Die Nachfrage ist da, der Platz nicht. Vor dieser Herausforderung stehen die Stadt Bad Kissingen und der Markt Burkardroth bei Gewerbeflächen. Deshalb verfolgen die beiden Kommunen nun einen gemeinsamen Plan: Es soll ein interkommunales Gewerbegebiet im Umfeld von Stralsbach und Poppenroth entstehen (wir berichteten). Derzeit gehen die beiden Partner erste gemeinsame Schritte.

Warum für den Markt Burkardroth ein Gewerbegebiet sinnvoll ist

"Wir hatten dort in dem Bereich mal ein Industriegebiet geplant", sagt Daniel Wehner (CSU), Bürgermeister des Marktes Burkardroth. Das Vorhaben scheiterte nach Widerstand aus der Bevölkerung. Als Folge änderte die Kommune ihren Kurs. Aus dem Industriegebiet wurde ein Gewerbegebiet. "Das ergibt für uns und unsere regionalen Verhältnisse mehr Sinn." Ansiedeln sollen sich dort vor allem Handwerksbetriebe. "Wir haben schon zwei drei Anfragen von Firmen aus unserem Markt, die bei sich beengt sind. Außerdem werden wir auch immer wieder mal vom Landkreis angeschrieben, dass Firmen Flächen suchen." Im Markt Burkardroth gebe es derzeit nur noch ein freies Stück in Stangenroth. "Wir haben keine attraktiven Flächen mehr frei", meint er.

Bedarf an Flächen fürs Gewerbe in Bad Kissingen ist vorhanden

In Bad Kissingen offenbarte ein von der Ludwigsburger Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung erstelltes Konzept den Bedarf an neuen Gewerbegebieten. Laut Untersuchung braucht die Kurstadt in den kommenden 15 Jahre zusätzliche 19 Hektar Fläche in diesem Bereich. Dort soll - so Oberbürgermeister Dirk Vogel im Dezember - nicht nur auf Kur gesetzt werden. Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt Bad Kissingen, sagt: "Auf der politischen Agenda von Oberbürgermeister Dirk Vogel steht es weit oben, Gewerbeflächen zu schaffen, um für ansässige oder externe Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, sich in Bad Kissingen anzusiedeln. Bad Kissingen möchte in diesem Bereich weiter wachsen." Und: Die Stadt müsse breiter aufgestellt sein. Allerdings seien die Entwicklungsmöglichkeiten derzeit eingeschränkt, kommentierte Bauamtsleiterin Christine Schwind damals die Situation, sind doch die Flächen zu klein gegliedert.

Von der Regierung kam laut Wehner der Vorschlag, das Gewerbegebiet interkommunal aufzuziehen. "Das ist für beide von Vorteil. Es bietet sich ja auch an - die Flächen von Burkardroth und Bad Kissingen liegen aneinander an." Bei den Gebieten der Kurstadt handelt es sich laut Gutachten jedoch um Privatbesitz, den die Stadt erst kaufen muss. Aus dem Bad Kissinger Rathaus heißt es: "Die Stadt sucht seit Jahren Flächen für die Ausweisung von Gewerbegebieten. Der Markt Burkardroth wiederum weist direkt an der Gemarkungsgrenze ein Gewerbegebiet aus und ist deshalb auf die Stadt Bad Kissingen zugekommen." Interkommunale Gewerbegebiete bieten laut Hack "mancherlei Vorteil, deswegen liegt eine Kooperation grundsätzlich nahe".

Erste Vorstöße zum interkommunalen Gewerbegebiet gab es bereits

Erste Vorstöße für ein gemeinsames Gewerbegebiet gab es bereits in der Vergangenheit: "Im Lauf der Jahre haben der ehemalige Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) und Bad Kissingens ehemaliger Bürgermeister Kay Blankenburg (SPD) schon mal darüber gesprochen", sagt Wehner.

Stralsbacher Interessengemeinschaft ist miteingebunden

Daran knüpfen Wehner und Vogel nun an: Seit Mi 2020 gab es mehrere Telefonate. "Unsere Verwaltungen treffen sich nach Möglichkeit im Januar für Absprachen zum weiteren Vorgehen." Mit im Boot ist auch die Interessengemeinschaft Stralsbach (IG). "Ich habe im Wahlkampf versprochen, die Bürger mit einzubinden und sie auf dem laufenden zu halten", sagt Wehner. Berthold Kröckel, Sprecher der IG, bestätigt die Aussage des Ortsoberhaupts und sagt: "Das ist das Wichtigste. Bei Terminen werde ich informiert oder bin dabei." Fragen, die sich der IG stellen, betreffen unter anderem das Ableiten von Schmutz- und Oberflächenwasser.

Auch wenn noch vieles unklar ist, gibt es bereits erste Ideen zur Erschließung. "Ich möchte auf keinen Fall eine Gewerbebrache - im alten Marktgemeinderat gab es den Gedanken, es in drei Abschnitten anzugehen", sagt Wehner. Aber: "Wie das dann konkret aussieht, müssen wir erst noch planen.” Der Rhöner Rathauschef weiter: "Diese Schritte gilt es gemeinsam als Partner zu gehen. Das gehört sich so."