KI kann Finanzentscheidungen massiv beeinflussen – auch in die falsche Richtung

Eine KI kann bei Geldanlagen helfen – oder Anleger gezielt zum schlechteren Fonds führen. Ein Experiment mit 3700 Menschen zeigt, wie groß ihr Einfluss sein kann.

  • Zwei Fonds, ein Index – und ein entscheidender Unterschied
  • Eine gute KI verbessert die Entscheidung deutlich
  • Selbst ein offengelegtes Interesse änderte wenig
  • KI überzeugte stärker als menschliche Berater
  • Besonders stark wirkt die KI bei Unsicherheit
  • Für Finanz-KI kommt es auf das Ziel an

Künstliche Intelligenz kann bei Finanzentscheidungen helfen – aber auch in die Irre führen. Ein Experiment mit 3700 Menschen zeigt, wie stark eine KI die Wahl zwischen zwei nahezu identischen Fonds beeinflussen kann. Entscheidend ist dabei vor allem, welches Ziel ihr vorgegeben wird.

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Zwei Fonds, ein Index – und ein entscheidender Unterschied

Für die Teilnehmenden ging es zunächst um einen fiktiven Fondssparplan. Sie legten eine Sparrate fest und mussten anschließend zwischen zwei Anbietern wählen. Beide Fonds bildeten denselben künstlichen Aktienindex ab. Unterschiede bei der Wertentwicklung gab es damit nicht.

Der entscheidende Unterschied lag bei den Kosten. Während der eine Anbieter eine niedrigere Ordergebühr verlangte, war beim anderen die Managementgebühr geringer. Abhängig von der gewählten Sparrate war deshalb jeweils einer der beiden Anbieter insgesamt günstiger. Wer ihn auswählte, hätte unabhängig von der Entwicklung des zugrunde liegenden Index am Ende mehr Geld übrig.

Ohne Unterstützung entschieden sich allerdings nicht alle für die wirtschaftlich bessere Variante. Mehr als jeder dritte Teilnehmer wählte den für seine jeweilige Sparrate ungünstigeren Anbieter. Genau an diesem Punkt setzte das Experiment der Ökonomen Joshua Greubel, Henrik Guhling und Fabian Herweg von der Universität Bayreuth an.

Eine gute KI verbessert die Entscheidung deutlich

Ein Teil der Teilnehmer konnte sich von einem KI-Chatbot beraten lassen. Das System basierte auf GPT-5 mini. Die Forscher konnten dabei vorgeben, welchen der beiden Anbieter die KI empfehlen sollte. Damit ließ sich nicht nur der Nutzen einer Beratung untersuchen, sondern auch der Einfluss einer bewusst falschen Empfehlung.

Empfahl der Chatbot den tatsächlich günstigeren Anbieter, entschieden sich rund 87 Prozent der Teilnehmer für diesen Fonds. Ohne Beratung lag der Anteil deutlich niedriger. Die KI konnte damit insbesondere Menschen unterstützen, die Schwierigkeiten hatten, die unterschiedlichen Gebühren selbst gegeneinander abzuwägen.

Das Ergebnis hatte allerdings eine Kehrseite. Wurde die KI angewiesen, den schlechteren Anbieter zu empfehlen, folgte ihr ein großer Teil der Teilnehmer ebenfalls. Nur noch rund 34 Prozent entschieden sich in diesem Fall für den besseren Fonds. Die KI erwies sich damit als wirksames Werkzeug, unabhängig davon, ob ihre Empfehlung den Interessen der Anleger entsprach.

Selbst ein offengelegtes Interesse änderte wenig

Die Forscher wollten außerdem wissen, ob Menschen einer KI weniger vertrauen, wenn sie von einem möglichen Interessenkonflikt wissen. Dafür wurde der Chatbot in einem weiteren Versuch als Bank-KI dargestellt. Die Teilnehmer wussten, dass die Bank finanziell von ihrer Entscheidung profitieren konnte.

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Diese Information führte jedoch nicht dazu, dass der Einfluss der KI messbar geringer wurde. Auch wenn der mögliche eigene Vorteil der Bank offengelegt war, blieben die Empfehlungen des Systems wirksam. Eine bloße Transparenz über die wirtschaftlichen Interessen hinter einer KI scheint damit in diesem Experiment nicht auszureichen, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Bayreuth.

