Er hatte die Lacher auf seiner Seite. "Wenn mich jemand fragt, wo man hier essen kann, sage ich, ich bin selbst fremd hier", erzählt ein Brückenauer bei der Bürgerversammlung am Montagabend. Die Georgi-Halle ist gut gefüllt, die rund 40 Bürger, darunter auch etliche Stadträte, sprechen viele Themen an. Das ist ungewohnt, wenn man bedenkt, dass sonst eher die Ortsteile mit einer regen Teilnahme glänzen. Aber diesmal sparen die Brückenauer nicht mit kritischen Fragen.

"Die gutbürgerliche Küche fehlt in der Innenstadt", spielt auch Edgar Rieß auf die miserable Situation unter der Woche an. "Da kann die Stadt sehr wenig machen", antwortet Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU). Klaus Abersfelder beklagt die fehlende Sauberkeit in manchen Bereichen der Innenstadt. "Die Stadt müsste einfach zwei Leute mehr einstellen oder eine Firma beauftragen", schlägt er vor. Das aber bedeute mehr Personalkosten, macht die Rathaus-Chefin deutlich, und das gebe der eng gestrickte Haushalt der Stadt nicht her.


Produzierende Gewerbe ansiedeln

Erneut mahnt Matthias Jost die Geruchsbelästigung durch GKN Sinter Metals an: "Das wird zunehmend schlimmer." Er habe den Eindruck, das Thema werde totgeschwiegen, "dabei sind wir ein Kurort." Meyerdierks antwortet, ihr sei wiederholt versichert worden, dass alle Vorgaben eingehalten würden. Beweise, dass dem nicht so sei, hat Jost nicht parat. Er macht aber noch eine andere Anmerkung: "Was wird von der Seite der Stadt getan, um produzierendes Gewerbe an der richtigen Stelle herzuholen?" Für Jost ist klar: Nur durch neue Arbeitsplätze und damit verbunden mehr Kaufkraft ist dem Leerstand beizukommen.

Meyerdierks' Antwort: Sie habe mehrere Interessenten an der Hand gehabt. Ein Logistikunternehmen sei bis zum Schluss interessiert gewesen, habe sich dann aber für Augsburg entschieden. "Der Hauptgrund ist, dass die Unternehmen bezweifeln, hier genügend Arbeitskräfte zu finden", sagt Meyerdierks. Sie hoffe aber, dass es zumindest gelänge, mit einem neuen Baugebiet im Staatsbad mehr Familien in Bad Brückenau halten zu können.


Oft fehlen Zeugen

Den meisten Raum aber beansprucht ein Thema, das den Bürgern schon lange zu schaffen macht. Immer wieder ziehen Jugendliche und Heranwachsende durch die Stadt und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. "Die Sicherheitswacht läuft zu Zeiten, wenn die Chaoten noch gar nicht unterwegs sind", merkt Theresia Schreiber an. Während früher die Stadt der Sicherheitswacht die Gänge zu später Stunde extra bezahlt habe, sei dies aus steuerlichen Gründen mittlerweile nicht mehr möglich, erklärt Meyerdierks.

Sie versichert, dass die Verwaltung jeden Vorfall der Polizei anzeige, oft aber fehle es an Zeugen. "Es ist eine Hand voll Jugendlicher, oder zwei Hände voll, die den Ruf der gesamten Jugend zerstören", warnt Meyerdierks vor pauschalen Urteilen. Der Hintergrund der jungen Leute sei oftmals sehr "traurig".

Leicht scharf im Tonfall wird die Bürgermeisterin bei wiederholten Rückfragen von Claudio Kleinhans zur Politik des Stadtrates. Man plane bereits ein Jugendparlament, sagt sie etwa auf den Hinweis zum neuen Jugendrat in Geroda, und dass der Haushalt nichtöffentlich beraten werde, sei durch den hohen zeitlichen Aufwand begründet. Der junge Mann jedoch scheint mit diesen Antworten nicht zufrieden zu sein.


Punkt für Punkt aus der Bürgerversammlung:

Statistik Zum 1. Januar 2016 waren 7060 Menschen in Bad Brückenau gemeldet, 6484 mit Hauptwohnsitz und 576 mit Nebenwohnsitz. Die Einwohner verteilen sich auf 4445 in der Stadt (nur Hauptwohnsitz), 516 im Staatsbad, 207 in Wernarz, 706 in Römershag und 610 in Volkers. Insgesamt leben 594 Ausländer in Bad Brückenau, davon 356 in der Stadt, 37 im Staatsbad, 57 in Wernarz, 22 in Römershag und 122 in Volkers.

Entwicklung Auf lange Sicht geht die Bevölkerung in Bad Brückenau zurück. Neben Zu- und Wegzügen spielt das Ungleichgewicht zwischen Geburten und Sterbefällen eine Rolle. So hat es im vergangenen Jahr mit 39 Neugeborenen recht wenig Nachwuchs gegeben. Dagegen waren 153 Todesfälle zu verzeichnen.

Kindergarten Im Kindergarten Regenbogenland sind aktuell 108 Kinder, im Vorjahr waren es 106. In Wernarz besuchen 22 Kinder den Kindergarten (2014: 28). In Volkers sind es 19 Kinder (2014: 26) und in Römershag 26 Kinder, fünf mehr als im Vorjahr.

Gästezahlen Im Jahr 2015 hat es einen leichten Rückgang der Gästezahlen gegeben: 60.239 Menschen besuchten die Stadt, das waren 235 weniger als 2014. Auch die Anzahl der Übernachtungen verringerte sich, und zwar um 3080 auf 298.127 im vergangenen Jahr. Durchschnittlich blieben Besucher 4,9 Tage in der Stadt. Im Vorjahr waren es noch genau fünf Tage.

Projekte Die Liste der Aufgaben für die städtische Entwicklung ist lang. Sie reicht von der Neugestaltung des Bereichs um den Bahnhof über die anstehende Sanierung der Georgi-Halle und der Georgi-Quelle bis hin zur Generalsanierung der Mittelschule und dem Neubau eines Kindergartens in Volkers. Auch der Parkplatz am alten Krankenhaus und der Parkbereich vom ehemaligen Minigolf-Platz bis hinunter zum Kneipp-Becken sollen erneuert werden.