Mitwitz
Ermittlungen

Mord in fränkischem Supermarkt: Neue Hinweise

Der 61-jährige Mitwitzer wurde vor 13 Jahren ausgeraubt und brutal getötet. Nun hat sich die Polizei über "Aktenzeichen XY ungelöst" erneut an die Bevölkerung gewandt. Sie hofft auf die eine Spur, die zum Täter führt.
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Im oberfränkischen Mitwitz wurde 2006 der 61-jährige Norbert Ottinger in seinem Supermarkt ermordet. Jetzt, 13 Jahre später, wird der Fall komplett neu aufgerollt. "Aktenzeichen XY ungelöst" berichtet unter anderem darüber. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa
Im oberfränkischen Mitwitz wurde 2006 der 61-jährige Norbert Ottinger in seinem Supermarkt ermordet. Jetzt, 13 Jahre später, wird der Fall komplett neu aufgerollt. "Aktenzeichen XY ungelöst" berichtet unter anderem darüber. Symbolfoto: Matthias Balk/dpa
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  • 13 Jahre nach Mord in Mitwitz: Ermittlungen wieder aufgenommen
  • Fall bei "Aktenzeichen XY ungelöst"

Update, 11.10.2019: Neue Hinweise im Mitwitzer Mordfall

Norbert Ottinger wird am 13. November 2006 aus dem Leben gerissen. Überfallen, ausgeraubt und ermordet - der 61 Jahre alte Mitwitzer stirbt an jenem Montag in seinem Supermarkt. Knapp 13 Jahre später sind der oder die Täter noch immer auf freiem Fuß.

Doch wer für den Tot des Vaters von zwei Söhnen verantwortlich ist, sollte sich nicht zu sicher sein. Die Ermittlungskommission "Kreisel - Cold Case" hat den Fall noch nicht zu den Akten gelegt und die Bevölkerung am Mittwoch bei der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" erneut um Mithilfe gebeten - offenbar mit Erfolg: "Im Verlauf des Abends und auch in der Nacht sind sowohl über das Studio als auch über das Hinweistelefon der Kripo Coburg mehrere Hinweise eingegangen", berichtet die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken, Anne Höfer, auf Anfrage des Fränkischen Tags. "Jetzt müssen wir abwarten, ob sie sachdienlich sind." Die Ermittler seien jedoch optimistisch, dass sich neue Spuren ergeben könnten.

So hat Alfred Hettmer vom Landeskriminalamt Bayern bereits während der Sendung berichtet, dass sich ein langjähriger Stammkunde des Supermarktes mit einer "interessanten Geschichte" gemeldet hat. Dieser wolle man nun nachgehen. "Es sind mehrere Hinweise eingegangen, die der Kripo in dieser Form noch nicht bekannt waren", bestätigte Hettmer.

Die Ereignisse am Tattag wurden während der Sendung so detailliert und realistisch wie möglich von Schauspielern nachgestellt (siehe Fotostrecke). "Es ist eine unglaubliche Eskalation von Gewalt, die wir hier erlebt haben", fasst Moderator Rudi Cerne den Tathergang anschließend zusammen. "Das Opfer ist regelrecht niedergemetzelt worden."

Mehrere Messer waren abgebrochen, der Mörder hat sich offenbar immer wieder ein neues geholt, um auf den wehrlosen Mann einzustechen. Susanne Mechtold von der Kripo Coburg erklärt im TV-Studio, dass dies nicht unbedingt ein Indiz für die Brutalität des Mörders sein muss: "Wurde der Täter oft als wahre Bestie dargestellt, glauben wir, dass er Herrn Ottinger nicht töten, sondern nur außer Gefecht setzen wollte." Weil ihm das jedoch nicht gelungen ist, sei er bei jeder neuen Attacke brutaler geworden. "Die Situation ist völlig aus dem Ruder gelaufen."

Tat war nicht geplant

Darum haben die Ermittler den Fokus inzwischen auf Männer gelegt, die zum Tatzeitpunkt zwischen 16 und 18 Jahren alt waren. "Die Tat war offenbar nicht gut geplant", bewertet die Kriminalhauptkommissarin die Vorgehensweise des Mörders. "So scheint der Täter weder Fesselungswerkzeug noch eine Tatwaffe dabei gehabt zu haben." Weiter habe er die Situation mehrmals falsch eingeschätzt. "All das könnte auf einen jungen oder sehr jungen Täter hindeuten." Die Ergebnisse eines DNA-Tests von rund 80 Männern stehen derzeit noch aus.

"Wir wollen auch, dass sich bei uns Leute melden, die jemanden im Verdacht haben, ihm eine so grausame Tat aber nicht zutrauen", appelliert Mechtold an die Bevölkerung. "Der Täter kann durchaus der höfliche Mann von nebenan sein." Darum könne es durchaus sein, dass der Mörder psychisch gelitten und sich in den Monaten nach der Tat verändert, aus der Öffentlichkeit zurückgezogen oder jemandem gegenüber Andeutungen gemacht hat.

Die Ermittler interessiert außerdem, wer am Tattag im Umfeld des Supermarktes etwas wahrgenommen hat. So haben zwei Frauen dort ungefähr zum Tatzeitpunkt ein Fahrzeug gesehen. Ob es in Zusammenhang mit dem Mord steht, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Weiter sind der auffällig rote Softballschläger und die gestohlenen Kasseneinsätze bis heute nicht aufgetaucht. Auffällig ist, dass auf Letzteren handschriftlich der Name der jeweiligen Kassiererin steht. "Strafvereitelungstaten, wie zum Beispiel die Beseitigung des Softballschlägers, sind inzwischen verjährt", merkt Mechtold an. "Eine Strafverfolgung hätte derjenige jetzt nicht mehr zu befürchten."

