Am Teufelsrad unter den Rock gefilmt: Fördern soziale Medien Verbreitung der Videos?

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Am Teufelsrad gibt es Ärger wegen des Upskirtings, weil manche Gäste filmen und Video von Frauen mit hochfliegenden Röcken ins Internet stellen.
Teufelsrad
Leonie Asendorpf/dpa
Teufelsrad-Betreiberin Elisabeth „Lisi“ Polaczy verschenkt an ihre Besucherinnen Radlerhosen.
191. Münchner Oktoberfest
Felix Hörhager/dpa

Wer auf sozialen Medien nach "Teufelsrad" sucht, bekommt ziemlich explizite Suchbegriffe zum Fahrgeschäft auf dem Oktoberfest vorgeschlagen. Vor allem eine Plattform sticht hervor.

Unzählige Wiesn-Videos von Frauen, denen im "Teufelsrad" unters Dirndl gefilmt wurde, kursieren im Netz. Die Betreiber kämpfen dagegen mit Radlerhosen und Warnschildern. Soziale Medien scheint das Thema des sogenannten Upskirtings wenig zu interessieren.

Upskirting auf der Wiesn - ein internationales Geschäft? Medienberichten zufolge werden Tausende voyeuristische Videos von dem Traditionsfahrgeschäft Teufelsrad produziert, im Internet verbreitet und verkauft. Auf der drehenden Scheibe fliegen fast unvermeidlich Dirndl-Röcke hoch - wer dann allerdings gezielt unter den Rock filmt, macht sich strafbar.

YouTube weiß, was bei Teufelsrad-Videos gesucht wird

Die Videos zeigen den Berichten zufolge Frauen auf dem Teufelsrad, bei denen immer wieder Unterwäsche zu sehen ist. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte kurz vor dem Wiesn-Start berichtet, dass mindestens 32.000 solcher Clips im Internet kursierten.

Wer auf der Videoplattform YouTube "Teufelsrad" in die Suchzeile eingibt, bekommt als weiteren Suchvorschlag oft gleich an zweiter Stelle "Unterhose" angezeigt. An dritter Stelle wird es noch expliziter, wenn YouTube vorschlägt: "teufelsrad oktoberfest damen tanga". Der YouTube-Algorithmus weiß offenbar, was gesucht wird - und bietet es an. 

Nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks sollen hinter vielen voyeuristischen Teufelsrad-Videos Akteure aus Bayern wie auch aus dem Ausland stecken. Sie verkaufen demnach die Videos teuer oder verwenden sie gezielt, um die Reichweiten von Social-Media-Accounts zu vergrößern.

Vorschaubilder zeigen verrutschte Dirndl-Röcke junger Frauen

Die erfolgreichsten, mittlerweile gelöschten Teufelsrad-Videos dieser Accounts hätten zusammen mehrere hundert Millionen Aufrufe, berichtet der BR. Eine Bestätigung der Ermittler gab es hierfür bisher nicht. Aber auch so ist noch problemlos möglich, entsprechende Videos auf sozialen Medien zu finden. Teils schon in den Vorschaubildern der Clips sind die verrutschten Rocke zumeist junger Frauen zu sehen.

Die Betreiber kämpfen mit diversen Mitteln gegen diese Praktiken. Schilder warnen auf Deutsch und Englisch: Upskirting sei eine Straftat und werde zur Anzeige gebracht. An Besucherinnen werden kostenlos Radlerhosen verschenkt. Hunderte der Hosen sind es geschätzt seit dem vergangenen Jahr gewesen. 

Es kämen ständig neue Lieferungen. Manche wollten die Hosen zurückgeben, aber man habe keine Möglichkeit, sie zu waschen, sagt der Ehemann einer Betreiberin, Jan Polaczy. "Ich verurteile das, das ist Schweinerei", sagt er über das Upskirting. Aber: "Ich kann ja nicht jedem das Handy abnehmen." 

"Ladies" und "Pretty Girls" auf dem Teufelsrad

An die 400 Menschen passen in die Arena des Teufelsrades - es herrscht ständiger Wechsel. Man könne auch nicht Aufnahmen auf privaten Handys kontrollieren. Und: "Ich kann dem Großvater nicht erklären, dass er seine Enkelin nicht fotografiert."

Auf zahlreichen, einfach auffindbaren Videos - etwa auf YouTube, Instagram und TikTok - ist allerdings klar zu erkennen, wie aus der ersten Reihe heraus und nahezu auf Bodenhöhe gefilmt wird. Die anderen Videos verschlagworteten Suchbegriffe lauten etwa "Ladies" oder "Pretty Girls".

Zweimal habe man bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, die Verfahren seien aber eingestellt worden. "Wir wollen nur eine friedliche Wiesn. Das ist unser Geschäft." Das mache man gerne - aber diese neue Entwicklung mache keine Freude.

Teufelsrad sorgte schon vor Wiesn-Start für Diskussionen

Vor dem Wiesnstart war das Traditionsgeschäft wegen seiner angeblich zu freizügigen Frauenfiguren über dem Eingang ins Visier geraten - obwohl es weitere Schausteller-Geschäfte gibt, die ähnliche Darstellungen zeigen.

Die "Teufelsrad"-Betreiber hatten nach Hinweisen der städtischen Gleichstellungsstelle die Damen neu gestaltet. Eine Figur, die vorher mit Bikini und Blütenkranz bekleidet war, trägt nun Kleid und Schuhe.