Mucksmäuschenstill war es im Musikraum der Brückenauer Realschule, als Maria Graf, Gast-Harfenistin beim Bayerischen Kammerorchester (BKO), die ersten zarten Töne ihrer Harfe erklingen ließ, indem sie das soeben gehörte schrille Pausen-Zeichen als gebrochenen Akkord wiederholte. Möglich macht diese außergewöhnliche Musikstunde das BKO mit ihrem Angebot, jungen Menschen klassische Musik durch Kontakte zu hervorragenden Solisten nahe zu bringen.

Musik-Lehrer Andreas Kleinhenz begrüßte die Schüler der Klasse 5 c und eine Abordnung der Junior-Schul-Band. Maria Graf, Professorin für Harfe in Berlin, setzte bei ihren Erklärungen gewisse musikalische Grundkenntnisse voraus. Sie zeigte die Wirkung der mechanischen Fußpedale und natürlich auch den Einsatz ihrer flinken Finger. Die Harfe ist ein Zupfinstrument wie die Laute und die Zither. Sie ist eines der ältesten Instrumente überhaupt. Insgesamt verfügt sie über 47 fest gespannte Saiten, auf die ein starker Zug ausgeübt werden muss, um sie zum Schwingen, zum Klingen zu bringen.

Erklärung am Instrument

An der Harfe befinden sich Saiten aus Nylon, Stahl und Naturdarm. Die kürzesten sind aus Nylon, die längsten aus Stahl. Eine Harfe müsse täglich gestimmt werden. Früher habe es keine Pedale an den Harfen gegeben, erzählt Graf. Diese neue Mechanik sei sehr teuer, weil sie in Handarbeit geleistet werden müsse. Über 2000 kleine Einzelteile werden eigens dafür zusammengefügt.

Nach Erklärungen und Klang- Beispielen zu Glissando, Arpeggio, Flageolett und Fermate gab Maria Graf den Schülern Gelegenheit Fragen zu stellen. Das Alter ihrer Harfe wollten die Schüler wissen und den Preis. Da staunten die Kinder, als sie den Preis von 72.000 Euro hörten. Ihre erste Harfe habe sie sich mit Blockflöten-Unterricht verdient. Sie musste 22.000 Mark zusammensparen.

Ein Schüler wollte wissen, wie die erste Übungsstunde abläuft. "Nur mit 2 Fingern - und das nur 10 Minuten lang", gab Graf zur Antwort. Es müsse täglich geübt werden und man müsse ein Jahr lang durchhalten. "Zunächst greift der Schüler nur mit zwei Fingern eine Terz, dann später werden es drei und dann vier Finger beziehungsweise Töne". Profis nutzen sogar acht Finger zum Spielen - wie Graf am Ende demonstrierte.