Mit ihrem charmanten Auftritt, jugendlich-frech und überaus spritzig wie ein frischer Federweißer, sorgte das Gesangsduo Hannah & Maura in der Hammelburger Vinothek Ruppert mit seinem Programm "Lieblingsfarbe Schokolade" für einen genussvollen Abend "mit krokantem Humor, gefüllt von cremiger Zweistimmigkeit", wie die beiden jungen Damen ihre Darbietung selbst beschreiben. Eingeladen hatte der Verein "Kulturbunt" im Anschluss an seine jährliche Mitgliederversammlung.
Bei einem Wohnzimmerkonzert habe sie das Duo kennengelernt, berichtete Schatzmeisterin Martina Bay den etwa 70 Gästen, die dicht gedrängt in dem kleinen Veranstaltungsraum saßen. Aber gerade diese räumliche Enge sorgte gleich von Beginn an für einen familiären Stimmungsbogen zwischen Publikum und Sängerinnen. Man fühlte sich als Zuhörer persönlich angesprochen und litt mit beiden jungen Damen, wenn diese in ihren Liedtexten nicht etwa die Weltpolitik besangen, sondern sich der "wirklich wichtigen Themen des Lebens" widmeten - Fressgelüsten, Futterneid, Übergewicht, Liebesglück und Liebesleid.
Hannah Silberbach aus dem unterfränkischen Gräfendorf und Maura Porrmann aus Ostwestfalen, die sich 2010 während ihrer Ausbildung an einer Hamburger Musicalschule kennengelernt hatten und seit einigen Jahren als Duo auftreten, überzeugten ihre Zuhörer durch ihre klaren, gut ausgebildeten Stimmen. In ihres selbst komponierten Liedern mit ausnahmslos deutschen Texten überraschten sie mit Witz, Charme und Tiefgang. Denn was wäre ein Witz ohne hintergründige Tragik?
Selbst mit positiver Lebenseinstellung, "offen für neue Begegnungen", mussten Hannah und Maura von Enttäuschungen singen: "Er sprach nur über sich und wie toll er ist." Und beide kommen zur Einsicht: "Der Mann mag am liebsten sich selber." Doch die Sängerinnen ziehen nicht nur die Männer gesanglich durch den Kakao, um beim Motto dieses unterhaltsamen Liederabends zu bleiben, sondern machen sich auch über sich selbst lustig, wenn zum Beispiel Blondschopf Hannah mit rollenden Augen, spaßiger Gestik und Mimik die satirischen Liedzeilen unterstreicht und vom Arztbesuch singt. Zwar versichert dieser den Sängerinnen nach Untersuchung ihrer ungewöhnlich gewölbten Bäuche: "Das wird kein Kind, ihr seid nur viel zu gut genährt." Der nächste Arzt drückt sich etwas wissenschaftlicher aus: "Das nennt man Schoko-Sexualität." Doch eine Lösung des Problems scheint vorerst nicht in Sicht, denn schon im nächsten Lied erzählt Hannah von ihrem Futterneid, wenn ihr Freund sein leckeres Müsli zubereitet: "Will ich auch." So sangen beide eine Stunde lang von ihren Problemchen wie der Allwetterspeckrolle, von kleinen Missgeschicken, den Sünden und Süchten des Lebens, misslungenen Dates und sehnsuchtsvoll-melancholisch vorgetragenen Träumen.
Mit Hannah und Maura haben sich zwei junge Künstlerinnen getroffen, die in ihren Gemeinsamkeiten, aber auch Gegensätzen ausgezeichnet zueinander zu passen scheinen: Hannah, der quirlige Blondschopf mit kräftiger heller Stimme, und die brünette Maura, die eher als etwas verhaltener, romantischer Typ rüberkommt, so dass beide Sängerinnen im Doppelpack tatsächlich glaubhaft wirken, wenn sie sich "lieblich süß und bitter zart" der "wirklichen wichtigen Dinge im Leben" annehmen.