Bad Kissingen
Königliches Kurhaushotel

Geschichte des ehemaligen Steigenberger-Areals: Vom Kurhaus zum Nobelhotel

Vor mehr als 280 Jahren errichtete Balthasar Neumann auf dem Steigenberger-Areal das erste Kurgebäude. Seitdem entwickelte es sich zum prominentesten Hotelgrundstück Bad Kissingens. Der Wandel dort geht weiter, von dem berühmten Baumeister ist jedoch nicht mehr viel geblieben.
Ab Mitte der 1920er Jahre sanierte  Architekt Max Littmann den Neumannflügel (Mitte) und erbaute das Kurhausbad. Seine Pläne veranschaulichte er in einem Modell, das die Stadt künftig im Foyer des  Kurhausbades ausstellen wird.
Ab Mitte der 1920er Jahre sanierte Architekt Max Littmann den Neumannflügel (Mitte) und erbaute das Kurhausbad. Seine Pläne veranschaulichte er in einem Modell, das die Stadt künftig im Foyer des Kurhausbades ausstellen wird. Foto: Benedikt Borst
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Direkt am Kurgarten liegt das prominenteste Hotelgrundstück der Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich dieses Areal immer wieder verändert. Neue Gebäude kamen hinzu, wurden umgebaut, erweitert, manche wurden wieder abgerissen. Bei all diesem Wandel ist eines konstant geblieben - die herrschaftlichen Namen, die die Gebäude hatten oder haben: Kurhaus, Königliches Kurhaushotel, Königliches Logierhaus, Neumannflügel, Königliches Kurhausbad.

Die Baugeschichte reicht zurück in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Kissingen war damals noch kein Weltbad, sondern ein aufstrebender Kurort. Aber Mitglieder des Würzburger Domkapitels und des fränkischen Adels nutzten das kleine Städtchen bereits zur Kur oder zur Sommerfrische, entsprechend wurde Kissingen von den Fürstbischöfen gefördert. Der berühmte Würzburger Hofbaumeister Balthasar Neumann hatte zu dieser Zeit auf Geheiß der Landesherren viel in Bad Kissingen zu bauen. 1737/38 legte Neumann einen zentralen Kurplatz (heutiger Kurgarten) an.

Ein Jahr später erhielt er dann den Auftrag, dort ein standesgemäßes Kurgebäude für die hohen Gäste zu errichten. Das von Neumann gebaute Kurhaus war dabei nie ein Hotel. "Es war ein Gesellschafts- und ein Versammlungshaus. Es gab dort einen Spielsaal, Möglichkeiten zu Tanzen und später auch Gastronomie", sagt Birgit Schmalz, Historikerin im städtischen Kulturreferat. Das Kurhaus war ein Ort für Gespräche, zum Zeitvertreib, zum Sehen und Gesehen werden. Hier konzentrierte sich das Kurleben.

Vom Kurhaus zum Kurhaushotel

Bis die Gäste am Kurhaus auch königlich nächtigen konnten, dauerte es noch mehr als 80 Jahre. Die damaligen Badpächter, die Gebrüder Peter Carl und Ferdinand Bolzano hielten es für notwendig, das zwischendurch erweiterte Kurhaus zu einem vollwertigen Hotel auszubauen.

Ab Herbst 1828 ließen sie auf der Rückseite des inzwischen erweiterten Kurhauses das Königliche Logierhaus anbauen: dieses L-förmige Gebäude ist heute in Bad Kissingen unter dem Namen Neumannflügel bekannt. Ab der Saison 1831 beherbergte das Logierhaus Fürsten, Prinzen, Grafen und andere hohe Gäste. "Der Neumannflügel war immer ein Hotelbau", sagt Schmalz. Der Neumannflügel steht bis heute an Ort und Stelle.

Aktuell lässt der Freistaat ihn sanieren. Das Neumannsche Kurhaus hingegen schaffte nicht den Schritt ins 21. Jahrhundert, ja nicht einmal den ins 20. Jahrhundert. 1880 riss man es ab und ersetzte es 1881/82 durch einen Neubau: das Königliche Kurhaushotel. Der Neubau wurde mit dem Logierhaus verbunden und beide Gebäude bis 2010 als Nobelhotel betrieben - ab 1958 von der Luxushotelgruppe Steigenberger. Nach der Schließung fand sich keine neue Nutzung mehr. Im Winter 2014/15 ließ der Freistaat den Hotelbau aus den 1880er Jahren abreißen, das Logierhaus der Gebrüder Bolzano hingegen wird in Zukunft Labore der Bad Kissinger Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beherbergen.

"Neumannflügel" wird populärer

Auf dem Kurhaushotel-Areal gibt es heute keine Überbleibsel von Balthasar Neumann mehr. Sein Kurhaus ist abgerissen, der Neumannflügel hat baulich nichts ihm zu tun. Warum hat sich dennoch die Bezeichnung Neumannflügel eingebürgert? "Der Begriff existiert etwa seit 1928", erklärt Schmalz. Zuerst historisch belegbar verwendet hat ihn der Architekt Max Littmann - und zwar in seinen Plänen für die Modernisierung und Aufstockung des Logierhauses. "Die von Littmann geschaffene Diktion hat sich seitdem im Sprachgebrauch gehalten", sagt die Historikerin.

