Viele Rhöndörfer liegen recht abgeschieden im Land der offenen Fernen. Junge Menschen zieht es in die Stadt. Perspektiven auf dem Land sehen nur wenige. Die einzige Möglichkeit, Geld auszugeben, ist oftmals der Zigarettenautomat. Zurück bleiben die Alten. Viele davon haben keinen Führerschein mehr. Vernünftige Busverbindungen in die umliegenden Städte gibt es oftmals nicht. Einkaufsfahrten, Arztbesuche werden so zu einer nahezu unbezwingbaren Hürde. Dem Trend wollen sich der Markt Burkardroth und die Gemeinde Sandberg nun entgegen stemmen.

"Wir hatten bereits Gespräche mit Sonja Reubelt (CSU), der Bürgermeisterin der Gemeinde Sandberg", sagt Daniel Wehner (CSU), der Bürgermeister des Marktes Burkardroth. Dass die Notwendigkeit besteht, zeigt der Blick auf die Bus-Fahrpläne. Von Langenleiten oder Waldberg an einem normalen Wochentag in den Nachbarlandkreis zu kommen, ist ein bis zu zweistündiges Unterfangen zu ungünstigen Zeiten.

Bei den Kommunalpolitikern keimte daher eine Idee auf. Anlass waren die in beiden Gemeinden vorhandenen Bürgerbusse. "Wir wollen versuchen die Lücken im Personennahverkehr zu schließen", sagt der Burkardrother Rathauschef. So soll beispielsweise eine Busverbindung von Langenleiten und den anderen Walddörfern - die im Landkreis Rhön Grabfeld liegen - in den Markt Burkardroth entstehen - was im Landkreis Bad Kissingen liegt. "Damit haben die Menschen aus den Walddörfern, die zum Beispiel zum Arzt nach Bad Kissingen müssen, eine bessere Anbindung." Umgekehrt gilt das Gleiche für Burkardrother, die nach Bad Neustadt müssen.

"So etwas kommt super an. Ich bin sofort dafür, aber wie stemmen wir das?", fragt sich Elmar Brehm, der Seniorenbeauftragte des Marktes. Für ihn steht insbesondere die Haftungsfrage im Raum. "Theoretisch könnte ich den Bus als Linienbus durch den Landkreis fahren, was meinen Führerschein angeht. Aber was ist mit dem Versicherungsschutz?"

Daniel Wehner sagt: "Selbstverständlich gibt es dann die notwendigen Versicherungen." Allerdings: Vorher braucht es zunächst einen Bürgerbus. Denn der vorhandene Bus im Markt Burkardroth ist eher ein Carsharing-Bus. "Wir sind erst in der Anfangsphase", sagt der Burkardrother Rathauschef. Erste Gespräche darüber sind jedoch bereits gelaufen. "Der echte Bürgerbus muss noch kommen in Burkardroth. Sandberg hat dagegen schon einen."

Auch wenn der echte Burkardrother Bürgerbus, im Gegensatz zu seinen Hammelburger oder Sandberger Pendants noch fehlt, hat das Ortsoberhaupt bereits eine Idee. Möglicherweise ließe sich das Konzept des Bürgerbusses mit dem bereits vorhandenen Carsharing-Bus testen. "Das müsste vorher allerdings mit der Firma geklärt sein, wenn wir als Kommune den Bus tageweise mieten." Allerdings: Egal, welcher Weg eingeschlagen wird, am Ende soll die Querverbindung zwischen dem Markt und der Gemeinde Sandberg stehen.

"Wir können uns das gut vorstellen, der Bedarf ist da", teilt Sonja Reubelt (CSU), Sandbergs Bürgermeisterin mit. "Die Gemeinde Sandberg liegt am Rande des Landkreises Rhön-Grabfeld. Der ÖPNV in den Nachbarlandkreis ist dort nicht gut ausgebaut." Die Fahrten des Sandberger Bürgerbusses zeigen ihr eines deutlich: "Die bisher beliebteste Fahrt geht von uns freitags nach Bad Kissingen. Da ist durchaus Potential da." Sie geht davon aus, dass es umgekehrt - also von Burkardroth nach Bad Neustadt, etwa zum Campus - ähnlich sein könnte.

"Der Lückenschluss würde die beiden Landkreise an der Grenze in Sachen ÖPNV verzahnen." Sonja Reubelt sieht einen weiteren Vorteil: Die Sprungbrettfunktion der beiden Bürgerbusse. Für Burkardrother bietet sich so bei Bedarf ein schneller Weg nach Bad Neustadt, während sich für die Sandberger ein schneller Weg nach Bad Kissingen ergibt.

Daniel Wehner möchte derlei Dinge nun für seine Kommune abklären. "Man muss das Rad nicht immer neu erfinden", meint er. Er will daher Gespräche mit beispielsweise der Stadt Hammelburg führen, wie das Konzept des Bürgerbusses dort umgesetzt wurde. Und: Die Gespräche mit Sandberg gehen weiter: "Wir setzen uns demnächst wieder zusammen, um das Vorhaben weiter voran zu treiben", sagt Sonja Reubelt.