Tankrabatt ab 1. Oktober: Was Autofahrer zu Benzin- und Dieselpreisen wissen sollten

Ab 1. Oktober sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Doch kommt der Tankrabatt sofort an der Zapfsäule an? Was Autofahrer zur möglichen Verzögerung wissen sollten.

 Am Donnerstag, 1. Oktober, tritt der neue Tankrabatt in Kraft. Benzin und Diesel sollen dadurch günstiger werden. Ob Autofahrer die Entlastung sofort und vollständig an der Tankstelle merken, hängt jedoch auch von Lagerbeständen und den Preisentscheidungen der Mineralölkonzerne ab.

Nach den zuletzt stark gestiegenen Spritpreisen soll der Tankrabatt Autofahrer ab Oktober entlasten. Doch wie schnell wird die Steuersenkung an den Zapfsäulen sichtbar? Beim vergangenen Tankrabatt kamen die niedrigeren Preise teilweise verzögert und nicht vollständig bei den Kunden an. Dieses Mal könnte es schneller gehen – sicher ist das aber nicht.

Tankrabatt ab 1. Oktober: So stark soll die Energiesteuer sinken

Von 1. Oktober bis 31. Dezember soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 14 Cent je Liter sinken. Rechnet man die Mehrwertsteuer ein, ergibt sich laut Bundesregierung an der Zapfsäule eine rechnerische Entlastung von 17 Cent pro Liter.

Warum werden Benzin und Diesel nicht automatisch sofort billiger?

Der Grund liegt im Zeitpunkt der Besteuerung: Die Energiesteuer wird fällig, bevor der Kraftstoff an der Tankstelle verkauft wird. Herbert W. Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes, erklärt: „zu dem Zeitpunkt besteuert, wenn der Tanklastzug von der Raffinerie auf die Straße fährt.“ Die Mehrwertsteuer wird dagegen erst beim Verkauf an den Kunden erhoben.

Das bedeutet: Kraftstoff, der bereits an eine Tankstelle geliefert und höher besteuert wurde, wird durch den neuen Rabatt nicht rückwirkend günstiger. „Theoretisch könnten also die Mineralölkonzerne am Donnerstag sagen, dass sie Sprit verkaufen, der noch unter der Tankstelle im Lager war und damit höher besteuert“, sagt Rabl.

Hinzu kommt, dass das Bundeskartellamt die Mineralölkonzerne nicht dazu verpflichten kann, die Entlastung vollständig an die Autofahrer weiterzugeben. Die Konzerne bestimmen die Preise an den meisten Tankstellen.

Beim letzten Tankrabatt sei die Entlastung nicht sofort und nicht in voller Höhe bei den Verbrauchern angekommen, sagt auch Bastian Hambalgo, Sprecher des ADAC Südbayern: „Die Umsetzung des letzten Tankrabatts hat leider gezeigt, dass dieser leicht verzögert und nicht in voller Höhe an die Endverbraucherinnen und Endverbraucher weitergegeben wurde.“

Warum der Hinweis auf teurer eingekaufte Vorräte umstritten ist

Beim letzten Tankrabatt verwiesen Tankstellenbetreiber häufig darauf, dass ihre Vorräte noch zu höheren Preisen eingekauft worden seien. Der ADAC hält dieses Argument nur teilweise für überzeugend. „Dieses Argument gilt aus unserer Sicht nur bedingt, da andersherum Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber Preissteigerungen (etwa durch einen höheren Ölpreis) auch direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben“, sagt ADAC-Sprecher Hambalgo.

Herbert W. Rabl vom Tankstellen-Interessenverband spricht bei den Spritpreisen von „Abzocke“. Der einzelne Tankstellenpächter sei für die Rekordpreise nicht verantwortlich, betont er: Die Preistafeln würden direkt von den Mineralölkonzernen gesteuert.

Wird der Tankrabatt diesmal schneller weitergegeben?

Der ADAC Südbayern rechnet damit, dass sich die niedrigere Energiesteuer schnell an den Tankstellen bemerkbar macht. Wie stark die Preise tatsächlich sinken, hänge jedoch ebenfalls von den Mineralölkonzernen ab, sagt Hambalgo.

Auch Rabl erwartet, dass die Preise rasch nachgeben: „Allein schon aus symbolhaften Gründen und weil der öffentliche und politische Druck auf die Mineralölkonzerne so groß ist, gehe ich davon aus, dass die Preise schnell sinken.“ Zugleich verweist er auf eine Unsicherheit: Was in den Führungsetagen der Ölkonzerne entschieden werde, lasse sich nicht vorhersehen. Wenn sich ein Marktführer gegen eine schnelle Weitergabe entscheide, könne das auch Auswirkungen auf andere Anbieter haben.

Tankstellen-Interessenverband sieht den Tankrabatt als Übergangslösung

Der Tankstellen-Interessenverband bewertet den Tankrabatt grundsätzlich positiv. „Der erste Tankrabatt war noch Prinzip Hoffnung, jetzt steckt eine Strategie dahinter“, sagt Sprecher Rabl. Die Entlastung verschaffe Zeit, um einen Spritpreisdeckel rechtlich sinnvoll auszuarbeiten.

Dass die Ausarbeitung so lange dauere, könne er allerdings nicht nachvollziehen: „Warum das alles so lange dauert, versteht aber kein Mensch. Wenn der politische Wille da wäre, müsse das auch auf einen Monat gehen.“

Tankrabatt oder Spritpreisdeckel: Wo liegt der Unterschied?

Beim Tankrabatt senkt der Staat die Energiesteuer pro Liter. Dadurch kann der Spritpreis sinken – ob die Entlastung vollständig und sofort an der Zapfsäule ankommt, ist jedoch nicht garantiert.

Ein Spritpreisdeckel funktioniert anders: Der Staat setzt einen Höchstpreis fest, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Wie mögliche Mehrkosten für die Anbieter ausgeglichen werden, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab.

Ein Beispiel: Kostet ein Liter Kraftstoff 2,47 Euro, könnte ein Tankrabatt von 17 Cent den Preis rechnerisch auf 2,30 Euro senken. Das setzt voraus, dass die Entlastung vollständig weitergegeben wird. Ein Preisdeckel von 2,30 Euro würde den zulässigen Verkaufspreis dagegen direkt begrenzen. (cheb)

Vorschaubild: © Lennart Preiss/dpa