Sie ist entspannt, harrt aus, was passiert. Trotzdem ist Arne vorsichtig. Schließlich fürchtet sich der Junge davor, dass sie zwickt. Doch die Gans nimmt den Sechsjährigen kaum wahr. Vorsichtig lässt er seine Hand über das Gefieder gleiten. "Das ist ganz weich", stellt Arne fest. Normalerweise kommt der Junge dieser Gans und den anderen gefiederten Mitbewohnern der Schlohmühle nicht so nahe. Denn die Tiere auf dem Hof seines Vaters Gerald Heinle leben normalerweise im Freien, unter anderem auf der umzäunten Wiese im Hintergrund. Nur momentan nicht.


Zurzeit nur im Stall

Es gilt eine Stallpflicht wegen des Virus H5N8. "Im Landkreis Bad Kissingen gibt es bisher noch keine Virus-Funde, wie auch in ganz Unterfranken noch nicht", teilt Lena Pfister, die Sprecherin des Bad Kissinger Landratsamtes, am Freitagvormittag auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Deshalb müssen die Gänse wie das andere Geflügel des Hofes Schlohmühle in Geroda die Tage im Stall verbringen. Nicht mehr lange, dann wandern die Vögel in das Schlachthaus. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür. Da werden sie zu Festtagsbraten. Bereits jetzt ist die Nachfrage groß.

Der Hof von Gerald Heinle ist einer der wenigen in der Region, der neben Rindern Geflügel hält. Laut Landratsamt gibt es im Landkreis Bad Kissingen zwei nennenswerte gewerbliche Legehennen-Betriebe mit mehreren Tausend Tieren und eine gewerbliche Masthähnchen-Haltung. "Hinzu kommen einige Direktvermarkter, die ihre Tiere in der Regel im Freiland halten und über Hofläden vermarkten. Ein Schwerpunkt der gewerblichen Geflügelhaltung sind wir damit nicht", sagt Pfister. Parallel dazu gebe es rund 1000 Privathaltungen mit Hühnern, Enten, Gänsen und vereinzelt Puten sowie anderem Haus- und Rassegeflügel.


Kontinuierliche Entwicklung

Die Schlohmühle ist kein Großbetrieb. Heinle hält nur wenige hundert Tiere, die er als Direktvermarkter ab Hof verkauft: "Angefangen habe ich vor 25 Jahren." Ursprünglich unterhielten seine Eltern den Hof in Geroda mit Milchvieh. Doch er begann 1991 mit einer Gänseschar. Inzwischen betreibt Heinle eine professionelle Schlachterei. Zu den Gänsen kamen Enten, Puten und Masthähnchen, die er wegen der Freilandhaltung als Weidegockel bezeichnet. Die Nachfrage bei ihm ist im Großen und Ganzen gut, nimmt wie jedes Jahr ab Ende Oktober stetig zu. "Schließlich wird ab Herbst bis zum Jahresende traditionell Geflügel gegessen", weiß der 46-Jährige. Zwischen Ostern und Pfingsten ist Nebensaison, in der vorwiegend Gockel und Enten gefragt sind.

Entsprechend stallt Heinle seine Küken ein, die er ausschließlich über deutsche Brütereien bezieht. Die Gänse für die Hauptsaison kommen Ende Mai, Mitte Juni die Enten, im Juli/August die Gockel und im August die Puten. Mit hauseigener Futtermischung werden die Tiere ernährt und gemästet. Hinzu kommt Mineralfutter und als weitere Eiweißkomponente Soja. Parallel dazu kann das Geflügel durch die Freilandhaltung ausreichend Gras und Grünzeug fressen. "Die Tiere müssen wachsen und gesund sein", so lautet Heinles Devise.

Zu viel Futter ist für das Geflügel nicht immer sinnvoll, sonst werden die Tiere zu schwer. "Eine Gans beispielsweise wird meistens mit einem Gewicht um die vier Kilogramm gewünscht", weiß er. Deshalb sucht der Landwirt nach Alternativen in der Ernährung: "Die Gänse haben wir heuer beispielsweise zu den Futterrüben aufs Feld gelassen."


Wer soll das bezahlen?

Gastronom Thomas Hergenröder, der schon seit Jahren Heinles Kunde ist, ist vor allem von der Qualität des Geflügels überzeugt. "Es ist ein Riesenunterschied", weiß er. Die Familie Hergenröder betreibt zwei Gastwirtsdchaften in Stralsbach und Geroda. "Ich habe mir gerade eine Gans für 45 Euro von der Schlohmühle geholt", erzählt der Gastronom. Auf der Karte steht sie aber nicht. "Ich mache so etwas nur auf Vorbestellung." Schließlich müsse er sich fragen, wer das bezahlen soll. Zu dem stattlichen Einkaufspreis muss er weitere Kosten kalkulieren.


Das Gästebewusstsein wächst

Dennoch bietet der Stralsbacher bewusst Gerichte aus qualitativ hochwertigen Zutaten und Lebensmitteln an. Schließlich beobachtet der Gastwirt ein Umdenken bei seinen Gästen, vor allem bei jüngeren Leuten. "Sie beschäftigen sich damit, was sie auf dem Teller haben, geben ihr Geld wieder mehr für gutes Essen aus", sagt er. Das restliche Geflügel, das Hergenröder in den beiden Gastwirtschaften zubereitet, kauft er beim Großhandel ein, der sich in Sachen Qualität und Herkunft ebenfalls immer mehr umstellt.

Gerald Heinle geht mit dem Thema H5N8 gelassen um, steht in ständigem Kontakt mit dem Landratsamt. Zwar bringt die aktuelle "Krise" eine deutliche Mehrbelastung für die Landwirte, doch sieht Heinle darin eine Chance. Schließlich würden sich die Leute dadurch wieder intensiver damit befassen, wo ihr Essen herkommt, wie es produziert wird, wie die Tiere gehalten werden.