Betrüger nutzen stumme Anrufe, um deine Stimme aufzunehmen und für ihre Zwecke zu nutzen. Mit einigen einfachen Maßnahmen schützt du dich vor finanziellem Schaden.
Eine unbekannte Nummer ruft an, du hebst ab - aber der Anrufer bleibt stumm. Dabei handelt es sich nicht um ein Missgeschick, sondern um eine neue Betrugsmasche. "Stumme Anrufe" werden von Kriminellen gezielt eingesetzt und ausgenutzt.
Aus Sicht der Betroffenen erscheinen sie harmlos: Man wechselt kein Wort mit dem fremdem Anrufer, also gibt man auch keine sensiblen Informationen heraus. Doch selbst ein kurzes, einseitiges Gespräch können Betrüger für ihre Zwecke nutzen, zum Beispiel:
- Nummernvalidierung: Nimmst du den Anruf an, bestätigst du, dass es sich um eine aktive Nummer handelt. Der "stumme Anruf" wird in solchen Fällen von automatischen Wählgeräten getätigt und nicht von Menschen. Bestätigte Rufnummern können in eine Liste übertragen und im Dark Web verkauft oder für folgende Betrugsmaschen genutzt werden.
- Sprachaufzeichnung: Wer den Anruf annimmt, sagt in der Regel "Hallo" oder seinen Namen. Diese Sprachfetzen können aufgezeichnet und für weitere Betrugsmaschen genutzt werden. Ziel ist es meist, mit den Aufnahmen die Stimme des Opfers zu "klonen". Diese künstliche Stimme kann genutzt werden, um Geld von Familie und Bekannten des Opfers zu erbeuten. Auch die Zustimmung zu einem Vertrag kann nachgeahmt werden.
Stumme Anrufe: So schützt du dich vor dem unscheinbaren Betrug
Meist legen die Betrüger auf, wenn sie genug Material haben. Es kann also passieren, dass der Anruf abgebrochen wird, sobald du etwas sagst. Ebenfalls wichtig: "Stumme Anrufe" müssen nicht unbedingt von einer unbekannten oder unterdrückten Nummer kommen. Kriminelle können die Anrufer-ID-Funktion leicht missbrauchen. So erscheint möglicherweise eine Bank oder ein bekanntes Unternehmen als Anrufer, obwohl das nicht stimmt.
Laut der Cybersicherheitsfirma "Bitdefender" ist die Zahl der gemeldeten "stummen Anrufe" 2025 weltweit gestiegen. Auch das Portal "Clever Dialer" zählte die Masche im vergangenen Jahr zu den Häufigsten. Die folgenden Maßnahmen empfehlen Experten, um sich vor dem Betrug zu schützen:
- Melde dich am Besten mit einem einfache Grußwort wie "Hallo" - nicht mit deinem Namen.
- Wenn du am anderen Ende nichts hörst, lege sofort auf.
- Vermeide es "Ja" zu sagen - dies kann aus dem Kontext gerissen und zum Beispiel als Zustimmung zu Vertragsabschlüssen missbraucht werden.
- Blockiere die Rufnummer auf deinem Telefon und melde sie als Spam.
- Rufe keine unbekannten Nummern zurück, da dies hohe Kosten verursachen kann.
- Hast du einen stummen Anruf entgegengenommen, solltest du besonders wachsam sein. Ist deine Nummer erstmal als "aktiv" hinterlegt, können weitere Betrugsversuche folgen.
Codewort ausmachen: Ungewöhnliche Maßnahme gegen Betrüger
Zudem solltest du mit deiner Familie ein Codewort ausmachen. Die Maßnahme klingt vielleicht übertrieben, wird aber immer wichtiger, um sich vor Betrug mit künstlichen Stimmen zu schützen. Kurze Aufnahmen deiner Stimme reichen bereits aus, um einen "Klon" deiner Stimme zu erstellen. Kriminelle nutzen dieses sogenannte "Voice Cloning", um altbekannte Maschen wie den Enkeltrick glaubhafter zu machen. Diese Imitationen können täuschend echt klingen. Mit einem Codewort kannst du ganz einfach prüfen, ob es sich beim Anrufer tatsächlich um die Person handelt oder nur um eine Computer-generierte Stimme.