Es sind Arten, die jeder kennt und die man oft beobachten kann. Doch kann es sein, dass auch sie weniger werden? Wie jeder dazu beitragen, dass Spatz & Co. sich wohlfühlen.
Im Winter lässt sich am Futterhaus mit etwas Geduld so einiges beobachten: Eine Kohlmeise schnappt sich ein Korn, aus dem Gebüsch flattert eine Schar Spatzen heran, am Boden pickt eine Amsel und manchmal zeigt sich ein Rotkehlchen. Doch nicht überall lassen sich so viele Vögel blicken. Müssen wir uns Sorgen um unsere häufigen heimischen Arten machen?
Jedes Jahr Anfang Januar bitten der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Bayern die Bevölkerung um Mithilfe: Diese soll bei der «Stunde der Wintervögel» von Freitag bis Sonntag (9. bis 11. Januar) eine Stunde lang die Vögel im Garten, im Park oder vor dem Fenster zählen und melden. Die Fachleute erhoffen sich dadurch Erkenntnisse über die Veränderungen in der Vogelwelt.
Wetter spielt wichtige Rolle
Im vergangenen Jahr ließen sich in dem Zeitraum deutlich weniger Amseln an den Futterstellen blicken. Auch Haussperling, Feldsperling, Kohl- und Blaumeisen machten sich rarer. Diese Ergebnisse allein beunruhigen LBV-Biologin Angelika Nelson jedoch nicht. «Das ist eine Momentaufnahme.» Und bei dieser spielt das Wetter eine wichtige Rolle: Denn je milder der Winter, desto weniger Vögel kommen zur Futtersuche in die Gärten.
Die Mitmachaktion richte sich an Menschen in den Städten und Dörfern, also im Siedlungsraum, ergänzt Nelson. Es gehe also nicht darum, Erkenntnisse über die flächendeckende Verbreitung zu bekommen. Der Dachverband Deutscher Avifaunisten, der ein professionelles Vogelmonitoring in der Brutzeit in Deutschland organisiert, geht nach aktuellsten Zahlen bei Amseln, Haussperlingen, Kohl- und Blaumeisen von stabilen bis zunehmenden Brutbeständen aus. Allein beim Fehlsperling ist demnach ein Rückgang zu verzeichnen.
«Schleichender Schwund»
Schaut man sich die zurückliegenden Jahrzehnte an, sieht es jedoch anders aus: «Bei den häufigen Arten haben wir fast überall einen schleichenden Schwund», erläutert Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell am Bodensee. Bei denen falle der Rückgang von einem Jahr zum anderen nicht so auf wie bei den seltenen Arten, die kurz vor dem Aussterben stehen.
Außerdem kann der Trend regional ganz unterschiedlich sein. Als Beispiel nennt Fiedler das Usutu-Virus, das dafür gesorgt hat, dass die Amseln etwa im Raum Mannheim praktisch verschwanden. «Dort, wo die Lebensräume einigermaßen in Ordnung sind, konnte sich die Populationen wieder erholen. An anderen Stellen schafft sie es nicht so gut.»
Ähnlich sehe es beim Haussperling aus, dessen Bestand aktuell noch stabil sei, sagt Nabu-Expertin Janice Pahl. Europaweit nehme dieser aber schon länger ab, und diese Entwicklung könne sich auch lokal zeigen. Der Spatz finde im Zuge von energetischen Sanierungen und der Versiegelung von Flächen immer weniger Nischen und Spalten zum Nisten, erläutert sie. Zudem seien Spatzen immer in der Gruppe unterwegs und deshalb darauf angewiesen, dass Nistplätze und Futter für viele Vögel vorhanden seien, ergänzt Nelson.