Vor vier Jahren begannen die Planungen zur Erneurung der Dorfmitte von Arnshausen. Am Dienstag stellte nun das städtische Bauamt in einer Bürgerversammlung die aktuellen Vorentwurfsplanungen mit Kostenschätzungen und Fördermöglichkeiten durch das Amt für ländliche Entwicklung vor. In der anschließenden Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern war der strittigste Punkt die Umlage der in einigen Jahren von den Anwohnern zu zahlenden Straßenausbaubeiträge. Sie wurden von den Fachleuten mit durchschnittlich 10 000 Euro angegeben.

"Wer will denn überhaupt die Dorferneuerung?", vertrat Matthias Wehner zu Beginn der Aussprache die Seite der Gegner. Er habe doch die Stadträte gewählt, um seine Interessen zu vertreten. "Aber mich hat niemand nach meiner Meinung gefragt", machte er unter Applaus einiger Zuhörer dem Stadtrat zum Vorwurf. Zwar müsse Notwendiges an den Straßen gemacht und die Kanalisation erneuert werden, war auch ihm klar. Aber eine aufwändige Dorferneuerung mit Mehrkosten für die Anwohner halte er für unnötig.


Drei Alternativen

Zuvor hatte Stadtplanerin Christine Schwind drei Alternativen zur Neugestaltung des Altdorfes mit unterschiedlichen Fördermöglichkeiten unter Abwägung der Vor- und Nachteile aufgezeigt. Die ungünstigste Variante für Stadt und Anlieger sei die "einfache Dorferneuerung" mit nur hälftiger Förderung bei maximalen Investitionskosten von 500 000 Euro. Nach aktuellem Planungsstand würden sich aber nach Schätzung von Thomas Hornung, dem Leiter des städtischen Tiefbauamtes, die Kosten für Straßenbau und Kanalisation auf 3,5 Millionen Euro summieren.

Als zweite Alternative wäre die Aufnahme der Baumaßnahme in das ELER-Förderprogramm zur Entwicklung des ländlichen Raumes denkbar. Hier würden 60 Prozent der Nettobaukosten gefördert, nicht aber die Planungskosten. Die Anliegerbeiträge müssten wie bei einer einfachen Dorferneuerung anteilig von den Gesamtkosten erhoben werden. Zudem gibt es bei ELER bereits eine lange Warteliste. Ein Förderantrag könne auch erst nach Abschluss aller erforderlichen Genehmigungen gestellt werden. Wegen der dafür erforderlichen zeitraubenden Vorarbeiten wäre eine Aufnahme ins Förderprogramm erst nach 2020 denkbar, sollte es dann eine Neuauflage des Programms geben.


Sinnvoll und kostengünstig

Als sinnvollste und kostengünstigste Ausführungsalternative stellte Schwind die "umfassende Dorferneuerung" vor. Hier sei zwar der Abschluss eines Gemeindeentwicklungskonzepts erforderlich, doch wird dies gerade vom Bad Kissinger Architekturbüro Hahn in Abstimmung mit den Einwohnern für alle Stadtteile erstellt. Schwind: "Das ist eine einmalige Chance." Gefördert würden dann 50 Prozent aller förderfähigen Kosten. Besonders vorteilhaft bei dieser Variante sei auch, dass die Anliegerbeiträge erst nach Abzug der Förderbeiträge von den dann noch verbleibenden Kosten berechnet werden. Liegt der vom Bauamt geschätzte, auf 61 Grundstücke umzulegende Anliegeranteil bei der ELER-Förderung noch bei insgesamt 1 150 000 Euro, verringert sich bei der "umfassenden Dorferneuerung" dieser Anteil auf nur noch 700 000 Euro. Außerdem sei bei dieser Variante zusätzlich die Förderung auch privater Baumaßnahmen nach Abstimmung mit dem Amt für ländliche Entwicklung möglich.


"Gunst der Stunde" nutzen

Den Widerstand der Ausbaugegner versuchte Harald Wedler, Mitglied der in die Planungen eingebundenen Interessengemeinschaft Arnshausen, in der Diskussionsrunde zu brechen. Umliegende Ortschaften seien den Arnshäusern in der Gestaltung ihrer Ortsmitte weit voraus, gab er zu bedenken. Die Anlieger sollten doch "die Gunst der Stunde" nutzen. "Günstiger wird es nicht. Diese Chance kommt nicht so bald wieder." Auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg bat um Einsicht: "Viele von uns werden eine zweite Chance wohl nicht mehr erleben."

Die Kanalisation sei momentan technisch noch annehmbar, gab Tiefbauchef Hornung dabei zu bedenken: "Aber irgendwann muss sie doch erneuert und die Straßen dann aufgerissen werden." Trotz Verzicht auf eine Dorferneuerung würden sich in dem Fall die Anliegerkosten ohne die Fördermöglichkeiten auf 1 150 000 Euro belaufen, also in jedem Fall höher ausfallen als die bei der umfassenden Dorferneuerung errechneten 700 000 Euro. Außerdem, ergänzte er, würden den Anliegern beim Straßenbau anteilig doch nur die Fiktivkosten für die Standardausführung in Rechnung gestellt, nicht aber die teurere Bepflasterung. OB Blankenburg: "Wir rechnen Asphalt, machen aber Höherwertiges."


Umdenken erreicht

Diese und andere Argumente führten bei Matthias Wehner schließlich zum Umdenken. Im Nachgespräch mit unserer Zeitung meinte er, unter den genannten Voraussetzungen doch einer umfassenden Dorferneuerung zustimmen zu können: "Irgendwann müssen Kanal und Straßen ja gemacht werden. Billiger als mit den Fördermöglichkeiten einer umfassenden Dorferneuerung wird es aber für uns Anlieger niemals werden."