätze, aber auch Teilzeit ist möglich", sagt der stellvertretende Werkstattleiter Benjamin Schmitt. Die Klienten können wählen, wo sie arbeiten möchten, allerdings wird vorher abgeglichen, welche Fähigkeiten sie haben und welche Anforderungen es in den verschiednen Bereichen gibt. "Im Grunde sind die ganzen Arbeitsgruppen kleine Betriebe", meint Benjamin Schmitt. Es gibt 30 bis 35 Urlaubstage im Jahr, auf Pünktlichkeit wird sehr geachtet. Jede Gruppe hat einen Leiter, der für die Kommunikation mit dem Auftraggeber, die Produktentwicklung, Sicherheitsunterweisungen und teilweise sogar für das Marketing zuständig.

Die Auslastung ist sehr unterschiedlich. "Es gibt Teilbereiche, die laufen sehr gut, die Aktenvernichtung ist langfristig ausgebucht", nennt Benjamin Schmitt ein Beispiel. "In der industriellen Fertigung hätten wir noch Kapazitäten frei." In der Einrichtung fertigen zu lassen, habe durchaus Vorteile für die Auftraggeber.

Neben den Arbeitsplätzen in den Werkstätten gibt es auch ausgelagerte in ganz normalen Betrieben. "Ziel ist es, alle Betreuten so weit zu fördern, dass sie auf den ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen und dort dauerhaft sozialversicherungspflichtig arbeiten können", sagt Werkstattleiter Matthias Erlein. Oft arbeiten sie in der Landwirtschaft, in Betrieben oder als Hausmeister. Wichtig dabei sei, dass die Betriebe diesen Schritt gehen und Menschen mit Behinderungen eine Chance geben, sagt Benjamin Schmitt. "Wenn das gelingt, haben wir unseren Auftrag erfüllt", ergänzt Matthias Erlein.

Lange Zeit war es wegen Corona ungewiss, jetzt steht fest, dass die Werkstattshow in Maria Bildhausen stattfinden kann. Im Abteigebäude und im Abteigarten werden bei den Messetagen vom Samstag, 2. April, bis Montag, 4. April 17 Werkstätten aus dem Bundesgebiet ihre Produkte vorstellen. Sie zeigen einen Querschnitt der deutschen Wirtschaft, Industrienahe Leistungen, Montage und Verpackung, Handwerk, Lebensmittel und vieles mehr. Die Einkaufstage richten sich an private Einkäufer und Wiederverkäufer gleichermaßen. Erstmals werden die Werkstatttage auf den Montag ausgeweitet und da sind besonders Firmenkunden angesprochen, sagt der stellvertretende Werkstattleiter Benjamin Schmitt. Geöffnet hat die Messe am Samstag von 13 bis 17 Uhr, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr und am Montag von 10 bis 14 Uhr.

Schwierige Planung

Im Jahr 2016 hatte es im Rahmen des Jubiläums "20 Jahre Fränkischer Werkstattverbund" erstmals eine solche Messe in Maria Bildhausen gegeben. Wegen Corona konnte das 25-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr nicht gefeiert werden. "Mit der Absage von 2021 haben die Planungen für 2022 begonnen." Allerdings gab es da Unabwägbarkeiten. Jetzt ist klar, dass es unter 2G-Regelung möglich ist. Es muss eine FFP2-Maske getragen werden.

Die Werkstätten Maria Bildhausen werden unter anderem die Rahmenbeete (Frühbeete), Kerzen und Holzspielzeug anbieten. Der Klostergasthof, die Gärtnerei und der Klosterladen haben natürlich ebenfalls geöffnet. Einen klassischen Festbetrieb wird es wegen Corona noch nicht wieder geben, aber die Versorgung der Besucher mit Speisen und Getränken ist gesichert.

"Das Angebot ist unfassbar groß", sagt Benjamin Schmitt zu den anderen Ausstellern. Es wird Lebensmittel wie Essige, Öle und Gewürze geben, ein Tischkicker-Hersteller ist dabei und als besonderes Highlight eine Werkstatt, die große Wertstofftonnen in Sitzmöbel umbaut, die wahlweise auch mit Musikanlage ausgerüstet werden können. Ziel sei, es dass interessierte Bürger ebenso vorbeikommen wie professionelle Wiederverkäufer. Die Einkaufstage werden vom Fränkischen Werkstätten Verbund, Design Inklusiv und vom Dominikus-Ringeisen-Werk Region Unterfranken veranstaltet.