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Forchheim
Anbau

Das steckt hinter der Hanfplantage bei Forchheim

Zwischen Buckenhofen und Pautzfeld wächst Cannabis. Die meisten kennen die Pflanze als Droge. Doch ein Landwirt aus Trailsdorf setzt auf das Nischenprodukt.
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Zwischen Buckenhofen und Pautzfeld wachsen zahlreiche Hanf-Pflanzen.  Fotos: Ronald Heck
Zwischen Buckenhofen und Pautzfeld wachsen zahlreiche Hanf-Pflanzen. Fotos: Ronald Heck
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Wer von Forchheim in Richtung Pautzfeld unterwegs ist, dem fallen die großen grünen Felder mit den hüfthohen Pflanzen ins Auge. Links und rechts der Straßen wächst Hanf. Die grünen Gewächse haben die typischen fingerförmigen Blätter und verströmen einen markanten Duft.

Bei Hanf, wissenschaftlich Cannabis genannt, denken die meisten zuerst an die illegale Droge. Cannabis enthält THC (Tetrahydrocannabinol), das berauschend wirken kann. Die Droge ist als "Gras", Marihuana oder Haschisch bekannt und wird meist geraucht.


Hanf, der nicht "high" macht

Doch der Hanf, der bei Buckenhofen wächst, wird niemanden "high" machen. Die Felder gehören Markus Nagengast, der aus der Pflanze Hanföl herstellt. "Wir probieren öfters Sachen aus und haben nun eben Hanf probiert", erklärt der Bio-Landwirt aus Trailsdorf. Der Anbau von Hanf zur Industriellen Nutzung ist in der Europäischen Union legal. Die angebauten Sorten müssen laut Betäubungsmittelgesetz aber einen THC-Gehalt von unter 0,2 Prozent haben. Industrie- oder Nutzhanf wirkt nicht berauschend.

Hanf-Saatgut sei sehr teuer, betont Nagengast. "Es sind nur bestimmte Sorten zugelassen. Ich muss den Hanf anmelden und nachweisen, woher ich mein Saatgut habe", erläutert er. Sein Hanf wird zweimal im Jahr von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) kontrolliert. Dann geht ein Kontrolleur auf die Felder, nimmt Proben und untersucht sie auf den THC-Gehalt. Nur wenn die Grenzwerte eingehalten werden, darf Nagengast ernten.

Die Idee für den Hanf-Anbau bekam der 40-Jährige als er mit einer Ölmühle in Kontakt kam, die händeringend nach deutschem Hanf suchte. In Deutschland wird die Pflanze nur wenig angebaut. In Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen seien es gerade einmal 200 Hektar, weiß der Ökolandwirt. Heuer kultiviert Nagengast 10 Hektar Hanf. Er baut auch andere seltene Pflanzen wie Mohn, Lein, Leindotter und Schwarzkümmel an.


Vom Anbau bis zur Abfüllung

Weil sie mit den Ölmühlen nicht mehr zufrieden war, entschied sich die Familie Nagengast die Öle selbst zu produzieren und zu vermarkten. Er und seine Frau Lisa Nagengast dreschen, reinigen und pressen die Öle selbst. "Wir füllen es auch selbst ab und machen es noch mit der Hand zu", erläutert die 33-Jährige.

Die Familie verwertet nur die Hanf-Nüsse, das sind die Samen der Pflanze. Bei anderen Nutzhanf-Sorten wird auch das Stroh als Dämmstoff in der Bau- oder Automobilindustrie genutzt. Markus Nagengast erntet seinen Hanf Mitte bis Ende September. Die flachsartigen Stengel erschweren das Mähdreschen, ansonsten sei Hanf eine recht anspruchslose Frucht, die lediglich lockeren Boden brauche. "Hanf passt wunderbar in unsere Gegend", betont der Trailsdorfer Landwirt. Schon sein Väter hätte früher die Pflanze angebaut. Er selbst macht es jetzt im zweiten Jahr. "Heutzutage ist es ein absolutes Nischenprodukt", so Markus Nagengast.


Wertvolle Inhaltsstoffe

Das Hanföl enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe, so hat es zum Beispiel einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Die meisten nutzen es in der Küche für Salate oder andere Speisen. "Das besondere am Hanföl ist, dass es Gamma-Linolensäure hat, die entzündungshemmend wirkt", sagt der 40-Jährige. Deswegen werde Hanföl auch als Hautpflegemittel genommen, zum Beispiel bei Neurodermitis.

Eine 250-Milliliter-Flasche kaltgepresstes Hanföl vom Biolandhof-Nagengast kostet rund elf Euro. "Das Öl ist für die kalte Küche, denn durch Erhitzen wird das Fettsäure-Muster zerstört", betont Nagengast. Hanföl schmeckt nussig und verströmt den einzigartigen, markanten Geruch, den man auch in den Feldern in Richtung Pautzfeld riechen kann.