Mal zwickt es im Rücken, mal zwackt es im Kopf - unangenehm, aber mit Entspannung, Bewegung oder einer Tablette gut behandelbar. Schwieriger wird es, wenn die Beschwerden anhalten: Etwa 28 Prozent der Deutschen leiden unter chronischen Schmerzen, die intensiver behandelt werden müssen. Wo sie Hilfe finden, welche Therapien geeignet sind sowie praktische Tipps für den Alltag bekommen Betroffene bei einer Telefonaktion dieser Zeitung am Dienstag, 8. Dezember.

Von 16 bis 18 Uhr stehen in unserer Bamberger Zentralredaktion zwei Experten für alle Fragen unserer Leser zum Thema "Schmerz" zur Verfügung: Christoph Sommer, Chefarzt des Interdisziplinären Schmerzzentrums am Bezirksklinikum Obermain in Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels) und Clemens Haberer, Oberarzt für Anästhesie an der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Bamberg.


So erreichen Sie unsere Schmerz-Experten

Christoph Sommer ist Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg. Sommer steht bei unserer Telefonaktion unter der Durchwahl 0951/188-221 für Fragen zu Schmerzen und Schmerztherapie zur Verfügung.

Clemens Haberer ist am Klinikum Bamberg Oberarzt in der Klinik für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, wo er auch die oberärztliche Leitung der Schmerztherapie innehat. Haberer ist bei unserer Telefonaktion unter der Durchwahl 0951/188-226 zum Thema Schmerzen zu erreichen.

Die Mediziner arbeiten nach der multimodalen Schmerztherapie, die von Schmerzkliniken und -Tageskliniken angeboten wird. Bei diesem Konzept kümmern sich gleichzeitig auf Schmerz spezialisierte Ärzte, Psychologen, Pflegekräfte, Physio- und Sporttherapeuten, Bewegungs- und Ergotherapeuten sowie Sozialarbeiter um die Patienten. Die Experten Sommer und Haberer wissen aus ihrer täglichen Praxis, wie wichtig eine komplexe Behandlung bei Schmerzpatienten ist: Es gibt mehr Betroffene als bisher vermutet.


Lange Leidensgeschichten

Laut einer Studie der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie berichten etwa 23 Millionen Deutsche über chronische Schmerzen. Das sind 28 Prozent der Bevölkerung statt wie bisher geschätzt 15 bis 25 Prozent. Viele von ihnen haben eine Leidensgeschichte, die durchschnittlich sieben Jahre andauert, bei mehr als 20 Prozent dauert sie 20 Jahre.

Viele der Betroffenen sind unterversorgt: Bei über der Hälfte aller Menschen mit chronischen Schmerzen braucht es mehr als zwei Jahre, um eine ausreichend wirksame Schmerzbehandlung zu erhalten, und nur zehn Prozent aller chronischen Schmerzpatienten in Deutschland wurden je einem Schmerzspezialisten vorgestellt. In der Studie geben deshalb auch gut 24 Prozent der Betroffenen an, mit ihrer Schmerzbehandlung unzufrieden zu sein.


Volkswirtschaftlicher Aspekt

Kein Wunder also, dass die Betroffenen Probleme haben. Die Mediziner Sommer und Haberer wissen, was die Patienten belastet: "Sie leiden nicht nur unter dem Dauerschmerz, sondern auch unter den zunehmenden körperlichen Einschränkungen im Alltag. Dies geht oft mit depressiver Stimmung, angstvollen Gedanken, Schlafstörungen und verminderter Konzentration einher."

Schmerzen sind aber nicht nur häufig, sondern auch teuer. Volkswirtschaftlich kommt Rückenschmerzen die größte Bedeutung zu, gefolgt von Kopf-, Nerven- und Tumorschmerzen. Oft erfordern sie stationäre medizinische Rehabilitationsmaßnahmen und können zur Frühberentung führen.

Die Europäische Schmerzgesellschaft geht von einem jährlichen Kostenaufwand von 38 Milliarden Euro in Deutschland aus. Zehn Milliarden entfallen auf die Behandlungskosten, den Löwenanteil verursachen Krankengeld, Arbeitsausfall und Frühberentung.


Probleme durch Medikamente

Weiteres Problem: Lang anhaltende Schmerzen führen zu einem enormen Schmerzmittelverbrauch. Entsprechende Medikamente können jedoch Magen-, Darm- und Nierenbeschwerden verursachen, außerdem kann ein Missbrauch die Aufrechterhaltung von Schmerzen begünstigen.

Ein großes Thema also, das die Gesundheitspolitik langfristig fordert. Kurzfristige und praktische Soforthilfe gibt es bei unserer Telefonaktion am 8. Dezember. Die Leitungen sind von 16 bis 18 Uhr geschaltet, die Anrufe sind kostenlos und werden auf Wunsch anonym behandelt.