Warum der Hinweis auf teurer eingekaufte Vorräte umstritten ist
Beim letzten Tankrabatt verwiesen Tankstellenbetreiber häufig darauf, dass ihre Vorräte noch zu höheren Preisen eingekauft worden seien. Der ADAC hält dieses Argument nur teilweise für überzeugend. „Dieses Argument gilt aus unserer Sicht nur bedingt, da andersherum Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber Preissteigerungen (etwa durch einen höheren Ölpreis) auch direkt an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben“, sagt ADAC-Sprecher Hambalgo.
Herbert W. Rabl vom Tankstellen-Interessenverband spricht bei den Spritpreisen von „Abzocke“. Der einzelne Tankstellenpächter sei für die Rekordpreise nicht verantwortlich, betont er: Die Preistafeln würden direkt von den Mineralölkonzernen gesteuert.
Wird der Tankrabatt diesmal schneller weitergegeben?
Der ADAC Südbayern rechnet damit, dass sich die niedrigere Energiesteuer schnell an den Tankstellen bemerkbar macht. Wie stark die Preise tatsächlich sinken, hänge jedoch ebenfalls von den Mineralölkonzernen ab, sagt Hambalgo.
Auch Rabl erwartet, dass die Preise rasch nachgeben: „Allein schon aus symbolhaften Gründen und weil der öffentliche und politische Druck auf die Mineralölkonzerne so groß ist, gehe ich davon aus, dass die Preise schnell sinken.“ Zugleich verweist er auf eine Unsicherheit: Was in den Führungsetagen der Ölkonzerne entschieden werde, lasse sich nicht vorhersehen. Wenn sich ein Marktführer gegen eine schnelle Weitergabe entscheide, könne das auch Auswirkungen auf andere Anbieter haben.
Tankstellen-Interessenverband sieht den Tankrabatt als Übergangslösung
Der Tankstellen-Interessenverband bewertet den Tankrabatt grundsätzlich positiv. „Der erste Tankrabatt war noch Prinzip Hoffnung, jetzt steckt eine Strategie dahinter“, sagt Sprecher Rabl. Die Entlastung verschaffe Zeit, um einen Spritpreisdeckel rechtlich sinnvoll auszuarbeiten.
Dass die Ausarbeitung so lange dauere, könne er allerdings nicht nachvollziehen: „Warum das alles so lange dauert, versteht aber kein Mensch. Wenn der politische Wille da wäre, müsse das auch auf einen Monat gehen.“
Tankrabatt oder Spritpreisdeckel: Wo liegt der Unterschied?
Beim Tankrabatt senkt der Staat die Energiesteuer pro Liter. Dadurch kann der Spritpreis sinken – ob die Entlastung vollständig und sofort an der Zapfsäule ankommt, ist jedoch nicht garantiert.
Ein Spritpreisdeckel funktioniert anders: Der Staat setzt einen Höchstpreis fest, den Tankstellen nicht überschreiten dürfen. Wie mögliche Mehrkosten für die Anbieter ausgeglichen werden, hängt von der konkreten Ausgestaltung ab.
Ein Beispiel: Kostet ein Liter Kraftstoff 2,47 Euro, könnte ein Tankrabatt von 17 Cent den Preis rechnerisch auf 2,30 Euro senken. Das setzt voraus, dass die Entlastung vollständig weitergegeben wird. Ein Preisdeckel von 2,30 Euro würde den zulässigen Verkaufspreis dagegen direkt begrenzen. (cheb)
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