Ob man bei einer Erhöhung des Beitrags kündigen kann, was Zusatzpolicen bringen, ob es Möglichkeiten gibt, innerhalb der Versicherung den Tarif zu wechseln: Bei der Telefonaktion dieser Zeitung zum Thema Krankenversicherung kamen viele Themen zur Sprache.

Antworten gab es von zwei Experten: Frank Müller von der AOK Bayern (Direktion Bamberg) und Arsem Selendt vom Verband der privaten Krankenversicherung. Unsere Leser stellten den beiden so viele Fragen, dass die Experten Überstunden machten und über die angesetzten zwei Stunden hinaus Rede und Antwort standen. Im Folgenden eine Zusammenfassung der wichtigsten Themen.

Ich (61) habe mein Gewerbe aufgegeben. Kann ich von der Privatversicherung in die Gesetzliche wechseln?
In Ihrem Alter nur dann, wenn Ihre Ehepartnerin gesetzlich versichert ist und Sie als monatliche Gesamteinkünfte nicht mehr als 405 Euro erhalten. Alternativ ist ein 450-Euro-Job ohne weitere Einkünfte möglich. Ist das bei Ihnen der Fall, können Sie bei Ihrer Ehepartnerin beitragsfrei gesetzlich familienversichert werden. Bei den Einkünften werden außer Gehalt, Honoraren und ähnlichen Erwerbseinkünften auch Renten sowie Miet- und Pachteinnahmen berücksichtigt.

Meine Nichte hat geerbt und damit monatliche Mieteinnahmen. Im Moment ist sie noch beitragsfrei familienversichert. Kann das so bleiben? Sie hat sonst keine weiteren Einkünfte.
Wenn die Mieteinnahmen 405 Euro im Monat übersteigen, ist eine Familienversicherung nicht möglich. Da sie sich dann selbst versichern muss - in Deutschland gilt die Pflicht zur Krankenversicherung - kann sie zwischen einer privaten Krankenversicherung und einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung wählen. Freiwillig versicherte zahlen auf alle Einkünfte, also auch Pacht- und Mieteinnahmen einen Beitrag. Der Mindestbeitrag kostet etwa 141 Euro im Monat, hinzu kommt der Beitrag zur Pflege. Wenn Ihre Nichte eine Festanstellung mit einem monatlichen Brutto über 450 Euro aufnimmt, wird sie gesetzlich pflichtversichert. Bei Pflichtmitgliedern spielen Mieteinkünfte keine Rolle für den Beitrag.

Ich bin derzeit übe meinen Mann beihilfeberechtigt und privat versichert. Jetzt werde aber für ein Jahr eine Festanstellung annehmen. Wie komme ich danach wieder in die Private zurück?
Wenn Sie in der Festanstellung mehr als 450 Euro im Monat verdienen, werden Sie gesetzlich versicherungspflichtig. Sie müssen sich also eine gesetzliche Kasse suchen. Um nach Ende der Festanstellung wieder in Ihren alten Privatvertrag wechseln zu können, sollten Sie für die Zeit der gesetzlichen Pflichtversicherung eine große Anwartschaftversicherung abschließen. Damit brauchen Sie bei Aktivierung Ihrer privaten Krankenversicherung keine Gesundheitsfragen beantworten.

Ich werde mich selbstständig machen. Kann ich in der gesetzlichen Kasse bleiben? Was muss ich da zahlen?
Sie haben das Wahlrecht zwischen privater Krankenversicherung oder gesetzlicher Kasse. Bei der Gesetzlichen würden Sie als freiwillig Versicherte eingestuft. Damit sind auf alle Einkünfte Beiträge bis zur Bemessungsgrenze von 4125 Euro zu zahlen. Der Mindestbeitrag liegt bei rund 310 Euro, der Höchstbeitrag kostet etwa 602 Euro im Monat. Wenn Sie einen Existenzgründerzuschuss bekommen, liegt der Beitrag bei etwa 206 Euro. Der Zusatzbeitrag sowie der für die Pflege kommen noch hinzu. Diese Beiträge kommen zustande, weil der Gesetzgeber für Selbstständige fiktive Mindesteinkünfte festgelegt hat. Für Existenzgründer mit Zuschuss sind es 1417,50 Euro monatlich, für Selbstständige ohne Existenzgründerzuschuss gilt das Mindesteinkommen von 2126,25 Euro monatlich für die Beitragsberechnung. Wenn Sie sich für die Gesetzliche entscheiden, sollten Sie prüfen lassen, ob Sie auch als "hauptberuflich Selbstständiger" gelten.

Gibt es Möglichkeiten, den Beitrag zur privaten Krankenversicherung zu senken? Ich bin seit 28 Jahren privat versichert.
Ja, verschiedene. Zum einen haben Sie das Recht auf einen Wechsel in einen anderen, jüngeren Tarif mit analogen Leistungen bei Ihrem Versicherer. Viele haben jüngere Tarife, die aufgrund der Zusammensetzung des Versichertenkollektivs günstiger sind. In diesem Fall bleiben Ihnen die in den vergangenen Jahren angesparten Alterungsrückstellungen erhalten. Eine Gesundheitsprüfung findet nicht statt. Nur wenn der neue Tarif Mehrleistungen beinhaltet, sind für die neuen Elemente Gesundheitsfragen zu beantworten.
Abgesehen vom Tarifwechsel können die Erhöhung des Selbstbehaltes oder Leistungsverzicht zu Ersparnissen führen. In dauerhaft finanzieller Notlage kann der Wechsel in den Standardtarif eine Lösung sen. In diesem Fall werden Ihnen die Alterungsrückstellungen Beitrags senkend angerechnet. Allerdings haben Sie dann auch nur Anspruch auf Leistungen, die etwa denen der gesetzlichen Kassen entsprechen. Für jene, die sich nach 2009 privat versicherten, gibt es in solchen Situationen den Basistarif.