Große Bauphase in 1920ern

Max Littmann prägte nicht nur den Namen und modernisierte ab 1929 den Neumannflügel, sondern er plante und errichtete von 1925 bis 1927 das Königliche Kurhausbad , das wiederum an die Rückseite des Neumannflügels anschließt. Bis 2014 stand das Bad seinen Gästen zur Verfügung, dann musste es schließen. Auch das Kurhausbad wird künftig vom LGL genutzt. Anders als beim Neumannflügel sind hier die Umbau- und Sanierungsarbeiten aber schon weitgehend abgeschlossen, und die ersten Behördenmitarbeiter haben ihre Büros im Dezember bezogen.

Auch für die Stelle, an der einst das Kurhaus stand, gibt es nach langer Brache inzwischen Perspektiven: Der Freistaat hat dieses Grundstück an einen Investor verkauft. Dieser will dort ein Vier-Sterne beziehungsweise Vier-Sterne-Superior-Hotel sowie ein Wohngebäude für Betreutes Wohnen realisieren. Der Wandel auf Bad Kissingens prominentesten Hotelgrundstück setzt sich weiter fort.

Das Gebäudeensemble im Überblick

Kurhaushotel: 1739 von Balthasar Neumann als Kurhaus erbaut, mehrfach umgebaut und erweitert. 1880 wurde es abgerissen und zwei Jahre später durch das Königliche Kurhaushotel ersetzt. Ab 1958 von Steigenberger bis 2010 als Fünf-Sterne-Hotel betrieben, im Winter 2014/15 abgerissen. An der Stelle soll das neue Kurparkressort entstehen. Geplant ist ein Vier-Sterne oder Vier-Sterne-Superior Hotel mit 120 bis 140 Zimmern sowie ein Gebäude für Betreutes Wohnen. Investor ist die Seniosana GmbH aus Leipzig.

Neumannflügel: Das L-förmige Königliche Logierhaus beherbergte ab 1831 adelige Gäste. Es wurde als Teil des Königlichen Kurhaushotels, bzw. Steigenberger Kurhaushotels bis 2010 betrieben. Das Logierhaus wurde mehrmals umgebaut und modernisiert, unter anderem von Max Littmann (1925), der es auch aufstockte. Künftig wird es als Laborbau vom LGL genutzt, voraussichtlich bis Ende des Jahres dauern die Bauarbeiten.

Kurhausbad: Ab 1925 von Max Littmann errichtet und 1927 in Betrieb genommen. Wurde bis 2014 als Badehaus genutzt. Seit Dezember 2020 Sitz der Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (Verwaltung)

Littmanns Modell wird ausgestellt

Gute 100 Jahre ist es alt und schlummerte die ganze Zeit in einem Depot des städtischen Kulturreferats: Ein Originalmodell des Architekten Max Littmann aus der Bauzeit des Kurhausbades. Es zeigt maßstabsgetreu das komplette königliche Gebäudeensemble, also das Kurhausbad, den Neumannflügel sowie das Kurhaushotel. "Das Modell ist wirklich etwas besonderes", schwärmt Bad Kissingens Welterbemanagerin Anna Maria Boll. Das bescheinige auch ein Gutachten des Deutschen Architekturmuseums. Das Littmann-Modell wurde nun von einem Restaurator überarbeitet. Künftig soll es im frisch sanierten Foyer des Kurhausbades öffentlich ausgestellt werden.

Das Modell stammt aus den 1920er Jahren, erklärt Architekt Christian Teichmann. Teichmann leitet die aktuell laufende Sanierung eben des Kurhausbades und des Neumannflügels. Littmann habe das Modell anfertigen lassen, noch bevor der Bau des Kurhausbades startete. Es diente auch dazu, den Bauherrn in München die Pläne zu veranschaulichen.

Das Modell verdeutlicht die enorme Kubatur, also die Größe der drei Gebäude. Die sei für eine vergleichsweise kleine Stadt wie Bad Kissingen beeindruckend. Dabei besticht das Modell in der exakt gearbeiteten Detailtiefe. Balkons mit Geländer, Fenster und Fenstersimse sowie Fensterläden, Schmuckelemente am Putz - Littmann ließ alles genau modellieren und nicht etwa aufmalen. "In dem Modell sieht man schön die alte Kurhaushotel-Fassade, so wie es zu Beginn des 20. Jahrhunderts dastand", erklärt Teichmann. Auch das Kurhausbad hat Littmann dann ziemlich exakt so realisiert, wie es das Modell schon vorweggenommen hat. Aber es gibt auch kleine Abweichungen: So unterscheiden sich zum Beispiel beim Neumannflügel die Dachgauben im Modell von der obersten Fensterreihe des echten Gebäudes. Dennoch: Der Besucher muss genau hinschauen, um die Unterschiede zu den echten Gebäuden zu bemerken.