Elfmeter-Moment "bezeichnend": Weltmeister fordern Abgang von Nagelsmann

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WM-Pleite mit Nagelsmann: Ex-Weltmeister fordern Abgang - "leider bezeichnend"
Julian Nagelsmann steht nach dem K.-o-Rundenspiel gegen Paraguay vor einer ungewissen Zukunft.
WM-Pleite mit Nagelsmann: Ex-Weltmeister fordern Abgang - "leider bezeichnend"
Martin Meissner/AP/dpa

Die Kritik nach dem deutschen WM-Aus gegen Paraguay wird immer größer. Jetzt haben sich auch Mats Hummels und Philipp Lahm mit klaren Worten gemeldet.

Der ehemalige Weltmeister Mats Hummels hat sich nach dem Scheitern der deutschen Mannschaft bei der WM klar für einen Wechsel von Julian Nagelsmann als Bundestrainer der Fußball-Nationalmannschaft ausgesprochen. "Wenn man die gesamte Faktenlage betrachtet, dann würde ich sagen, es muss sich auf der Trainerposition etwas ändern", sagte der 37-Jährige als Experte bei MagentaTV.

Hummels betonte, dass er aufgrund seiner persönlichen Vergangenheit mit Nagelsmann "in eine emotionale Richtung gedrängt" sei. Der damalige Verteidiger von Borussia Dortmund war von Nagelsmann nicht für die Heim-Europameisterschaft 2024 nominiert worden. "Da ist nicht alles sehr fair und ehrlich mit mir gelaufen. Das müssen wir, glaube ich, irgendwann mal in einem privaten Gespräch ausräumen." Dies sei bislang nicht geschehen.

"Weil alle anderen nicht mehr wollen": Hummels sieht in dieser Szene ein Symbol für Teamprobleme

Hummels bewertete den Auftritt von Nagelsmann nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen als "zu schmallippig", zudem sei der Trainer "manchmal ein bisschen patzig" rübergekommen. "Das lässt sich nicht von der Hand weisen", meinte Hummels. "Ich glaube, das ist eine große Baustelle, die er auch in den nächsten Jahren für sein Trainer-Dasein verbessern muss - vor allem auf so einer großen Bühne, wenn du Nationaltrainer bist." Gleichzeitig gestand der Weltmeister von 2014 zu, dass man im Moment des WM-Aus eigentlich nichts richtig machen könnte. Kritik übte Hummels auch am Verhalten von deutschen Spielern, die sich nicht fürs Elfmeterschießen gemeldet hatten.

Dass Verteidiger Jonathan Tah als sechster Schütze den ersten Elfmeter seiner Profikarriere habe schießen müssen, "weil alle anderen nicht mehr wollen, ist leider bezeichnend", sagte Hummels. "Das fand ich tatsächlich ein bisschen schade." Auch Philipp Lahm sieht eine Weiterbeschäftigung von Julian Nagelsmann als Chefcoach der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem frühen WM-K.-o. kritisch. "Für das Ausscheiden trägt natürlich der Bundestrainer die Verantwortung", sagte der Weltmeister-Kapitän von 2014 in einem Gastbeitrag für den "Kicker".

"Schon bei der Heim-EM haben wir nicht wirklich geglänzt. Danach blieb eine Entwicklung aus", kritisierte der 42-Jährige. "Jetzt zu den Top 32 der Welt zu zählen, kann nicht unser Anspruch sein. Deswegen muss er hinterfragt werden." Vom Verband forderte der einstige Weltklassespieler eine zeitnahe Aufarbeitung des WM-Debakels. "Wir alle haben das Recht auf eine schnelle Analyse, auf Antworten. Und dann muss der DFB Entscheidungen treffen, in welche Richtung auch immer. Die Entwicklung spricht nicht fürs Trainerteam." Nach dem überraschenden Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ist Nagelsmann stark in die Kritik geraten.

"Keine Entwicklung der Mannschaft": Lahm fordert schnelle Entscheidung zu Nagelsmann

Auch von Lahm gab es keine Rückendeckung für den 38-Jährigen. "Man hat keine Entwicklung der Mannschaft im Turnier gesehen. Keine Fortschritte", monierte der frühere Bayern-Spieler. "Keine Idee, wie sie agieren, wie sie zu Torchancen kommen, wie sie den Gegner vom eigenen Tor fernhalten wollen. Ich habe nie eine Mannschaft gesehen, die miteinander agiert." Der deutschen Mannschaft fehle eine "natürliche Hierarchie", bemängelte Lahm.

"Ein Miteinander vermisse ich seit Jahren. Es wurde viel gewechselt, was nicht geholfen hat, auch den Spielern nicht." Zudem habe etwa Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger auf der falschen Position gespielt, "im Mittelfeld gehört er zur internationalen Klasse", meinte Lahm, um dessen ideale Position es bei der WM 2014 eine ähnliche Debatte gegeben hatte. Einen kompletten Strukturwandel in der Talentförderung hält Lahm trotz des dritten frühen WM-Ausscheidens in Serie nicht für nötig. "Unser System im Land wird immer gute Spieler hervorbringen", meinte er. "Viel wichtiger ist es, eine Nationalmannschaft zu entwickeln. Das ist möglich. Wir brauchen wieder mehr Klarheit, wie wir Fußball spielen wollen."

Exemplarisch nannte der gelernte Defensivspezialist die Arbeit gegen den Ball. Es brauche "wieder ein Bewusstsein fürs Verteidigen, als Mannschaft und in Eins-gegen-eins-Situationen. Jeder Zweikampf muss gesucht werden, als wäre er der letzte", forderte Lahm. Dann sei auch bald wieder mehr möglich für die Nationalmannschaft. Lothar Matthäus hingegen hat seine ganz eigene Theorie für das Scheitern der deutschen Elf - es geht um die Familien der Spieler.

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