Es kommt wieder Bewegung in die hochkarätige Kulturszene der Stadt. Mit zwei verlängerten Wochenenden meldet sich die Musik nach der langen Corona-Pause wieder zurück: Vom 1. bis 4. Oktober präsentiert der 18. Kissinger KlavierOlymp sechs junge Spitzenpianistinnen und Pianisten, die im freundlichen Wettstreit gegeneinander antreten. Und vom 8. bis 11. Oktober setzt der Kissinger Sommer mit der kleinen Vorsilbe "Spät" ein Zeichen, dass es ihn noch gibt, und dass er sich nicht unterkriegen lassen will. Sechs Konzerte in allen vertrauten Formaten werden deutlich machen, dass das Festival an dem erreichten Niveau festhalten will und auch kann.

Ersatzprogramm hinbekommen

Natürlich sei es schlimm gewesen, dass der Kissinger Sommer 2020 abgesagt werden musste, meinte Oberbürgermeister Dirk Vogel, der zur Pressevorstellung ins Rathaus geladen hatte. Immerhin sei es gelungen, mit dem "Kissinger Kultursommer" ein Ersatzprogramm für den August und September hinzubekommen. Aber nicht zuletzt durch den Einsatz des Fördervereins, der einen kulturellen Druck aufgebaut habe, war es nach einigen Planungen und Umplanung möglich geworden, einen Kissinger Spätsommer in der gewohnte Festivalqualität hinzubekommen. Und durch den Einsatz weiterer Sponsoren aus der Stadt und der Region: "Der Kissinger Sommer ist nicht nur ein städtisches Festival, sondern er ist in der Region verankert."

Intendant Tilman Schlömp, der in den letzten Monaten immer wieder Pläne geschmiedet und verworfen hat, sprach von einem "höchst emotionalen Moment, in dem hochklassige Musik wieder möglich wird." "Das sei ein kleines Signal, "dem 2021 hoffentlich ein großes Signal folgen kann."

Er ging zunächst auf den KlavierOlymp ein: "Das ist ein kleiner, aber hochkarätiger Wettbewerb mit der Besonderheit, dass man sich nicht anmelden kann, sondern eingeladen wird." So trete jedes Jahr ein handverlesenes Sextett gegeneinander an - sechs Künstler, die alle schon bei internationalen Wettbewerben erfolgreich waren. Die andere Besonderheit: In der Jury sitze kein einziger Klavierprofessor mit ganz gezielten Interessen.

Bei der Auswahl, so Schlömp, sei es gelungen, sechs junge Leute aus sechs verschiedenen Ländern zu finden, die alle - mit einer Ausnahme - zwischen 20 und 25 Jahren alt sind: "Wir wollten, dass sie bereits einige Erfahrungen haben und für die Vergleichbarkeit auch altersmäßig zusammenpassen." Die Ausnahme ist der Israeli Yoel Levanon: "Er ist erst 16, aber er ist für sein Alter schon enorm vielversprechend."

Ein Signal

Das Programm der Kissinger Spätsommers sieht Tilman Schlömp als Signal, dass der Anspruch der hohen Qualität sich fortsetzt. Das spiegele das Programm: "Alle Künstler und Gruppen, die eingeladen wurden, könnten auch in der Carnegie Hall auftreten" - wenn sie es nicht schon getan haben. "Es war bitter, 2020 komplett absagen zu müssen. Nicht alles lässt sich einfach verschieben - Zum Teil aus Termingründen, zum Teil, weil es genau für diesen Sommer konzipiert war."

Der Intendant ging auch kurz auf die einzelnen Veranstaltungen ein: auf das Quartett "Uwaga!", das auf eine ganz individuelle und pfiffige Art Klassik, Pop und Balkanelemente unter einen klingenden Hut bringt. "Die Carmina Burana sind kein herkömmliches Konzert mit Solisten Chor, Kinderchor und Orchester, obwohl die Live-Aufführung eigentlich ein wichtiger Aspekt des Festivals ist." Aber der Multimedia-Künstler Michael Carstens hat eigens für das Konzert, das genau am 125. Geburtstag von Carl Orff geplant war, eine Reihe von Visualisierungen mit echten, zum Teil auch ganz aktuellen Bildern geschaffen, deren Erleben sich lohne - auch wenn die Musik von der CD kommt - mit der berühmten Einspielung von Kurt Eichhorn und dem Münchner Rundfunkorchester, die Carl Orff persönlich begleitet hat.

