Strahlender Sonnenschein bei knapp 20 Grad. Eigentlich könnte es ein schöner Frühsommertag sein in Meißen. Wenn, ja, wenn nur die Elbe nicht meterhoch die komplette Altstadt überflutet hätte. Rund 8,5 Meter betrug der Pegel der Elbe am Mittwoch, normal sind etwa zwei Meter. Immerhin: Im Gegensatz zu den Menschen in Passau waren die Meißener vorgewarnt und konnten sich entsprechend vorbereiten.

"In der Altstadt steht alles unter Wasser, die Geschäfte und Gaststätten sind voll gelaufen", erzählt Michael Schuster, Gymnasiallehrer aus Meißen. Immerhin: Die Häuser sind alle leer. "Es war genug Zeit, sich vorzubereiten, und die haben die Anwohner auch genutzt. Die haben nicht nur die Ware aus den Läden geräumt, sondern auch alle Möbel in Sicherheit gebracht.
Sogar komplette Küchen wurden aus den Gaststätten ausgebaut!", berichtet der 30-Jährige.

Zwei Tage lang werde das Wasser noch weiter ansteigen, wurde den Meißenern mitgeteilt, um weitere ein bis zwei Meter wird sich der Pegel der Elbe noch erhöhen. Nur: Dagegen tun können die Anwohner nichts. Fast alle Schulen in der Stadt sind geschlossen, lediglich in einem Internat, das auf einer Anhöhe liegt, wird noch unterrichtet. Von einer Seite der Elbe auf die andere zu gelangen, wird immer schwieriger. Viele Brücken sind gesperrt, ebenso wie fast alle Straßen in die Altstadt.

Teilweise evakuiert

Noch fahren die Züge, aber wie lange noch, ist fraglich. Auch die Bahnlinie verläuft entlang der Elbe. Viele Menschen können schon jetzt nicht mehr zur Arbeit gehen - wahlweise weil das Wetter das eigene Zuhause oder den Arbeitsplatz bedroht oder auch nur die Wege dazwischen nicht passierbar sind. "Einige meiner Kollegen mussten ihre Wohnungen verlassen. Die wohnen zwar teilweise im ersten Stock, können aber nicht mehr in ihre Wohnungen, weil das Wasser im Erdgeschoss steht", sagt Schuster.

Telefon und Internet sind tot, aber zumindest die Trinkwasserversorgung ist gewährleistet. Und dank der Vorlaufzeit, die die Menschen in Sachsen zwischen der Hochwasserwarnung und dem Steigen der Pegel hatten, dürften sich auch die Inventarschäden relativ in Grenzen halten, vermutet Schuster. Nur für die Hausbesitzer in der Altstadt ist das Hochwasser richtig bitter: Immerhin wurden alle Gebäude nach dem Jahrhunderthochwasser von 2002 erst frisch saniert.

Wie schlimm es wirklich wird in Meißen, wird sich erst noch im Laufe der Woche zeigen. Bis dahin wird sie weiter in der Stadt zu spüren sein, die angespannte Unruhe angesichts der Dinge, die noch kommen werden. Und gegen die die Menschen schlichtweg nichts tun können.