Eine kurze Demonstrationen von 60 bis 70 Flüchtlingen aus der Bad Kissinger Not-Unterkunft sorgt nach wie vor für Diskussionen. "Eigentlich war das gar keine Demo, die Menschen sind hier zum Landratsamt gekommen, ich habe mit ihnen gesprochen und danach hatte sich die Sache erledigt", relativiert Stefan Seufert, Asyl-Koordinator des Landkreises, den Protest. Für einige Anliegen habe er Verständnis, aber vieles lasse sich in einer Not-Unterkunft eben nicht ändern.


Dankbarkeit überwiegt

"Der Charakter einer Not-Unterkunft ist, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf haben, etwas zu essen bekommen und versorgt sind", sagt Seufert. Deshalb will er die Situation in der Röntgenstraße auch nicht verallgemeinern: Insgesamt seien die aktuell 1200 Flüchtlinge im Landkreis sehr froh und dankbar über die Hilfe. Das erleben auch die mehr als 100 Helfer im Kreis so: "Bei allen, mit denen ich zu tun habe, überwiegt die Dankbarkeit", sagt etwa Petra Benke-Russler vom Bad Kissinger Helfer-Kreis.

"Wir erfahren keine Kritik", berichtet auch Stadträtin Karin Reinshagen, die den Helferkreis in Garitz mitorganisiert. Rund 15 Ehrenamtliche kümmern sich dort um 35 Asylbewerber. "Es gibt mal einen Wunsch, aber vor allem sind alle begeistert, wie toll sie aufgenommen wurden." Als Erfolgsgeheimnis nennt sie den direkten Kontakt. "Einige von uns standen schon an der Tür, als die Menschen vor neun Monaten kamen." In vielen Bereichen nehmen die Helfer die Flüchtlinge an die Hand, zum Beispiel zeigen sie den Weg zu Schule und Kindergarten oder begleiten beim ersten Einkauf. Das bedeute allerdings nicht, dass den Flüchtlingen alles abgenommen werde, wie manche behaupten: "Die Familien in Garitz machen alles allein, sie kaufen ein, kochen, putzen und haben einen festen Tagesablauf", stellt Reinshagen klar.

Auch die Bereitschaft zu den freiwilligen Deutsch-Kursen sei sehr hoch: "Wir haben nur bei einigen erst nicht gemerkt, dass es Analphabeten sind", berichtet Reinshagen, alle anderen würden sehr zuverlässig und eigenverantwortlich zu den drei Unterrichtseinheiten pro Woche kommen, die Ehrenamtliche organisieren. Wichtig sei auch gewesen, dass die Kinder aus der Garitzer Unterkunft im Dezember innerhalb von 14 Tagen in die Schule kamen. Dass die Bewohner der Not-Unterkunft unzufrieden sind, weil sich nach etlichen Wochen nichts tut, kann Reinshagen nachvollziehen.


Kein Vergleich zum Alltag

"Ich verstehe die Proteste, aber es geht auch nicht anders", fasst Beate Ritter-Schilling ihre Meinung zusammen. Die Hammelburgerin betreut Flüchtlinge in Hammelburg und auf dem Volkersberg. "Man kann nicht sechs Wochen auf seinem Bett rumsitzen", sagt sie über die Lage in der Not-Unterkunft, die mit dem Alltag in den Dauer-Unterkünften nichts zu tun habe. "Die meisten wollen etwas zum Allgemeinwohl beitragen", verweist sie auf die große Arbeitsbereitschaft der Flüchtlinge. Der größte Teil versorge sich komplett selbst und sei sehr dankbar, aber: "Das sind natürlich keine besseren oder schlechteren Menschen, nur weil es Flüchtlinge sind", wirbt Beate Ritter-Schilling auch um Verständnis für Forderungen.


Nur wenige Helfer zugelassen

Einig sind sich die Ehrenamtlichen darin, dass auch in der Not-Unterkunft mehr getan werden müsste, um den Tagen Struktur zu geben. "Wir würden gerne Hilfestellung geben, aber wir sollen da nicht rein", berichtet Petra Benke-Russler über die Not-Unterkunft in der Röntgenstraße. "Einiges ist einfach auf Grund der großen Belegung nicht möglich", bittet Thomas Stadler vom Roten Kreuz um Verständnis. Die Unterkunft war auf 200 Menschen ausgelegt, ist aber mit 316 Menschen belegt. Dadurch würden nicht nur Spielecken, sondern auch Räume etwa für Deutsch-Unterricht fehlen. Zudem sei es auch immer wieder ein Problem, dass Angebote für einzelne zu Protesten führen, weil sie nicht für alle möglich seien. Das Rote Kreuz versuche deshalb, die große Hilfsbereitschaft auf Dauer-Unterkünfte umzuleiten.
Stefan Seufert versucht derweil, einzelne Kritik-Punkte abzuarbeiten. Zum Teil würden Bewohner etwa kein Mineralwasser annehmen, sondern trinken lieber Leitungswasser. Die einzige Zapfstelle ist aber ausgerechnet in einer Toilette. Vieles gehe aber auch nicht anders: 316 Bewohner könne man einfach nicht selbst putzen lassen, widderspricht er Kritik aus dem Internet: "Stellen Sie sich vor, die Autofahrer sollten auf einer Autobahn-Raststätte selbst für Ordnung sorgen." Auch Selbst-Kochen sei wegen feuertechnischer Vorgaben verboten. "Obwohl die meisten liebend gerne für ihr Essen sorgen würden."