Wenn man den beiden Expertinnen der Telefonaktion dieser Zeitung zum Thema Elterngeld zuhörte, wurde schnell klar: Die Materie ist komplex. Kein Wunder also, dass viele Leser die Möglichkeit nutzten, sich aus erster Hand zu informieren: Die Telefone standen nicht still.

Antworten auf alle Fragen gab es von Corinna Hoffmann, Fachanwältin für Familienrecht in Bamberg, und Freya Zechmair, Diplom-Pädagogin und Leiterin der Schwangerenberatung bei Profamilia Bamberg. Im Folgenden eine Zusammenfassung.

Ich habe den maximalen Zeitraum Basiselterngeld beantragt mit zwei Partnerschaftsmonaten. Kann ich auch Elterngeld Plus beantragen?
Nein. Sie haben zwölf Monate Anspruch auf Basiselterngeld und kommen auf 14 Monate, wenn der Partner zusätzlich zwei Monate Elternzeit nimmt. Damit ist der Anspruch ausgeschöpft und man kann nicht zusätzlich Elterngeld Plus beantragen.

Wann muss ich den Mutterschutz anmelden?
Informieren Sie den Arbeitgeber sieben Wochen vor der Geburt.

In welchem Zeitraum kann ich Elternzeit nehmen?
Hier gibt es seit 1. Juli eine neue Regelung: Man kann statt wie bisher ein Jahr jetzt zwei flexible Jahre zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes nehmen. Das muss man 13 Wochen vorher bekanntgeben. Es bedarf keiner Genehmigung des Arbeitgebers mehr, erkann nur aus dringenden betrieblichen Gründen widersprechen. Der Anspruch auf die flexible Elternzeit gilt im Gegensatz zu früher auch dann, wenn man den Arbeitgeber wechselt.

Wie wird beim Unterhalt das Kindergeld angerechnet?
Das Kindergeld selbst wurde ja zum 1. August um vier Euro erhöht und wird rückwirkend zum 1. Januar nachgezahlt. Im Rahmen des Kindesunterhalts wird jedoch noch der alte Kindergeldbetrag hälftig verrechnet. Erst ab Januar 2016 wird bei der Anrechnung des erhöhte Kindergeld berücksichtigt.

Wird das Mutterschaftsgeld auf das Elterngeld angerechnet?
Ja. Die ersten acht Wochen nach der Geburt des Kindes gilt ein generelles Beschäftigungsverbot für die Mutter, jedoch wird das in dieser Zeit erhaltene Mutterschaftsgeld in voller Höhe auf das Elterngeld angerechnet. Es gibt also nicht zusätzlich zum Mutterschaftsgeld noch Elterngeld. Die ersten zwei Monate nach der Geburt müssen von der Mutter aufgrund dieses Beschäftigungsverbotes als Basiselterngeldmonate beantragt werden.

Wann lohnt es sich, statt des Basiselterngeldes das Elterngeld Plus zu nehmen?
Das Elterngeld Plus lohnt sich vor allem für Eltern, die früher in den Beruf zurückkehren möchten. Mit Nutzung des Partnerschaftsbonus wird beiden Elternteilen eine anteilige Betreuung trotz Teilzeiterwerbstätigkeit ermöglicht. Die Höhe des Elterngeldes kann man sich auf der Internetseite des Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS), bei dem das Elterngeld beantragt werden muss, unter www.zbfs.bayern.de ausrechnen lassen.

Wie lange kann ich insgesamt mit meinem Kind Zuhause bleiben?
Das kommt darauf an, wie man das Basiselterngeld und das Elterngeld Plus und eventuell die Partnerschaftsbonusmonate miteinander kombiniert. Hier sind verschiedenste Variationen möglich. Ein Bezug von 28 Monaten insgesamt ist jedenfalls möglich.

Ich war vor der Geburt meines Kindes nicht berufstätig. Habe ich trotzdem Anspruch auf Elterngeld?
Das Basiselterngeld und das Elterngeld Plus gibt es auch für nicht erwerbstätige Elternteile. Das Basiselterngeld beträgt dann mindestens 300 Euro monatlich, das Elterngeld Plus mindestens 150 Euro monatlich. Gibt es noch ältere Geschwisterkinder, kann sich der Anspruch erhöhen.