Mühsam zieht Hubert Töpfer das alte Wägelchen aus der Werkstatt. Es ist ein original "Sauerbrönnskärrnje der Bröggenäuer", wie Else Prause liebevoll sagt. Sie hat es aufgehoben, das Gefährt, mit dem die Kinder früher das gute Wasser der Wernarzer Quelle vom Staatsbad in die Stadt holten. Damals war der Weg recht holprig, die Kohlensäure trieb die Korken aus den gefüllten Flaschen. "Wir Kinder haben die Flaschen dann einfach mit nassen Säcken zugedeckt", erzählt die 90-Jährige. So blieb das Wasser, wo es war, bis es zum Beispiel zu herrlicher Himbeerlimonade gemischt wurde.


Kultur der Region zeigen

Anlässlich der Unterfränkischen Kulturtage stiftete Prause einen Nachbau des Karren aus Metall, der seit wenigen Tagen auf einem Sockel in der Sinn unterhalb der Brücke beim Deutschen Haus steht. Es ist nicht die einzige Ecke der Stadt, die verschönert wurde. "Wir sind jetzt in der entscheidenden Phase", sagt Roland Heinlein vom Kulturbüro, das - zusammen mit der Tourist-Info und dem Bezirk Unterfranken - maßgeblich an der Ausarbeitung des Programm beteiligt war.

Allein zum Stadtspaziergang zum Auftakt der Kulturtage hat Heinlein 120 Anmeldungen erhalten. Zum Empfang der Gäste aus den Partnerstädten am Sonntagabend rechnet Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) mit bis zu 300 Besuchern. Zur Verleihung des Valentin-Becker-Preises, die die Stadt gemeinsam mit dem Fränkischen Sängerbund am 17. Juli ausrichtet, werden es wohl zwischen 300 und 400 Besucher werden, schätzt die Rathaus-Chefin. Der Termin für die Auszeichnung von Chor-Kompositionen wurde wegen der Kulturtage sogar verlegt, erzählt Heinlein.

Ein Blick ins Programmheft zeigt: Die Kulturtage profitieren von den festen Größen, die aus dem kulturellen Leben der Region nicht mehr wegzudenken sind: 20 Jahre Parkfest oder das Sommerkonzert des Bayerischen Kammerorchesters, die Ausstellungen im Haus der Schwarzen Berge, das Deutsche Fahrradmuseum, das Zirkuszelt auf dem Volkersberg, die Galerie Form+Farbe und das Kreismusikfest in Modlos. "Wir zeigen die Kultur, die in der Region zuhause ist", sagt Karin Bauer, Leiterin der Tourist-Info.


Resonanz bisher noch verhalten

Außergewöhnlich sind hingegen drei Ausstellungen, die in Bad Brückenau Station machen. "Von Arauner bis Wüstenfeld" stellt unterfränkische Lebensmittel aus 100 Jahren vor. Das Kulturbüro hat dafür historische Aufnahmen alter Brückenauer Läden gesammelt, die die Wanderausstellung des Bezirks Unterfranken ergänzen. Zudem verstecken sich in verschiedenen Bekleidunggeschäften der Stadt alte Trachten, die aus dem Bestand der Textilsammlung des Bezirks Unterfranken stammen. Zudem jährt sich heuer die Eingliederung des ehemaligen Bezirksamts Brückenau nach Bayern zum 200sten Mal. Passend dazu wird die Ausstellung "200 Jahre Unterfranken in Bayern" in der Georgi-Halle gezeigt.

Die Resonanz scheint bisher eher verhalten zu sein. Die drei wichtigsten Hotels der Kernstadt melden kaum Gäste, die wegen der Kulturtage kommen. Sie verpassen einiges - nicht nur das "Sauerbrönnskärrnje".


Das Programm der Unterfränkischen Kulturtage 2016 in Bad Brückenau finden Sie hier.