Das Duo Aliada ist eines dieser Ensembles, das erst in jüngster Zeit in New York große Erfolge gefeiert hat - mit seiner klassischen Musik in schwungvoller Art, die selbst vom Jazz beeinflusst ist. Die beiden Musiker treten am Wochenende, 10./11. Oktober, zwei Mal auf, wobei sich die Programme in großen Teilen nicht wiederholen. Die Kissinger LiederWerk-statt, ein Teil des Festivals, der weltweit beachtet wird, kann nur einen kleinen Einblick geben. Neben Liedern aus dem klassischen Repertoire und einigen Kompositionen, die in der Vergangenheit für die LiederWerkstatt geschrieben wurden, gibt es nur eine Uraufführung: ein Lied aus einem neuen Zyklus von Alexandra Filonenko. Der gesamte Zyklus soll im nächsten Jahr vorgestellt werden. Zum Abschluss des Spätsommers am Sonntagabend spielt Herbert Schuch - übrigens KlavierOlymp-Gewinner von 2005 - zweimal hintereinander - Ludwig van Beethovens größtes Variationenwerk: die Diabelli-Variationen op. 120.

Gagen des Spätsommers

Keinen Zweifel ließen Vogel und Schlömp daran, dass es diesen Nachsommer ohne den Einsatz des Fördervereins Kissinger Sommer und seinen erheblichen Druck nicht gegeben hätte: "Ja, wir haben mitgearbeitet", meinte stellvertretender Vorsitzender Hans-Ulrich Finger etwas beschwichtigend. Es sei ein gutes Ergebnis dabei herausgekommen. Allerdings habe auch der Verein auf Druck der Mitglieder reagiert. Finger: "Die haben die Sache angeschoben. Sie haben uns gefragt: ,Was macht ihr eigentlich in dieser Zeit?' Da mussten wir natürlich tätig werden." Ein Schmunzeln konnte er dabei nicht unterdrücken. So bezahlt der Förderverein alle Gagen des Spätsommers. Die Kosten für die LiederWerkstatt übernimmt, wie in den beiden letzten Jahren, die Anton und Katharina Schick Stiftung.

Zu Gast war auch Karin Rawe, die Generalsekretärin des Bayerischen Musikrates. Sie hatte die Gelegenheit genutzt, das Gespräch mit den Verantwortlichen des Kissinger Sommers zu suchen. Dabei ging es vor allem um die Frage, wie der Musikrat den Veranstaltern vor allem in technischer Hinsicht in der Corona-Krise unter die Arme greifen kann, etwa mit der Förderung von Luftreinigungsgeräten: Wir können nicht immer nur Geld in kleine Veranstaltungen pumpen, sondern es muss wieder mehr Geld verdient werden können" Und: "Es muss technische Lösungen geben, dass die Menschen sich sicher fühlen, dass wir wieder mehr Musiker und Besucher in die Säle bringen."

Kissinger KlavierOlymp

Donnerstag, 1. Oktober, 19.30 Uhr: Martín García García (Spanien); Freitag, 2. Oktober, 19.30 Uhr: Isata Kanneh-Mason (Großbritannien); Samstag, 3. Oktober: 11 Uhr Ziyu Liu (China/Deutschland), 15.30 Uhr, Nathalia Milstein (Frankreich); 19.30 Uhr, Yoav Levanon (Israel); Sonntag, 4. Oktober: 11 Uhr, Sergey Tanin (Russland), 18 Uhr Abschlusskonzert mit allen Teilnehmern und Bekanntgabe des Jury- und Publikumspreises; Alle Konzerte finden im Max-Littmann-Saal statt.

Kissinger Spätsommer:

Donnerstag, 8. Oktober, 19 Uhr: Max-Littmann-Saal: "Uwaga!";

Freitag, 9. Oktober, 19 Uhr: Max-Littmann-Saal: "Carmina Burana"; Samstag, 10. Oktober, 16 Uhr: Schmuckatelier Meinck, Ludwigstraße, Duo Aliada; Sonntag, 11. Oktober: 11 Uhr, Kurgartencafé, Jazzbreakfast mit dem Duo Aliada (Frühstück ab 9.45 Uhr); 15 Uhr, Rossini-Saal, Kissinger LiederWerkstatt; 17 Uhr, Max-Littmann-Saal, Beethovens Diabelli-Variationen mit Herbert Schuch; 20 Uhr, Max-Littmann-Saal, Beethovens Diabelli-Variationen mit Herbert Schuch.

Karten Kissingen-Ticket Arkadenbau: Tel.: 0971/804 84 44, Fax: 0971/ 804 84 45, E-Mail: kissingen-ticket@badkissingen.de ; Mo. - Fr. 8.30 - 20 Uhr, Sa./So. 10 - 14 Uhr.