Vor den Toren Hammelburgs wollten sich Organisatoren aus der Interessengruppe "Geschichtskreis 1866" einen Geländeeindruck verschaffen, wo die Preußen 1866 gegen die Bayern kämpften. Doch der morgendliche dichte Nebel machten den Interessierten unter Leitung von Walter Hamm aus Uettingen einen dicken Strich durch deren Rechnung.

Mehr als genügend Ersatzoptik gab es als Ausgleich in dem reichlich bebilderten Reisevortrag von Kreisheimatpfleger Werner Eberth. Der war heuer im Juni zusammen mit Oberleutnant Albert Stenger und weiteren Interessierten im Bus nach Königgrätz gefahren, wo die Tschechen die berühmte Schlacht zwischen den Preußen und Österreichern nachstellten.


Die Schlacht von Königgrätz


Nicht alle der rund 60 000 gefallenen Soldaten, die außerhalb von Königgrätz in Chlum mit der Gedenkstätte "Batterie der Toten" ihr mahnendes Denkmal haben, waren dort zur Schlachtnachbildung zu neuem Leben erweckt worden. Eindrucksvoll berichtete Eberth von seinem Besuch.

Die historischen Kanonen und Gewehrsalven hätten so laut geknallt, dass die Kinder in den Zuschauerreihen vor Angst schrien. Eberths Fotos zeigten die zackig exerzierenden preußischen Soldaten mit ihren Pickelhauben, die auch Liegestütze machen mussten. Aber auch die säbelziehenden Husaren-Preußen und Kürassiere auf den Pferden verfehlten ihren Eindruck nicht. Beritten waren auch die österreichischen Ulanen und Dragoner. Die hoch motivierten Laiendarsteller seien hauptsächlich aus Tschechien gewesen und hätten viel privates Geld in die Uniformen und Ausrüstungen gesteckt, zog Eberth achtungsvoll seinen Hut.

Die Fotos von den nachgeschneiderten Uniformoriginalen erweckten das lebhafte Interesse der Versammelten im Offiziersheim in Hammelburg. "Da könnten wir uns doch die 1866er Uniformen der Bayern anfertigen lassen", dachte Jürgen Bereiter aus Nüdlingen an den 150. Jahrestag in vier Jahren. Dieses Gedenkjahr 2016 soll nach überwiegender Meinung aus dieser Geschichtsrunde an verschiedenen originalen Kampforten gewürdigt werden. Auch im Landkreis Bad Kissingen.

Es wurde gerätselt, was solche nach genauen historischen Vorlagen gefertigten Schneiderarbeiten wohl kosten würden. "Mit 1000 Euro kommt man nicht aus", bestätigte Stenger, der sich schon vor Jahren eine historische Uniform fertigen ließ.


Keine Kriegsverherrlichung


"Uns fehlt noch ein Motto oder Leitspruch", stellte Hamm fest und sah fragend in die Tischrunde. Keinesfalls sollte der deutsche Bruderkrieg 1866 sang- und klanglos unter den Tisch fallen, hatte schon 2010 ein Beschluss dieses Geschichtskreises gefordert. Einerseits gelte es, die Weichenstellung zur Beseitigung der deutschen Kleinstaaterei zu würdigen, so Hamm. Andererseits wolle man jeden Ansatz von Kriegsverherrlichung tunlichst vermeiden.

Nein, die Entstehung des demokratischen Europas von heute lasse sich aus dem 1866er Krieg nicht direkt ableiten, begegnete Hamm einem solchen Vorschlag. Da habe das Jahr 1871 mehr Bedeutung für unser Land, erinnerte Eberth an die deutsche Reichsgründung nach dem Franzosenkrieg im Schloss Versailles.

"Mit kräftigem Hurra hatten die preußischen Soldaten auch in Winkels, Ortsteil von Bad Kissingen gesiegt, nachdem sie 1866 die Siegesnachricht über Königgrätz erhielten", erinnerte der Nüdlinger Jürgen Bereiter. Kreisheimatpfleger Christian Neugebauer berichtete von aktiver Teamarbeit in den Arbeitskreisen von Bad Kissingen und Hammelburg. Ein Treffen um 11 Uhr am 21. November im Stadtarchiv der Kreisstadt soll Weiteres für das Gedenken 2016 im Landkreis vorbereiten.

Kreiskulturreferent Werner Eberth wies darauf hin, dass er die Herausgabe einer "Gedenkbriefmarke 1866" beim Bundesfinanz-Ministerium für 2016 angeregt habe.

Längst schon weise eine trauernde Germania-Figur im Bad Kissinger Veteranenfriedhof auf das verlustreiche Soldatenjahr 1866 hin. Mit einer Besichtigung des Militärmuseums auf dem Gelände der Saaleck-Kaserne beendeten die Teilnehmer des Geschichtskreises 1866 ihre Tagung.