Für ihre Pläne zur Erbschaftssteuer erntet die SPD aktuell viel Kritik. DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält eine Reform jedoch für "überfällig".
Wenn es nach der SPD geht, sollen reiche Erben in Deutschland stärker besteuert werden. Denn die Partei will die Erbschaftssteuer reformieren. "Es ist für uns selbstverständlich, dass das Wohnhaus von Oma steuerfrei geerbt werden kann, aber für drei Villen Erbschaftssteuer anfällt", zitiert die Bild-Zeitung aus dem Konzept, das die SPD in diesem Zusammenhang vorlegte.
Vonseiten der Union, aber auch aus der Wirtschaft, kommen kritische Stimmen zu dem Vorhaben – vor allem was die stärkere Besteuerung von Unternehmen anbelangt. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hingegen betont auf Anfrage von inFranken.de: "Eine Reform der Erbschaftsteuer ist überfällig."
Erbschaftssteuer: Ökonom mit Vorschlag, der "nicht das Überleben der Unternehmen riskiert"
Der Ökonom bemängelt: "Menschen mit relativ geringen Erbschaften zahlen heute prozentual deutlich mehr Erbschaftsteuer als Millionenerben." Viele Erben von Unternehmen, wozu oft auch Minderjährige zählen würden, zahlten hingegen keinerlei Erbschaftssteuer. Wie eine Reform der Erbschaftssteuer aussehen könnte, dazu hat Fratzscher klare Vorstellungen.
"Eine Reform der Erbschaftsteuer kann so gestaltet werden, dass sie nicht zu einer Substanzbesteuerung führt und somit auch nicht das Überleben der Unternehmen riskiert", setzt er der Kritik aus Wirtschaft und Politik entgegen. Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (PKM), betonte gegenüber der Bild : "Was die SPD vorschlägt, wäre das faktische Ende der großen deutschen Familienunternehmen in unserem Land."
Fratzscher schlägt daher vor: "Eine Erbschaftsteuer könnte beispielsweise für Erben von Unternehmen eine Flat Tax von 15 oder 20 Prozent beinhalten, die über 20 oder mehr Jahre gestreckt werden könnte, sodass sie effektiv lediglich die Unternehmensgewinne für die Erben etwas reduziert, ohne die Substanz des Unternehmens zu besteuern." Unter Flat Tax versteht man eine Einheitssteuer, also einen festen Steuersatz, der ab dem ersten Euro für alle gilt und sich nicht mit dem Einkommen verändert.
Was plant die SPD zur Erbschaftssteuer?
Auch die SPD führte ihre Vorstellungen von einer gerechteren Erbschaftssteuer bereits aus. Folgende Änderungen sind demnach angedacht:
- Künftig soll es einen Lebensfreibetrag von einer Million Euro geben, der steuerfrei geerbt werden kann – nach Informationen der ARD sind 900.000 Euro für Erbschaften aus der Familie und 100.000 Euro von nicht oder entfernt verwandten Personen vorgesehen. Nicht betroffen wäre demnach ein selbst genutztes Eigenheim.
- Für Unternehmen soll es einen neuen Freibetrag von fünf Millionen Euro geben. Für die Steuern seien bei Unternehmen mit Arbeitsplätze-Garantie jedoch Stundungsmöglichkeiten von bis zu 20 Jahren vorgesehen. Kleinere und viele mittlere Unternehmen, die unter diesem Betrag liegen, sollen steuerfrei übertragen werden können. Vermögenswerte oberhalb dieses Betrags sollen progressiv besteuert werden.
- Die Zehn-Jahres-Regel für Schenkungen plant die SPD nicht weiterzuführen. Bislang gelten die Freibeträge für Erbschaften und Schenkungen für einen Zeitraum von zehn Jahren.