Meine Kasse verlangt seit Januar einen Zusatzbeitrag. Kann ich noch wechseln, obwohl die außerordentliche Kündigungsfrist schon abgelaufen ist?
Wenn Sie 18 Monate Mitglied Ihrer Kasse sind, haben Sie laut Gesetz ein ganz reguläres Kündigungsrecht. Die Wechselfrist beträgt zwei Monate. Innerhalb dieser Zeit müssen Sie Ihrer derzeitigen Kasse auch nachweisen, dass Sie von einer anderen Kasse aufgenommen wurden. Bis zum vollzogenen Wechsel muss der Zusatzbeitrag weitergezahlt werden.
Sie sollten die Entscheidung aber nicht allein vom Zusatzbeitrag abhängig machen. Wichtiger ist in der Regel die Erreichbarkeit, der Service und gegebenenfalls kassenindividuelle Satzungsleistungen, die andere nicht bieten. Satzungsleistungen können zur neuen Kasse nicht mitgenommen werden.

Welche Zusatzversicherungen kann man als Kassenpatient überhaupt abschließen?
Es gibt Zusatzpolicen, die die Zusatzkosten für Chefarztbehandlung und Ein- bzw. Zweibettzimmer übernehmen. Angeboten werden drei Varianten von Pflege-Zusatzversicherungen - gefördertes und ungefördertes Tagegeld sowie Pflegekosten-Versicherungen. Krankengeld kann zusatzversichert werden, ebenso wie die Restkosten für Zahnersatz. Zudem gibt es Policen für ambulante Behandlungen wie etwa durch Heilpraktiker sowie für Krankenhaus-Tagegeld.

Mein Sohn will im Herbst eine Ausbildung beginnen und danach studieren. Derzeit ist er noch familienversichert. Bleibt es das während Ausbildung und Studium?
Jein. Wenn er während der Ausbildung eine Vergütung bekommt, endet die Familienversicherung. Bis zu einem monatlichen Entgelt von 325 Euro zahlt dann der Arbeitgeber den Beitrag allein, ist es höher, muss auch Ihr Sohn seinen Anteil zahlen. Beim Studium spielt dann das Alter eine Rolle. Bis zum 25. Lebensjahr kann er wieder beitragsfrei familienversichert werden. Danach wird er Mitglied der Krankenversicherung der Studenten.
Die kostet bundeseinheitlich 61,01 Euro. Hinzu kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag und der Beitrag zur Pflegepflichtversicherung. Studenten ohne Kind zahlen für Letzteres 15,52 Euro im Monat, mit Kind sind es 14,03 Euro monatlich. Bafög-Empfänger bekommen einen Zuschuss.

Meine Mutter hat eine private Pflege-Zusatzversicherung. Wir haben jetzt eine Pflegestufe beantragt. Wird das Geld aus der Zusatzversicherung mit dem der Pflegekasse verrechnet?
Nein. Das gibt es zusätzlich.

Ich bin als Selbstständiger privat krankenversichert. Was geschieht, wenn ich eine Festanstellung annehme und meine berufliche Selbstständigkeit trotzdem beibehalte?
Das muss individuell geprüft werden. Bleibt Ihre selbstständige Tätigkeit hauptberuflich und somit Ihr Haupterwerb, bleiben Sie auch privat krankenversichert. Ist hingegen die Festanstellung Ihre wichtigste Erwerbsquelle - werden Sie gesetzlich pflichtversichert. Das gilt allerdings nur bis zum 55. Lebensjahr.

Ich war einige Jahre nicht krankenversichert, bin jetzt aber Mitglied einer gesetzlichen Kasse. Inzwischen habe ich erfahren, dass ich als Rentner freiwillig versichert sein werde. Was hat das für Konsequenzen?
Freiwillige Mitglieder werden laut Sozialgesetzbuch V jene Rentner, die nicht 90 Prozent der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens gesetzlich versichert waren. Das trifft auf Sie offensichtlich zu. Die Folge ist, dass Sie auf alle Ihre Einkünfte bis zur Bemessensgrenze Beiträge zu zahlen haben. Also neben Ihrer Altersrente - da zahlen Sie 7,3 Prozent plus Zusatzbeitrag - sind auch auf Zinsen, private Renten oder Mieteinnahmen Beiträge zu zahlen. Das gilt bis zur Bemessungsgrenze von 4125 Euro. Für Pflichtmitglieder der Krankenversicherung der Rentner spielen Zinsen, Privatrenten oder Mieteinnahmen keine Rolle für den Kassenbeitrag. Allerdings müssen alle Rentner - unabhängig davon, ob freiwillig oder pflichtversichert - auf Betriebsrenten den vollen Beitrag bis zur Bemessungsgrenze zahlen.

Ich (61) habe mein Gewerbe aufgegeben. Kann ich von der Privatversicherung in die Gesetzliche wechseln?
In Ihrem Alter nur dann, wenn Ihre Ehepartnerin gesetzlich versichert ist und Sie als monatliche Gesamteinkünfte nicht mehr als 405 Euro erhalten. Alternativ ist ein 450-Euro-Job ohne weitere Einkünfte möglich. Ist das bei Ihnen der Fall, können Sie bei Ihrer Ehepartnerin beitragsfrei gesetzlich familienversichert werden. Bei den Einkünften werden außer Gehalt, Honoraren und ähnlichen Erwerbseinkünften auch Renten sowie Miet- und Pachteinnahmen berücksichtigt.