Die Stuttgarterin Josefa Schmidt fällt beim Klavierolymp ein wenig aus dem Rahmen. Da muss sie sich gegen ausschließlich männliche Konkurrenz behaupten und dann ist sie auch die Einzige, die beim Pflichtprogramm Beethoven oder Mozart, das Salzburger Genie gewählt hat. Das ist bei all dem Tongewitter der Skrjabin, Rachmaninow, Schostakowitsch oder Prokofjew durchaus erholsam für das Publikum.

Nicht dass sich die 23-Jährige vor Klassik aus Europas Osten fürchtet, schließlich hat sie auch Béla Bartók ausgesucht, aber wie sie die D-Dur KV 311 Mozarts interpretiert, da spürt man Hingabe, Gleichklang und wie intensiv sie sich mit dessen Ideen auseinandergesetzt hat.

Sie beginnt aber mit Viktor Ullmann, der 1918 bei Arnold Schönberg die neuartige Harmonik zwischen Tonalität und Atonalität kennengelernt hat. Kein leichtes Unterfangen also, wenn man den Wiener Klassikern anhängt. Aber ein wenig Wunderknabe steckt auch bei Ullmann drin, im Scherzo verwendet er die kindliche, aber zeitlos ins Ohr gehende Melodie des sechsjährigen "Wolferl". Sie entfernt sich oft weit, findet aber, rhythmisch verformt, immer wieder zum Original zurück.

Josefa Schmidt widmet sich aber auch dem 1929 geborenen George Crumb und seinem Makrokosmos aus Tönen, die, so hauchend angeschlagen, an Klangspiele mit fallenden Wassertropfen erinnern. Auch dafür erntet sie nach der Pause sehr viel Beifall.

Riesenbeifall und Bravorufe

Die Leichtigkeit der Marionetten und Harlekine des 1959 verstorbenen Bohuslav Martinu finden ebenso großen Anklang. War es bei Crumb der "Makrokosmos", widmet sie sich nun bei Béla Bartók dem "Mikrokosmos", den Bartók mit sechs Tänzen in bulgarischem Rhythmus beschreibt. Dass Josefa Schmidt technisch alles kann, wird bei diesen rasanten Tempi klar. Die geforderten Oktavsprünge trifft sie punktgenau. Die Präzision gilt auch für den "Carneval" Op.9 von Robert Schumann. Auch einige der 21 Teile des Zyklus rund um einen Maskenball im böhmische Städtchen Asch haben es durchaus in sich.

Aber zurück zu Mozart: In Mannheim schrieb er 1777 seine Sonate Nr. 8 in D-Dur. Vor allem das lyrische Andante des 2. Satzes bezaubert. Josefa Schmidt spielt es beseelt und innig, lässt die Töne wie sie sind. Das Allegro im dritten Satz, virtuos gesetzt, leicht rhythmisch und virtuos gestaltet. Da ist so viel Leichtigkeit und Esprit im Spiel, dass es dafür nur eines geben kann: Riesenbeifall und Bravos.