Die Ergebnisse beziehen sich allerdings auf eine kontrollierte Untersuchung mit fiktiven Anlageprodukten. Es handelt sich nicht um eine reale Anlageberatung mit tatsächlichen Fonds. Auch wurde lediglich ein KI-Modell untersucht. Die Aussagekraft der Studie liegt deshalb vor allem darin, zu zeigen, wie stark eine KI-Empfehlung unter kontrollierten Bedingungen Entscheidungen verändern kann. 

KI überzeugte stärker als menschliche Berater

Neben der künstlichen Intelligenz wurden die Teilnehmer auch von menschlichen Beratern unterstützt. Dabei zeigte sich, dass die KI die Entscheidungen stärker beeinflussen konnte als die menschlichen Laienberater. Bei einer Empfehlung für den besseren Anbieter lag die Quote richtiger Entscheidungen unter KI-Beratung 9,9 Prozentpunkte höher.

Auch bei einer Empfehlung für den schlechteren Fonds war der Unterschied deutlich. Die Zahl der richtigen Entscheidungen lag bei der KI-Beratung 13,6 Prozentpunkte niedriger als bei den menschlichen Beratern. Das bedeutet: Eine KI konnte sowohl gute als auch schlechte Empfehlungen besonders wirkungsvoll durchsetzen.

Die Forscher untersuchten deshalb auch, warum die Teilnehmer den Empfehlungen folgten. Die Zahl der Nachrichten allein erklärte den Unterschied offenbar nicht. Die KI antwortete jedoch ausführlicher und einheitlicher. In einer zusätzlichen, explorativen Auswertung wurden ihre Antworten zudem als überzeugender bewertet. Je überzeugender eine Beratung wahrgenommen wurde, desto häufiger folgten die Teilnehmer ihrer Empfehlung.

Besonders stark wirkt die KI bei Unsicherheit

Interessant war der Einfluss der KI auf unterschiedliche Teilnehmergruppen. Wer bereits über eine höhere Finanzbildung und mehr Erfahrung mit Finanzthemen verfügte, traf auch ohne Beratung vergleichsweise häufig die richtige Entscheidung. In dieser Gruppe wählten 87,7 Prozent ohne Hilfe den günstigeren Anbieter.

Doch selbst diese Teilnehmer waren nicht vollständig gegen eine schlechte KI-Empfehlung geschützt. Wenn der Chatbot den wirtschaftlich schlechteren Fonds empfahl, sank der Anteil der richtigen Entscheidungen auf weniger als die Hälfte. Eine vorhandene Finanzkenntnis konnte den Einfluss der KI also nicht vollständig auffangen.

Besonders deutlich war der Nutzen einer korrekten Beratung bei Teilnehmern, die ohne Unterstützung Schwierigkeiten mit der Entscheidung hatten. In dieser Gruppe wählten zunächst lediglich 28,1 Prozent den besseren Anbieter. Empfahl die KI die richtige Option, stieg dieser Anteil auf 85,6 Prozent. Gerade für weniger erfahrene Anleger kann eine gute KI-Beratung damit einen erheblichen Unterschied machen.

Für Finanz-KI kommt es auf das Ziel an

Die Untersuchung zeigt damit zwei Seiten derselben Technologie. Eine KI kann Menschen bei komplizierten Entscheidungen helfen und die Zahl guter Entscheidungen deutlich erhöhen. Sie kann aber ebenso dazu beitragen, dass Nutzer eine wirtschaftlich schlechtere Option wählen, wenn das System entsprechend gesteuert wird.

Für die Forscher ist deshalb entscheidend, welche Vorgaben hinter einer KI stehen und wessen Interessen sie verfolgt. Eine Kennzeichnung allein, dass eine Beratung von einer KI stammt oder im Auftrag einer Bank erfolgt, hat im Experiment den Einfluss des Systems nicht wesentlich begrenzt.

Die Studie macht zugleich deutlich, dass ihre Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf den gesamten Finanzmarkt übertragen werden können. Getestet wurde eine konkrete Entscheidungssituation mit zwei fiktiven Fonds und einem KI-Modell. Für reale Anlageberatung wären weitere Untersuchungen nötig. 

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