Geldanlage: Diese 5 Anlagefehler können Privatanleger teuer zu stehen kommen

Viele Privatanleger machen bei der Geldanlage typische Fehler. Eine Auswertung von Stiftung Warentest zeigt, worauf Anleger bei ihrem Depot achten sollten.

Wer Geld an der Börse investiert, muss nicht nur die passenden Wertpapiere auswählen. Auch das eigene Verhalten kann die Rendite erheblich beeinflussen. Das zeigt eine gemeinsame Auswertung von Stiftung Warentest und Professor Steffen Meyer. Dafür wurden rund 115.000 Depots untersucht.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Nicht einmal 1.000 der untersuchten Depots waren frei von den fünf analysierten Anlagefehlern. Fast jeder Privatanleger machte demnach mindestens einen der typischen Fehler.

Die fünf häufigsten Anlagefehler im Überblick

Diese Fehler sollten Privatanleger bei der Geldanlage vermeiden:

  1. Zu geringe Streuung: Das Depot ist zu stark auf einzelne Aktien, Branchen oder Länder konzentriert.
  2. Zu häufiges Handeln: Gebühren und emotionale Entscheidungen können die Rendite schmälern.
  3. Spekulative Produkte: Risiken von Hebelprodukten oder Zertifikaten werden unterschätzt.
  4. Market-Timing: Anleger versuchen, den perfekten Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu erwischen.
  5. Dispositionseffekt: Verlustbringer werden zu lange gehalten, während Gewinner zu früh verkauft werden.

Zu wenig Streuung: Das Risiko eines Klumpens im Depot

Wer einen großen Teil seines Vermögens in wenige Aktien, Branchen oder Länder investiert, geht ein erhöhtes Risiko ein. Entwickelt sich eine wichtige Position schlecht, kann das gesamte Depot deutlich darunter leiden.

Auch viele verschiedene Wertpapiere bedeuten nicht automatisch eine gute Risikostreuung. Wer beispielsweise in zehn deutsche Bankaktien investiert, verteilt sein Geld zwar auf mehrere Unternehmen, bleibt aber stark von einer Branche und einem einzelnen Markt abhängig.

Eine Möglichkeit zur breiteren Streuung können weltweit investierende Aktien-ETFs sein. Einzelaktien sollten dagegen nur einen begrenzten Anteil des Depots ausmachen. Anleger können sich dafür eine maximale Gewichtung einzelner Positionen setzen und das Depot bei größeren Abweichungen wieder entsprechend anpassen.

Zu häufiges Kaufen und Verkaufen kostet Rendite

Jeder Kauf und Verkauf kann zusätzliche Kosten verursachen. Dazu gehören etwa Ordergebühren, Börsenentgelte oder die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Wer sein Depot häufig umschichtet, muss diese Kosten zunächst durch eine bessere Wertentwicklung wieder hereinholen.

Hinzu kommt ein psychologisches Problem: Nach kräftigen Kursgewinnen entsteht schnell die Angst, eine Gelegenheit zu verpassen. Fallen die Kurse dagegen, reagieren Anleger möglicherweise mit einem überstürzten Verkauf.

So besteht die Gefahr, teuer zu kaufen und günstig zu verkaufen.

Eine Möglichkeit, unnötige Transaktionen zu vermeiden, sind feste Termine zur Überprüfung des Depots – etwa einmal im Quartal oder Halbjahr. Zwischen diesen Terminen müssen Anleger nicht auf jede Kursbewegung reagieren. Auch automatische Sparpläne können dabei helfen, regelmäßig zu investieren.

Spekulative Anlagen: Verlustrisiko nicht unterschätzen

Spekulative Finanzprodukte sind nicht grundsätzlich ungeeignet. Allerdings können ihre Risiken erheblich sein. Bei Turbo- oder Knock-out-Zertifikaten kann beispielsweise das Erreichen einer bestimmten Kursschwelle zu einem vollständigen Verlust führen.

Besonders problematisch wird es, wenn eine einzelne spekulative Anlage einen großen Teil des gesamten Vermögens ausmacht. Meme-Aktien, Hebelprodukte oder wenig verstandene Kryptowährungen können dann den langfristigen Vermögensaufbau gefährden.

Vor einer Investition sollte deshalb klar sein, wie das Produkt funktioniert, welche Kosten entstehen und wie hoch der mögliche Verlust sein kann. Geld, das für laufende Ausgaben oder als Notfallreserve benötigt wird, sollte nicht in Anlagen investiert werden, bei denen kurzfristig ein Totalverlust möglich ist.

Market-Timing: Den perfekten Zeitpunkt zu finden, ist schwierig

Viele Anleger versuchen, den optimalen Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg an der Börse zu erwischen. Beim sogenannten Market-Timing soll beispielsweise noch vor einem Kurssturz verkauft und anschließend zu einem günstigeren Kurs wieder eingestiegen werden.

Das Problem: Dafür müssen gleich zwei Entscheidungen richtig sein – sowohl der Ausstieg als auch der Wiedereinstieg.

Im Nachhinein lassen sich Börsenphasen leicht als günstig oder ungünstig erkennen. Während des Geschehens ist dagegen kaum sicher vorherzusagen, ob ein Kursrückgang gerade erst beginnt, schon wieder vorbei ist oder lediglich eine kurze Unterbrechung darstellt.

Wer aus Unsicherheit mit seinem Geld an der Seitenlinie bleibt, kann deshalb eine anschließende Erholung verpassen.

Bei breit gestreuten Aktienanlagen verweist die Verbraucherzentrale auf die Vorteile einer langfristigen Strategie. Regelmäßige Käufe können zudem dafür sorgen, dass Anleger nicht auf einen einzigen Einstiegszeitpunkt angewiesen sind.

Dispositionseffekt: Warum Anleger Verlierer zu lange behalten

Ein weiterer typischer Fehler ist der sogenannte Dispositionseffekt. Anleger halten dabei Aktien, die sich schlecht entwickelt haben, häufig zu lange fest – in der Hoffnung, irgendwann wieder den ursprünglichen Kaufpreis zu erreichen.

Gleichzeitig werden Aktien, die bereits Gewinne erzielt haben, häufig zu früh verkauft.

Dadurch können aussichtsreiche Anlagen zu schnell aus dem Depot verschwinden, während schwache Investments weiterhin Kapital binden.

Ein Kursverlust allein muss allerdings nicht automatisch ein Verkaufsgrund sein. Entscheidend ist vielmehr, ob die ursprüngliche Investmentidee weiterhin Bestand hat und wie sich Geschäftsmodell und Bewertung des Unternehmens entwickelt haben.

Hilfreich kann es sein, bereits beim Kauf festzulegen, unter welchen Bedingungen eine Aktie später verkauft werden soll.

Auch Steuern können die Rendite beeinflussen

Neben den fünf untersuchten Anlagefehlern gibt es einen weiteren Punkt, den Privatanleger im Blick behalten sollten: die steuerliche Optimierung ihres Depots.

Wer bei seiner Bank keinen oder einen falsch aufgeteilten Freistellungsauftrag eingerichtet hat, nutzt seinen Sparerpauschbetrag möglicherweise nicht vollständig aus. Dieser liegt aktuell bei 1.000 Euro für Einzelpersonen und 2.000 Euro für Ehepaare.

Ohne gültigen Freistellungsauftrag kann die Bank auf Kapitalerträge automatisch Abgeltungsteuer einbehalten. Auch Verluste aus Wertpapiergeschäften können unter bestimmten Voraussetzungen mit Gewinnen verrechnet werden und dadurch die Steuerlast reduzieren.

Vorschaubild: © Boris Roessler/dpa