Das hat es noch nicht gegeben: Ein Projekt aus dem Landkreis Bad Kissingen hat es in das "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler geschafft - die Grünbrücke über die A7 bei der Ausfahrt Oberthulba / Bad Kissingen im Neuwirtshauser Forst.

Eine große deutsche Boulevard-Zeitung listete sie unter den "zehn krassesten Fällen von Steuerverschwendung" auf. Damit steht die Bad Kissinger Grünbrücke in einer Reihe mit dem Berliner "Fluchhafen" BER, dem Freizeitpark am Nürburgring und der legendären Elbphilharmonie in Hamburg.

Brücke für Wildtiere

Die meisten Jäger und Forstleute mögen sie für sinnvoll und notwendig erachten, damit - gut 30 Jahre nach Fertigstellung der A7 - Rehe, Wildsauen und -katzen von West nach Ost und umgekehrt wechseln können.
Der Bund der Steuerzahler hat sich dem allerdings nicht angeschlossen.Er wirft die Frage auf, "ob es sich hierbei um ein Stück 'Natur- und Wildschutz' oder schlicht um einen 'Schildbürgerstreich' handelt."

Denn in nur knapp 100 Metern Entfernung gibt es seit langem einen vier Meter breiten Übergang, der parallel zu der 50 Meter mächtigen Beton-"Grünbrücke" verläuft. O-Ton: "Darüber sind vermutlich bisher Rehe und Luchse gewechselt, da ein Wildschutzzaun an der Autobahn andere Wildwechsel über die Autobahn verhindert habe."

Dieser Übergang, ätzt der Bund der Steuerzahler, sei allerdings nach Auffassung der Autobahndirektion Nordbayern nicht geeignet gewesen, die Funktion einer "Grünbrücke" zu übernehmen. Dieses Projekt sei "mit höchster Priorität im bayerischen Konzept zur Erhaltung und Wiederherstellung von bedeutsamen Wildkorridoren an Bundesfernstraßen in Bayern" enthalten gewesen.

Videoüberwachtes Bauwerk

Auch die Bundesanstalt für Naturschutz habe es aufgenommen in die "Prioritätensetzung zur Wiedervernetzung von Ökosystemen". Es sei eine Maßnahme zur Überwindung straßenbedingter Barrieren, hieß es weiter.
Die Kosten hatten fünf Millionen Euro betragen. Andere Quellen sprechen von sechs Millionen. Das Geld stammte aus dem Konjunkturpaket II aus dem Jahr 2008.

Die Brücke aus solidem Beton ist begrünt und 50 Meter breit. Da können sich Hase und Igel leicht begegnen. An den beiden Zugängen befinden sich etwa 30 Meter lange Mauerstreifen. Die dienen auch als Sichtblende. Pflanzen sollen das durchaus beeindruckende Bauwerk begrünen. Dann sieht es aus wie ein Stück Natur. Eine Videokamera überwacht es.

25.000 Euro Schulden

Eine offizielle Einweihung hat es bei der Fertigstellung im November 2011 nicht gegeben. Begründung: Das Wild habe Priorität und solle durch den Menschen nicht gestört werden. Ulf Zeidler, der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, freute sich: Mit dieser "Grünbrücke" sei eine über zehn Jahre alte Forderung erfüllt worden.

Die Investitionen fallen bei der Auflistung der größten Verschwendungen aber nicht so sehr ins Gewicht. Insgesamt prangerte der Bund der Steuerzahler 100 angebliche Verfehlungen an. Und das bei einem Schuldenstand von 2,1 Billionen Euro. Damit steht jeder Deutsche mit 25.000 Euro in der Kreide.