Claudia Lay war oft das einzige Mädchen. Mit einer Mappe in der Handtasche ging sie damals zu den Treffen. Auf zur Tauschbörse. Mit Schreibkram hatte sie nie viel am Hut, erzählt sie. Ihrer Leidenschaft für die "kleinen Bildchen", stand das aber nie im Weg. Die "Aktie des kleinen Mannes" öffnete ihr vor 60 Jahren den Blick für Kunst, Kultur und Politik.
Heute wird sie für ihre große Geduld ausgezeichnet.

Claudia Lay war zwölf Jahre alt, als sie in den Briefmarken-Sammler-Verein eintritt. Andere Kinder in ihrem Alter investierten ihr Taschengeld in Sammelkarten mit dem Konterfei von Rock Hudson, Hardy Krüger, Elvis Presley und Romy Schneider. Claudia Lay sparte für Briefmarken. So wie schon ihr Urgroßvater.


Hobby auf Lebenszeit

Der hatte das gleiche Hobby wie sie. Ein "erfüllendes" Hobby, sagt sie. "Man hat etwas, worauf man immer wieder zurückkommen kann." Ist wenig Zeit, ruht die Sammelei; später kann man sich wieder intensiver kümmern, erzählt sie.

Die 72-Jährige hat ihre weißen, schulterlangen Haare mit einem Haarreif aus der Stirn geschoben. Sie linst durch eine Lupe. Die offenbart Details einer filigranen Schiffszeichnung. Ein schönes Bild? Das ist für sie mehr als ein Farbklecks. Nicht zu abstrakt, farblich gut gestaltet, hochwertige Bildqualität. Solche Marken haben für sie einen hohen persönlichen Wert. Ihr kommt es auf die Geschichte dahinter an. Objektiv ging es nicht darum, ob die Motive schön waren, sondern wie viele verkauft und verschickt wurden, erklärt sie.

Claudia Lay ist Jahrgang 1943. Einen Fernseher hatte die Familie nicht als sie klein war. Die Briefmarken stillten ihre Neugier auf die Welt. Berühmte Persönlichkeiten, historische Gemälde, bekannte Bauwerke - durch die Motive der kleinen Marken interessierte sie sich für alles Mögliche.


Sammlung wächst seit 60 Jahren

"Die Briefmarke hatte damals einen ganz anderen Stellenwert." Nach dem Krieg finanzierte man vieles mit ihnen, erzählt sie. Vor ihr liegen ein paar Dutzend Ersttagsbrief. Adressiert an sich selbst. Mit und ohne Wasserzeichen, unterschiedlich viele Zähne - nicht nur beim Motiv geht es um Details.

"Wenn man wirklich Briefmarken sammeln will, braucht man Zeit", sagt Claudia Lay. Hatte die freischaffende Keramikerin in ihrer Werkstatt viel um die Ohren, hat sich ihre Mutter darum gekümmert, dass die Sammlung weiter wächst. Ob sie nach 60 Jahren inzwischen komplett ist? "Nein", sagt sie, "das ein oder andere fehlt noch." Auf die Frage, wie viele Briefmarken sie bis heute gesammelt hat winkt die 72-Jährige ab und antwortet: "Ich bin Künstler, mich dürfen Sie nicht nach Zahlen fragen."

Mitglieder Der Briefmarken-Sammler-Verein Bad Kissingen hat derzeit 23 Mitglieder aus dem Landkreis Bad Kissingen.

Verein Wann der Briefmarken-Sammler-Verein in Bad Kissingen genau gegründet wurde, kann Vorsitzender Heinz Stempfle nicht nachvollziehen. "Das liegt im Dunkel", sagt er. Er schätzt, dass die Vereinsgründung vor etwa 100 Jahren stattgefunden hat.