Wie die Beiträge steigen
Wegen des Anstiegs bei den Erwerbstätigen und den Einkommen in Deutschland sind die Rentenbeiträge seit 2018 stabil geblieben. Zu zahlen sind 18,6 Prozent des Bruttolohns, zur Hälfte durch die Arbeitgeber und zur Hälfte durch ihre Beschäftigten, und zwar bis zu einer Obergrenze, der Beitragsbemessungsgrenze. Ende der 1990er betrugen die Beiträge noch mehr als 20 Prozent. Nun soll der Beitragssatz erstmals 2027 hochgehen, die 20-Prozent-Marke 2030 wieder erreichen und 2040 bei 21,4 Prozent liegen. Das steht nicht im Gesetz, sondern ist eine Prognose vor allem aufgrund der angenommenen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt.
Schwerpunkte jenseits der gesetzlichen Rente
Weil die Sicherung des Lebensstandards für viele allein durch die gesetzliche Rente nicht reicht, sollen Betriebsrenten weiter verbreitet werden – bei kleineren Unternehmen und für Beschäftigte mit geringen Einkommen. Darauf zielt der zweite Teil des beschlossenen Rentenpakets unter anderem durch konsequente Entbürokratisierung ab. Rund 18 Millionen Beschäftigte haben heute eine solche Anwartschaft – 52 Prozent der Beschäftigten.
Zum dritten gibt es neben gesetzlich und betrieblich noch privat: Massiv gestärkt werden sollen die heutigen Riester-Renten – mit einem komplett neuen, besseren Modell, einem «neuen Vorsorgeprodukt», wie es bereits im Koalitionsvertrag heißt. Noch am Freitag leitete das Haus von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) die regierungsinterne Abstimmung für eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge ein – «mit dem Ziel einer Revitalisierung», wie es im Gesetzentwurf heißt. Auch bei den Vorhaben für das kommende Jahr spielt die Privatvorsorge eine Rolle, soll sie doch insgesamt besser als heute als Ergänzung dienen. Hier spielt die angekündigte Rentenkommission eine Rolle.
«Gerechtigkeitslücke schließen»: Mütterrente
Bereits mit dem umstrittenen Haltelinien-Gesetz beschlossen wurde dagegen die von der CSU vorangetriebene Ausweitung der Mütterrente. Die Zeit der Kindererziehung, die für die Rente anrechnungsfähig ist, soll für vor 1992 geborene Kinder um weitere sechs Monate auf drei Jahre verlängert werden. Ab 2027 solle so eine Gerechtigkeitslücke geschlossen und die Erziehungsleistung von Müttern oder Vätern in den ersten drei Lebensjahren jedes Kindes gewürdigt werden, erläutert das Arbeitsministerium – unabhängig vom Geburtsjahr des Kindes.
Die Aktivrente – ein Steuerfreibetrag
Nun auch mit grünem Licht durch den Bundestag ausgestattet soll ab 1. Januar zudem Weiterarbeiten über das reguläre Rentenalter hinaus attraktiver werden. Wer nach Erreichen des Rentenalters weiterarbeitet, soll ab kommendem Jahr bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei verdienen können. Mit der Änderung im Einkommensteuergesetz sollen Rentnerinnen und Rentner mit bis zu 890 Millionen Euro jährlich entlastet werden. Die Aktivrente war eine CDU-Idee.
Außerdem wird Personen nach Erreichen des Rentenalters eine Rückkehr zu ihrem bisherigen Arbeitgeber in Teilzeit erleichtert. Ein Anschlussverbot im Teilzeit- und Befristungsgesetz wurde für sie aufgehoben.
Auch eine Frühstartrente soll kommen
Für nach den aktuellen Gesetzen ist die sogenannte Frühstartrente angekündigt. Jedes Kind, das eine Bildungseinrichtung besucht, soll vom 6. bis zum 18. Lebensjahr monatlich zehn Euro bekommen. Ein Gesetzgebungsverfahren steht noch aus. Ab 18 soll das Geld bis zur Rente privat weiter günstig bespart werden können.
Rentenpolitische Zukunft: Die Kommission
Voraussichtlich in knapp zwei Wochen soll dann noch die Rentenkommission eingesetzt werden. Die Wissenschaft soll ebenso vertreten sein wie Politikerinnen und Politiker – auch explizit die junge Generation, haben die Koalitionsspitzen versprochen. Bis Mitte 2026 sollen Vorschläge vorliegen – die dann rasch in ein Gesetzgebungsverfahren münden sollen.
In der Kommission sollen auch Punkte besprochen werden, die für Union oder SPD Stand heute jeweils Tabus sind: eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit über 67 hinaus für gesetzlich Versicherte und die Einbeziehung weiterer Gruppen in die gesetzliche Rente, also eventuell von Beamtinnen und Beamten. Ansonsten soll die Kommissionsarbeit auf kosten- und rentendämpfende Faktoren in der Rentenformel abzielen. Große Reformen haben der Kanzler, aber auch die Sozialdemokraten angekündigt, die Sozialdemokraten ihren Reformwillen mehrfach versichert.
Die Jungen in der Union zeigen aber wenig Vertrauen in die Bereitschaft der SPD. Noch am Rand des Plenarsaals kündigte der Chef der Jungen Union, Johannes Winkel, weiteres Kämpfen an: «Es geht jetzt erst richtig los», sagte er in einem Fernsehinterview.