Mitwitz: Familie leidet bis heute

Die Ereignisse vor fast 13 Jahren verfolgen die Familie von Norbert Ottinger bis heute. Seine Witwe Elsbeth hat die Sendung gesehen. Sie berichtet dem Fränkischen Tag, dass es nur schwer zu ertragen war, die Bilder zu sehen: "Es lässt uns nach wie vor nicht los. Man schiebt das alles von sich weg, sonst kann man nicht weiterleben."

Vor allem für ihren Sohn Jan, der damals seinen toten Vater gefunden hat, wünsche sie sich, dass der Täter endlich gefasst wird. Noch immer würden viele Menschen glauben, dass er der Mörder ist. "Ein paar Monate nach dieser Nacht habe ich ein Fußballspiel von meinem Sohn besucht", erinnert sie sich. "Als Jan ein Tor geschossen hat, hat ein Zuschauer in der Reihe vor mir gesagt: ,Das ist doch der, der wahrscheinlich seinen Vater umgebracht hat.""

Elsbeth Ottinger glaubt nicht, dass ein Jugendlicher ihren Mann umgebracht hat: "Mein Mann war groß und kräftig. Mit einem Jungen wäre er fertig geworden." Viel mehr hat die Witwe eine Gruppe Osteuropäer im Verdacht, die immer montags im Supermarkt eingekauft haben, nachdem sie in Mitwitz Autos gekauft hätten. Vielleicht bekommt Elsbeth Ottinger bald Antworten auf ihre Fragen. Sandra Hackenberg

Update, 04.10.2019: Mitwitzer Edeka-Mord bei "Aktenzeichen XY ungelöst"

2006 wurde der Besitzer eines Edeka-Supermarktes im oberfränkischen Mitwitz (Kreis Kronach) ermordet. Seitdem ist unklar, wer hinter der Tat steckt. Seit Mai 2019 ermitteln die Behörden wieder in diesem Fall. Spezialisten der Kriminalpolizei Coburg arbeiten dabei eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen.

Der Mord von Mitwitz kommt nun ins Fernsehen: Informationen der Polizei zufolge, ist der Fall Bestandteil der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst". Am Mittwoch (9. Oktober 2019) wird ein Beitrag zum Fall im TV ausgestrahlt. Kriminalhauptkommissarin Susanne Mechthold, Hauptsachbearbeiterin der eingerichteten "EKO Kreisel Cold Case", äußert sich darin zu den aktuellen Ermittlungen.

Die Ermittler hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung. Dabei ist eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Zeugenhinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ausgesetzt. Die "EKO" ist unter 09561/645-640 erreichbar.

Update, 13.09.2019: Polizei fahndet in mehreren Ländern nach Täter

In mehreren Sprachen fahnden die Beamten der EKO Kreisel Cold Case und die Staatsanwaltschaft Coburg inzwischen im Rahmen ihrer umfassenden Ermittlungen nach dem Täter des Raubmordes von Mitwitz. Die Untersuchung der zahlreichen DNA-Proben dauert an.

Ermittlungen: Männer zwischen 16 und 18 Jahren müssen DNA-Proben abgeben

Im November 2006 tötete ein Unbekannter den damals 61-jährige Norbert Ottinger in seinem Einkaufsmarkt im oberfränkischen Mitwitz (Kreis Kronach). Der Täter entwendete zudem aus dem Tresor mehr als 30.000 Euro Bargeld. Trotz intensiver und lang andauernder Ermittlungen konnten die Beamten das Verbrechen damals nicht aufklären.

Ein größerer Baustein bei den aktuellen Ermittlungen der Kriminalbeamten in dem Cold-Case-Fall war in den vergangenen Monaten die Entnahmen von rund 80 DNA-Proben bei zur Tatzeit 16 bis 18-jährigen Männern. Der Abgleich dieser Proben mit der DNA des mutmaßlichen Täters, der beim Bayerischen Landeskriminalamt durchgeführt wird, dauert derzeit noch an.

Edeka-Mord in Mitwitz: Fahndung in mehreren Sprachen

Bei ihrer umfassenden Arbeit fokussieren sich die Kriminalbeamten jedoch nicht nur auf einen Täter aus dem näheren Umfeld des Opfers. Auch eine Herkunft insbesondere aus dem osteuropäischen Ausland können sie aufgrund einzelner gewonnener Erkenntnisse nicht ausschließen. Daher veranlassten die Ermittler eine Übersetzung der bereits veröffentlichten, gemeinsamen Presseerklärung des Polizeipräsidiums Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Coburg ins Russische, Litauische und Tschechische.

Des Weiteren erhoffen sich die Beamten über Fahndungsplakate mit einem Zeugenaufruf in diesen drei Sprachen Hinweise aus der Bevölkerung. Die Plakate wurden oberfrankenweit, insbesondere im Bereich von Durchgangsstraße, an Tankstellen, Rastanlagen, bei Firmen mit Bezug ins osteuropäische Ausland sowie weiteren relevanten Örtlichkeiten, verteilt beziehungsweise ausgehängt. Daneben erfolgt ein Abgleich der DNA des mutmaßlichen Täters mit den Datenbanken des europäischen Auslands.

Die Kriminalbeamten bitten alle Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin um Mithilfe. Die Belohnung für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung des Täters führen, beträgt 10.000 Euro.

Sachdienliche Angaben nehmen die Cold-Case-Ermittler der Kripo Coburg über das Hinweistelefon unter 09561/645-640 entgegen. Die Angaben können auch vertraulich behandelt werden.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, Hinweise über das Kontaktformular der Polizei zu geben.

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